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Dr. Martin Vincentz

AfD 09.10.2025 Sitzungen 18/104

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Sollte es das Schicksal einmal schlecht mit Ihnen meinen und es Sie nach Berlin verschlagen, nutzen Sie doch zumindest die Zeit, und gehen Sie in die Gemäldegalerie. Da hängt ein sehr schönes Werk von Lucas Cranach: Der Jungbrunnen. Das ist ein Bildnis aus dem Jahr 1546, das zeigt, dass die Idee, dass das Alter etwas zwar Unausweichliches, aber irgendwie Nachteilhaftes ist, uns schon lange umtreibt. Gerade die Langlebigkeitsforschung hat dieser Tage wieder absolutes Trendpotenzial und zieht immer mehr Investoren an, sodass die Idee des Jungbrunnens gerade wieder auflebt. Man sieht dies nicht umsonst in der Nachbarschaft vieler Firmen im Silicon Valley. Milliarden fließen dorthin. Das alles sind Zeichen einer alternden Gesellschaft, die sich wünscht, das Alter vielleicht irgendwie aufhalten oder zurückdrehen zu können. Den richtigen Anpack dazu gibt es allerdings noch nicht. Ganz viele unterschiedliche Substanzen stehen gerade in unterschiedlichsten Versuchsstufen und werden getestet, bis hin zu sehr schweren Immunsuppressiva, die in dieser Hinsicht erfolgsversprechend sind, allerdings – wer könnte sich das nur ausmalen? – natürlich mit schweren Nebenwirkungen einhergehen. Das heißt: Das Wundermittelchen, um das Alter aufzuhalten oder vielleicht zurückzudrehen, gibt es nicht. Auf der anderen Seite – auch hier gilt das Stichwort „alternde Gesellschaft“ – steht unser Gesundheitssystem an vielen Stellen mit dem Rücken zur Wand. Um das zu wissen, muss man nicht unbedingt im Gesundheitssystem gearbeitet haben. Dass es um unsere Krankenhäuser und um das Gesundheitssystem im Allgemeinen nicht mehr so gut steht, erfährt man leider mittlerweile selbst, wenn man als Patient mit dem Gesundheitssystem in Kontakt kommt, ob im niedergelassenen Bereich oder in den Krankenhäusern. Es gibt verschiedene Punkte, die politisch diskutiert werden. Wir besprechen sie auch hier immer wieder mal miteinander – ob es die Pflegekrise ist, von der gesprochen wird, die Ausbildung der Mediziner oder die Ausstattung unserer Krankenhäuser, über die wir uns sicherlich auch beim Haushalt wieder vortrefflich miteinander streiten werden. All das wird allerdings das große Problem einer alternden Gesellschaft nicht lösen. Die alternde Gesellschaft wird auf der einen Seite dazu führen, dass immer mehr Mediziner und Pflegekräfte in Rente gehen. Auf der anderen Seite wird sie logischerweise – weil es den Jungbrunnen in der Realität eben nicht gibt – dazu führen, dass immer mehr Menschen das Gesundheitssystem in Anspruch nehmen werden, sodass es dort zu Engstellen kommt. 09.10.2025 Die Horrormeldungen mehren sich. Man traut sich kaum noch, die Zeitung aufzuschlagen. Jeden Tag gibt es neue Meldungen, entweder beispielsweise über den Hausärztenotstand in verschiedenen Regionen, der sich immer weiter zuspitzt, oder aber darüber – auch das ist Teil der Wahrheit –, dass die Ausgaben für das Gesundheitssystem immer weiter steigen. Erst jetzt wurde beispielsweise festgelegt, dass die Beitragsbemessungsgrenzen angehoben werden. Auch jetzt warnen die Krankenkassen an verschiedenen Stellen schon davor, dass in den nächsten Jahren der Zusatzbeitrag immer weiter steigen wird. Das heißt: Wenn es einem nicht gut geht, dann wird dies unter Umständen in diesem Gesundheitssystem an vielen Stellen in Zukunft zu einem immer größeren Problem werden. Eine ganz wichtige Lösung ist mindestens ebenso alt wie das Gemälde von Lucas Cranach: die Prävention. Dies wird aber an vielen Stellen immer noch viel zu klein geschrieben, obwohl nun wirklich wissenschaftlich maximal belegt ist, dass jeder Euro, der in die Prävention fließt, sich um ein Vielfaches auszahlt. Dennoch werden insbesondere wichtige Akteure in der Gesellschaft – seien es Bildungseinrichtungen, sei es der berufliche Arbeitsplatz – viel zu selten mitgedacht, wenn es darum geht, Prävention tatsächlich ganzheitlich zu denken und die verschiedenen Stellen der Prävention miteinander zu verbinden. Das ist zum einen die Primärprävention. Sie ist sicherlich der wichtigste Schritt, um eine Krankheit abzufangen, noch bevor sie entsteht. Zum anderen ist das spätestens dann, wenn tatsächlich auch ein Krankheitsleiden eintritt, die Sekundärprävention oder auch die Tertiärprävention. Letztere ist viel zu selten in der Praxis überhaupt bekannt. Natürlich gibt es dazu staatlicherseits schon einige Programme. Aber noch einmal: In einer Welt, in der beispielsweise der klassische Sportverein nur noch von viel zu wenigen Menschen frequentiert wird, weil zum Beispiel die Arbeitsbelastung zu groß ist oder es irgendwie nicht mehr in die Work-Life-Balance passt, sich im Verein zu organisieren, ist es eben für viele schlichtweg gar nicht mehr darstellbar, sich für den Feierabend etwa noch in einem Sportverein anzumelden und dort regelmäßig Sport zu machen. Was ist also die logische Lösung dafür? Man muss die Menschen dort abholen, wo man sie findet – beispielsweise bei der Arbeit, beispielsweise an den Hochschulen, beispielsweise in den Schulen. Dort werden viel zu wenige Lerninhalte und viel zu wenige Angebote mitgedacht, damit Prävention und Eigenverantwortung wieder in den Fokus gerückt werden und damit man es in einer alternden Gesellschaft über die nächsten 10, 15 Jahre überhaupt schafft, unser Gesundheitssystem vernünftig aufzustellen. Landtag Was ist also das Zeichen der Zeit? Wir müssen den aufgeklärten, selbstständigen und eigenständigen Bürger fördern. Wir müssen ihn in den Fokus stellen. Wir müssen ihm die Informationen zur Verfügung stellen, diese auch kennzeichnen bzw. dafür sorgen, dass dies getan wird. Vor allen Dingen dürfen wir an dieser Stelle – wir haben das schon miteinander besprochen – nicht den vielen Gesundheits-Influencern, die Ihnen beibringen, wie gesund es sei, Zaubermittelchen zu sich zu nehmen, das Feld überlassen. Es geht darum, vernünftige, vertrauensvolle und sinnvolle Informationen in den Fokus zu rücken, um die Gesundheit der Menschen am besten zu schützen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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