Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Ob am Kölnberg im Kölner Stadtteil Meschenich, in der Dortmunder Nordstadt, in den Wohnblocks an der Johannesstraße in Mönchengladbach oder im Weißen Riesen in Duisburg, in ganz NRW gibt es das Problem stets an der gleichen Art von Orten: Es sind Schrottimmobilien und soziale Brennpunkte. (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: Na ja!) Dem Verfall preisgegebene Häuser sind nicht nur Mahnmale des Heimatverlustes in ehemaligen SPD-Hochburgen, (Lachen von Julia Kahle-Hausmann [SPD]) sie sind auch Magneten, die Ratten und anderes Ungeziefer anziehen. Käme Heinrich Heine nach NRW zurück, würde er heute wie damals sagen: „Es gibt zwei Sorten Ratten: die hungrigen und satten.“ An den genannten Orten finden wir wahrscheinlich vor allem letztere Sorte. Warum müssen wir uns wieder mit solchen Problemen wie Rattenplagen befassen, die wie ein ekliger Gruß aus längst vergangenen Tagen anmuten? (Ralf Witzel [FDP]: Weil es reale Probleme für die Menschen sind!) Manche nennen es euphemistisch „Mediterranisierung des öffentlichen Raumes“ und meinen die Atmosphäre einer Piazza in einer kleinen Stadt in der Toskana. Treffender wäre aber der Vergleich mit den Müllbergen in Neapel. Andere sprechen von „urbanem Wildleben“, aber der exaktere Begriff ist „Rattenplage“. Schauen wir uns mal Dortmund an. Da tummeln sich schätzungsweise 2 Millionen Ratten. Das macht rund drei bis vier Ratten pro Dortmunder. Das liegt 08.10.2025 natürlich an der Vermüllung und Verwahrlosung des öffentlichen Raumes – für Ratten hochattraktiv. Neben Ratten werden diese Orte auch von etwas anderem bevölkert: von Leuten, die bekannt bis berüchtigt sind, Müll gerne vor der Haustür, im Innenhof oder im Hintergarten zu entsorgen. Wir können sie beim Namen nennen, beispielsweise im Weißen Riesen in Duisburg: Zigeuner aus Südeuropa. Selbst der WDR musste darüber berichten – Zitat –: „Wer die Fenster des Weißen Riesen beobachtet, der sieht, wie im Minutentakt Müll aus den Fenstern fliegt. Der Weg zur Tonne scheint vielen Bewohnern zu weit zu sein. Am Nachmittag liegen Müllsäcke, Essensreste und Unrat am Fuße des Hochhauses.“ So viel zur pittoresken Atmosphäre der Piazza in der Toskana und der Mediterranisierung des öffentlichen Raumes. Die FDP möchte mit diesem Antrag das Rattenproblem bekämpfen, indem der Erwerb von Rodentiziden auch für Privatleute möglich bleiben soll. Richtig ist, dass professionelle Schädlingsbekämpfer das Problem mit der Rattenplage kurzfristig wohl nicht lösen können. Deswegen wäre es ein Fehler, die Zulassung von Rodentiziden für Privatpersonen auslaufen zu lassen. Aber noch etwas anderes ist wichtig: Schlechte sanitäre Einrichtungen und Zugänge von Häusern zur Kanalisation müssen rattensicher gemacht werden. Diesen Rattenschwanz – Verzeihung für das Wortspiel – erwähnt die FDP im Antrag nicht. Außerdem: Misstrauisch sollte der Staat nicht gegenüber den Bürgern sein, die die Lösung von Problemen selbst in die Hand nehmen wie bei der Rattenbekämpfung. Misstrauisch sollte der Staat gegenüber denjenigen sein, die durch ihr Verhalten paradiesische Zustände für diese Ratten erst schaffen. Rodentizide gelten immer noch als wirksames Rattengift, weil sie Gerinnungshemmer sind. Nur gebe ich zu bedenken: Fast 80 % der Ratten gelten inzwischen als immun gegen solche Gerinnungshemmer. Allerdings: Gesund sind diese Ratten damit noch lange nicht. Schauen wir uns eine Untersuchung der Columbia University von 2014 an, dann stellen wir fest, eine einzige New Yorker U-Bahn-Ratte trägt 18 Viren in sich, und zwar 18 Viren, die man vorher noch gar nicht kannte. Insofern ist es natürlich richtig, dass ein besseres Rattenmonitoring angebracht wäre oder dass die Ausbildung von Schädlingsbekämpfern gestärkt werden muss, und damit meine ich nicht Flötenunterricht beim Rattenfänger von Hameln, auch wenn ich mir den Kollegen Brockes sehr gerne dabei vorstellen würde. Landtag Wir brauchen mehr Schädlingsbekämpfer. Die Kommunen müssen die Schädlingsbekämpfer robuster und auch flächendeckender einsetzen. Aber am Ende ist vor allem eines entscheidend: Die Vermehrung von Ratten hängt direkt mit dem Nahrungsangebot zusammen. Das kann man an Städten wie Hongkong studieren. Durch strenge Hygiene ist es dort gelungen, die Rattenplage drastisch zu reduzieren. In Nordrhein-Westfalens Städten wird das nur funktionieren, wenn man die Verursacher zur Rechenschaft zieht. Die kommunalen Ordnungsbehörden können und müssen mehr durchgreifen. Als Fazit: Der FDP-Antrag weist in die richtige Richtung. Aber ganz traut sich die FDP nicht, das Problem beim Namen zu nennen. Der Überweisung stimmen wir natürlich zu. Aber das Problem der Ratte ist tatsächlich eher ein Problem des Menschen, der dort wohnt. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
