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Dr. Benjamin Limbach

09.10.2025 Sitzungen 18/104

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordneten! Fünf Minuten lang haben wir uns in einem Paralleluniversum postfaktischer Welt bewegt. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP) Willkommen zurück im Nordrhein-Westfalen des Jahres 2025. Das Ziel, die Praktikumsmöglichkeiten der Justiz Nordrhein-Westfalens nachhaltig zu stärken, attraktiver zu gestalten und besser mit den Anforderungen einer modernen Verwaltung zu verzahnen, um die Justiz als verlässliche, vielfältige und zukunftssichere Arbeitgeberin sichtbarer zu machen, unterstützt unsere Bemühungen um guten Nachwuchs auf ganzer Linie. So bringt der Antrag auch die Breite der vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen zur Geltung. Wir bilden selber aus: unsere Justizfachangestellten sowie die Justizfachwirtinnen und Justizfachwirte, unsere Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger, Diplomverwaltungswirtinnen und -verwaltungswirte sowie unsere Beamtinnen und Beamten im allgemeinen Vollzugsdienst, im Werkdienst und im Verwaltungsdienst. Wir sind stolz auf unsere Ausbildungsstätten: auf die Hochschule der Justiz in Bad Münstereifel und in Essen, die Ausbildungszentren in Monschau, Essen, Bad Münstereifel und die Justizvollzugsschule in Wuppertal. Mit unseren großen Kampagnen zur Nachwuchsgewinnung und zur Arbeitgebermarke Justiz begegnen wir großen Herausforderungen unserer Zeit im Wettbewerb um guten Nachwuchs. Selbstbewusst und erfolgreich werben wir für die Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen als attraktive und sinnstiftende Arbeitgeberin. Besonderes Augenmerk legen wir darauf, dass wir Zielgruppen erreichen, für die sich die Justiz bislang noch nicht als Arbeitgeberin erschlossen hat. So macht sich die Justiz in Nordrhein-Westfalen stark für mehr Teilhabe und Chancengleichheit. Darum fördern wir aktiv mehr Diversität in unseren Reihen und heben damit gesellschaftliche Potenziale und stärken ein attraktives, wertschätzendes Arbeitsumfeld. (Beifall von den GRÜNEN) Auch und insbesondere Praktika sind für eine gut aufgestellte Nachwuchsgewinnung ein ebenso wichtiger wie bewährter Baustein, um junge Menschen an die Justiz und ihre Berufsfelder heranzuführen, ihr Interesse zu wecken und zu vertiefen, was sich in der großen Nachfrage nach Praktikumsplätzen auch deutlich zeigt. Meine Damen und Herren, praxisnahe Einblicke in die Arbeitsbereiche der Justiz sind nicht nur elementar, um die Arbeitsweise der Justiz bekannt zu machen 09.10.2025 und um nachhaltig Nachwuchs zu sichern, sondern sie fördern darüber hinaus gleichzeitig ein Verständnis für das Recht, für den Rechtsstaat und können damit einen wichtigen Beitrag zur Rechtsstaats- und Demokratiebildung junger Menschen leisten. Die Justiz hat in den vergangenen Jahren landesweit bewährte Praktikumsstrukturen etabliert. Viele Justizeinrichtungen investieren hier viel Zeit und Herzblut und bieten zahlreiche Praktikumsformate an. Der Ausbau von Besuchsprogrammen und Schulpartnerschaften in Justizeinrichtungen ist daher gut geeignet, jungen Menschen die Justizarbeit vor Ort sichtbar sowie nahbar zu machen. Auch ein Austausch zwischen Anwärterinnen und Anwärtern, die bereits in der Ausbildung sind und von eigenen Erfahrungen berichten können, und Praktikantinnen und Praktikanten verspricht