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Andreas Bialas

SPD 08.10.2025 Sitzungen 18/103

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Worum geht es? Die Höhe der Förderung der freien darstellenden Künste muss sich an die fairen Löhne anpassen, also die Honoraruntergrenzen berücksichtigen, ebenso die Inflationsentwicklung. Faire Bedingungen sind nicht unredlich, verehrte Kollegin. Die Förderung der freien darstellenden Künste muss ebenso, wie es in vielen anderen Bereichen selbstverständlich ist, dynamisiert werden, und die Overheadkosten sind zu berücksichtigen. Es ist also auch Akquise als förderfähig einzustufen, gerade dann, wenn erwartet wird, dass anderweitige Finanzquellen erschlossen werden sollen. Wir haben, Frau Ministerin, durchaus Verständnis für das Vorgehen, und es ist auch ein Vertrauensvorschuss, den Sie an dieser Stelle bekommen, weil wir überzeugt sind, dass Sie auch bei dem geringeren 08.10.2025 Budget im Sinne der Kultur handeln. Dennoch ist für uns die Kürzung grundsätzlich falsch, und dass letztendlich bei denen, die bereits am flexibelsten sind, noch einmal eingespart werden soll, ist ebenfalls falsch. Gerade sie, die am flexibelsten sind, brauchen gewisse Sicherheiten. Packen wir also bei denen nicht noch mehr Ungewissheit drauf, sondern entlasten wir sie lieber. Wir hatten eine Anhörung. Alle Anwesenden waren einer Meinung, und ich lasse an dieser Stelle die Angehörten reden. Ich zitiere. Erstens: „Der Einführung der Honoraruntergrenzen […] muss dringend auch eine finanzielle Begleitung folgen. […] Sehr unterstützen möchten wir auch die Forderung nach Dynamisierung in den Förderungen […].“ Das war der Kulturrat NRW. Zweitens: „Hätte man seit 2018 einfach nur den inflationsbedingten Verlust ausgleichen wollen, hätte die Förderung […] seitdem um weitere 23,75 % aufwachsen müssen.“ Das war das NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste. Drittens: Der Vertreter des Schauspielhauses Düsseldorf trug eine Geschichte vor. Diese Geschichte lautet: „[…] 1813. Die Dänen hatten den Krieg mit den Engländern verloren und waren in einem Staatsbankrott. In dieser Situation hatte der Prinz die Erhöhung des Kulturetats durchgesetzt. […] Zum Protest des Finanzministers äußerte der Kronprinz, der später zum weisen Christian VIII wurde: ‚Arm und Elend sind wir schon. Lasst uns jetzt noch dumm werden, und wir können […] aufhören, ein Staat zu sein.‘“ Viertens: „Freie Theaterhäuser sind, weil es oft nicht anders geht, Beispiele für Effizienz, für Effektivität und für Flexibilität. Es gibt hier keine aufgeblasenen Strukturen […]. Es gibt wenige Bereiche, wo sie mit verhältnismäßig so wenig Einsatz so große Effekte erzielen können.“ COMEDIA Theater Köln war das. Fünftens: „Würden wir uns nur über Eintrittseinnahmen finanzieren, wie es der Bund der Steuerzahler NRW in seinem Statement vorschlägt, würde ein großer Teil unserer gesellschaftlich relevanten Essenz wegfallen. Die kostenfreien Angebote für Kinder und Jugendliche, die Projekte mit arbeits-Landtag losen Menschen, die offenen Diskursveranstaltungen, unsere inklusive Partyreihe und Werkstätten würden als Erstes wegfallen.“ Das war der Ringlokschuppen Ruhr. – pulk fiktion sagt: „In jeder diskursiven Probe, in jeder lebhaften Kindervorstellung, in jedem angeregten Nachgespräch, in jedem generationsübergreifenden Workshop, einfach an jeden Tag meiner Arbeit erlebe ich die unterschiedlichsten jungen Menschen, die einen Möglichkeitsraum betreten und über die Zukunft von sich und der Welt nachdenken, die sich spüren und Andersartigkeit aushalten. Keine Sekunde davon braucht es weniger.“ Siebtens: Im Unterschied zu den Theatern in öffentlicher Trägerschaft können freie Häuser Lohnerhöhungen kaum auffangen. Bei gleichbleibender Förderung müssen gestiegene Personal- und Betriebskosten bewältigt werden. Freie Theaterhäuser übernehmen in NRW eine vierfache Rolle: Sie sind niedrigschwellige Kultur- und Begegnungsorte, Produzenten von Theater, Tanz und Performance, Kooperationspartner und Förderer freier Künstler:innen sowie Bühne für den künstlerischen Nachwuchs. Sie leisten einen erheblichen Beitrag zur kulturellen Praxis in den Kommunen. Das war die einhellige Meinung der Anwesenden. Der Bund der Steuerzahler war nicht da. Lassen Sie uns also gemeinsam für eine starke freie Szene, für starke freie Theaterhäuser eintreten. Gerade die freie Szene hat einen sehr großen Anteil an Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche sowie an der kulturellen Bildung. Sehen wir die enorme Kraft für die Kunst, aber auch die enorme Kraft in gesellschaftspolitischer Dimension. Schließen Sie sich unserem Antrag an, eine Fraktion hat ja noch die Möglichkeit. Schließen Sie sich aber auch den Forderungen der Demonstrierenden an, die zwei Stunden vor dem Haus standen. Sie waren ja auch da. Die Forderungen lauten: den Kulturhaushalt 2026 in NRW mindestens stabil halten, keine weiteren Kürzungen der Kunst- und Kulturförderung des Landes NRW, Rücknahme der bereits geschehenen Kürzungen bei der Förderung der Künste in NRW. Es geht hier nicht nur um einzelne Förderprogramme, es geht hier um ein Gemeinwesen. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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