Dietmar Brockes
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir Freien Demokraten stellen heute zum dritten Mal in dieser Legislaturperiode einen Antrag zum Thema „Kernfusion“. Ich weiß, dass wir den Kolleginnen und Kollegen von CDU und Grünen nun wirklich lästig damit werden, dieses Thema immer wieder neu aufzurollen; denn in der Vergangenheit haben sie das Thema entweder bewusst ignoriert oder sogar als liberale Spinnereien abgetan. Was hat sich denn jetzt geändert, sodass wir zum dritten Mal diesen Antrag zum Thema „Kernfusion“ stellen? Die Bundesregierung hat am 1. Oktober 2025 den Aktionsplan „Deutschland auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“ ins Leben gerufen und mehr als 2 Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode für das Kernfusionsthema zur Verfügung gestellt, und am vergangenen Freitag haben sechs Bundesländer eine Allianz zur Fusionsforschung mit dem konkreten Ziel gegründet, das erste kommerzielle Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland entstehen zu lassen. Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein machen sich auf den Weg zur Kernfusion. Nur Nordrhein-Westfalen fehlt, weil diese schwarz-grüne Landesregierung das Thema bisher völlig verschlafen hat und sich eben nicht auf den Weg gemacht hat, hier aktiv zu werden – (Beifall von der FDP) und das, obwohl wir vor einer epochalen Entscheidung in Deutschland und auch in Nordrhein-Westfalen stehen. Wir müssen die Kernfusion nämlich zu einem zentralen Baustein einer klimaneutralen Energieversorgung machen. Als Industriestandort und Energieland Nummer eins mit dem größten Energiebedarf darf Nordrhein-Westfalen nicht weiter tatenlos zusehen, sondern muss alles dafür tun, um Standort des ersten Kernfusionskraftwerks in Deutschland und in der Welt zu werden. (Beifall von der FDP) Der hohe Strombedarf unserer Industrie, Digitalisierung und KI-Initiativen verlangen grundlastfähige, stabile Energiequellen. Fusion bietet eine nahezu unbegrenzte, emissionsarme Energie mit enormer Energiedichte. Aus sehr kleinen Brennstoffvolumen lässt sich enorme Energie gewinnen, ohne CO -Emissionen oder klimaschädliche Gase zu erzeugen. Eine sichere Versorgung schafft Planungssicherheit für Unternehmen, senkt Preisschwankungen und stabilisiert die Kosten für Stahl, Chemie, Maschinenbau und andere energieintensive Branchen in Nordrhein-Westfalen. Landtag Fusion ergänzt die Erneuerbaren sinnvoll. Sie liefert Grundlastenergien, auf die sich erneuerbare Kapazitäten verlassen können, während Speicherbedarf und Importschwankungen dadurch deutlich sinken. Nordrhein-Westfalen ist ein exzellenter Forschungsund Hightech-Standort. Wir haben hier das Forschungszentrum Jülich, hervorragende Universitäten und Forschungsinstitute, starke Industriepartner sowie eine pfiffige Start-up-Szene. Wir haben hier alles, was man gerade für die Kernfusion benötigt. Lassen Sie uns dies bitte auch nutzen. (Beifall von der FDP) Wir sind zum Beispiel führend bei Lasertechnik und Materialforschung. Genau dies braucht man für die Kernfusion. Hier bieten sich enorme Chancen und Potenziale, um dieses Ökosystem in Nordrhein-Westfalen gezielt zu heben. Dafür fordern wir Freien Demokraten den Aufbau eines NRW-weiten Fusionsclusters. Damit schaffen wir neue Wertschöpfungsketten sowie hochwertige Arbeitsplätze in Forschung, Engineering und Dienstleistung und sichern so langfristig unseren Industriestandort. Dafür fordern wir eine sofortige aktive Beteiligung an der Allianz der Bundesländer, die ich gerade genannt habe. Nordrhein-Westfalen muss dieses Netzwerk endlich nutzen und beim Ausbau von Forschung, Technologieentwicklung und Infrastruktur vorne dabei sein. Meine Damen und Herren, liebe Landesregierung, liebe Frau Ministerin Neubaur, wachen Sie endlich aus Ihrem Dornröschenschlaf auf. Machen wir Nordrhein-Westfalen zum führenden Land der Kernfusion! – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
