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Julia Kahle-Hausmann

SPD 08.10.2025 Sitzungen 18/103

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich zunächst ein persönliches Wort sagen. Sehr geehrter Herr Dr. Nolten, lieber Ralf, herzlichen Glückwunsch zur Wahl! Es war mir immer eine Freude, mit dir zusammenzuarbeiten. Vielleicht hast du für mich und für den einen oder anderen meiner Kollegen mal ein Visum für deinen Landkreis übrig. Das würde mich freuen. Aber jetzt zum Fachlich-Sachlichen: Die FDP – das haben wir heute gehört – bringt einen Antrag ein, der auf den ersten Blick nachvollziehbar klingt. Ratten stellen tatsächlich eine reale Gefahr für Gesundheit, Infrastruktur und Lebensmittelsicherheit dar. Das bestreitet niemand. Die Frage ist aber: Wie bekämpfen wir sie wirksam, ohne neue Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt zu erzeugen? Zunächst ist klar: Ratten übertragen Krankheitserreger, sie beschädigen Leitungen, Gebäude und Vorräte. Das ist ein Problem für die öffentliche Gesundheit und für die kommunale Infrastruktur. (Ralf Witzel [FDP]: Genau!) Aber Rattenbekämpfung ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge. Sie liegt in der Verantwortung der Kommunen, nicht allein der Privatpersonen. Schon heute beauftragen Städte und Gemeinden professionelle Schädlingsbekämpfer, um in Kanalisationen, Grünanlagen und Gebäuden gezielt und kontrolliert vorzugehen. Fachleute verfügen über die notwendige Ausbildung und dürfen Rodentizide sachgerecht einsetzen. Der Antrag der FDP suggeriert leider, dass der Entzug dieser Mittel für Privatpersonen ein Sicherheitsrisiko darstellt. Tatsächlich ist es aber genau umgekehrt. Der unkontrollierte Gebrauch hochtoxischer Antikoagulanzien im privaten Umfeld ist ein erhebliches Risiko. Kinder, Haustiere und Wildtiere leiden gleichermaßen. Dabei meine ich noch nicht mal die kriminalisierten Geschichten, dass Hunde vergiftet werden oder Antikoagulanzien schon in der Kaffeetasse des unliebsamen Nachbarn gelandet sind. Diese Mittel wirken über Blutgerinnungshemmung. Schon minimale Dosen können bei Greifvögeln, 08.10.2025 Füchsen oder Igeln tödlich wirken, wenn sie vergiftete Ratten fressen. Untersuchungen des Umweltbundesamtes belegen, dass Antikoagulanzien heute fast in jedem Greifvogel nachweisbar sind. Sie reichern sich in der Nahrungskette an, gelangen in Böden und Gewässer und bleiben dort über Monate aktiv. Das widerspricht jedem Vorsorge- und Nachhaltigkeitsprinzip. Darum ist die Einschränkung des Privatgebrauchs dieser Gifte nicht willkürlich, sondern eine Schutzmaßnahme für Mensch, Tier und Natur. Sie soll sicherstellen, dass chemische Mittel nur dort eingesetzt werden, wo sie notwendig und kontrollierbar sind. Natürlich sehen wir auch: Eine erfolgreiche Rattenbekämpfung braucht Alternativen. Deshalb sollte das Land den Kommunen helfen, ihre Bekämpfungsstrategien zu professionalisieren mit flächendeckendem Monitoring – da haben wir es –, mit Schulungen, mit Förderung technischer Lösungen wie digitalen Fallen- und Sensorsystemen, die aber ohne Gift auskommen. Kommunen wie Hamburg oder Wien zeigen, dass das funktioniert. Dort melden Bürgerinnen und Bürger Befälle online. Die Kommune reagiert gezielt, und das ganz ohne flächendeckenden Gifteinsatz. Die SPD teilt also das Ziel, Gesundheit und Sicherheit zu schützen. Aber wir wollen es mit Verantwortung tun, sozial, ökologisch und wissenschaftlich fundiert. Wir sehen die Notwendigkeit, professionelle Kapazitäten auszubauen, nicht Gifte zu liberalisieren, (Ralf Witzel [FDP]: Passiert doch nicht!) und wir erkennen an, dass Artenschutz, Bodenschutz und öffentlicher Gesundheitsschutz keine Gegensätze sind, sondern zusammengehören. (Beifall des Norwich Rüße [GRÜNE]) Unser Fazit: Der Antrag benennt ein reales Problem, aber er zieht die falschen Schlussfolgerungen. Wir wollen keine Symbolpolitik, sondern eine faktenbasierte, nachhaltige Strategie gegen Rattenbefall gemeinsam mit den Kommunen, mit Umwelt- und Gesundheitsbehörden, mit Fachleuten und Verbraucherinnen und Verbrauchern. Deshalb befürworten wir die Überweisung an den Umweltausschuss, um dort die offenen Fragen zu klären: Wie sieht eine moderne, eine umweltverträgliche Rattenbekämpfung aus? Wie stärken wir die Kommunen, statt Privatpersonen alleinzulassen? Wie schaffen wir es, Natur- und Gesundheitsschutz nicht gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander zu verbinden? – Vielen Dank.

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