interessante kommunikative Zugänge. Der Vorschlag, unsere Kanäle der Nachwuchswerbung über die bestehenden Praktikumsportale bei den Kommunen zu erweitern, lässt eine höhere Reichweite auf sehr effiziente Weise erwarten. Standardisierte, klar strukturierte Praktikumsprogramme und die Möglichkeit, Feedback zu geben, bilden eine sinnvolle Unterstützung für unsere Justizeinrichtungen. Ich will aber auch nach den Worten zu dem Antrag etwas zu Ihnen, Herr Wolf, sagen. Ihr letzter Tag bei uns im Plenum, Ihr letzter Monat als Abgeordneter nach 15 Jahren im nordrhein-westfälischen Landtag – das ist schon ein besonderer Tag. Wir haben in diesem Plenum und im Rechtsausschuss häufig die Klingen gekreuzt – möchte ich ganz neutral formulieren. Wir sind in manchen Punkten nicht immer einer Meinung gewesen. Wir haben aber immer dasselbe Ziel gehabt, dass dieser Rechtsstaat, diese Demokratie geschützt und gesichert werden müssen. In diesem Ziel wusste ich uns als Freunde des Rechtsstaats und als überzeugte Demokraten immer einig. Ich habe immer erlebt, dass Ihnen die nordrheinwestfälische Justiz wirklich sehr am Herzen gelegen hat. Ich mache das an einer kleinen Begebenheit deutlich. Sie sind der einzige Abgeordnete dieses Landtags gewesen, der mir, als ich kleiner Referatsleiter im Justizministerium zum Direktor der Fachhochschule ernannt wurde, mit einem persönlichen Schreiben gratuliert hat zu diesem neuen Amt. Wir hatten uns vielleicht ein-, zweimal im Rechtsausschuss gesehen, wo ich den damaligen Minister begleitet hatte. Ich habe das als ein ganz besonderes Zeichen der Wertschätzung für die Menschen in der Justiz empfunden, wenn ein Abgeordneter einen Beamten anschreibt, der eine Führungsfunktion übernimmt, und ihm gratuliert. Ich habe in all dieser Zeit mit Ihnen, auch in den letzten drei Jahren hier, in der ich als Minister in diesem Haus tätig sein durfte, immer wieder erlebt, wie sehr die Justiz Ihnen am Herzen lag – nicht nur die Justiz Landtag in Remscheid. Das ist das gute Recht eines jeden Abgeordneten, einer jeden Abgeordneten, für die Justiz am eigenen Standort zu kämpfen. Auch darüber hinaus lag Ihnen die Justiz unheimlich am Herzen. Sie waren ein engagierter Streiter für einen funktionierenden, guten, effizient arbeitenden Rechtsstaat, der die Rechte jedes Einzelnen schützt und der die Interessen aller Menschen im Blick hat. Dafür haben Sie sich eingesetzt. Nun wechseln Sie von der Legislative nach 15 Jahren in die Exekutive als Oberbürgermeister. Ich habe nachgeguckt. Sie werden nächstes Jahr 50, wenn ich es richtig gesehen habe. (Sven Wolf [SPD]: Wenn das unter uns blei- ben kann, danke! – Heiterkeit) Man sagt ja immer, dass das die Zeit ist, wo man möglicherweise in die Midlife-Crisis gerät und sich überlegt, was man machen soll oder nicht. Sie machen es genau richtig. So habe ich das damals auch gemacht. Ich bin genau in dem Alter noch mal richtig gewechselt. Ich finde, damit kann man jede Midlife-Crisis vermeiden, indem man sich noch mal eine komplett neue Herausforderung sucht. Ich glaube, das sind jetzt fünf spannende und aufregende Jahre, die vor Ihnen liegen als Chef einer Stadtverwaltung einer nordrhein-westfälischen Großstadt. Lieber Herr Wolf, ich wünsche Ihnen dazu hier vom Pult aus viel Tatkraft, eine stabile Gesundheit und Gottes Segen. (Sven Wolf [SPD]: Herzlichen Dank!) Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der FDP)

Protokoll ↗