Dilek Engin
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Heute steht wieder einmal der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen im Vordergrund der AfD-Politik und setzt damit Frauen und Mädchen wieder einmal auf die Hassagenda der AfD-Fraktion. (Beifall von Gönül Eğlence [GRÜNE]) Wie so oft nimmt die AfD ein reales Phänomen und spinnt daraus eine gefährliche Erzählung, die mit Bildungspolitik nichts zu tun hat. Deswegen lohnt es sich nicht, weiter inhaltlich auf den Antrag einzugehen. Ja, es gibt empirisch gesehen Unterschiede im Bildungsgang zwischen Jungen und Mädchen. (Dr. Christian Blex [AfD]: Und beim IQ! Und beim IQ!) Ja, wir haben in bestimmten Schulformen und -fächern mehr Lehrerinnen als Lehrer. (Dr. Christian Blex [AfD]: Und beim IQ! – Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Reden Sie doch nicht von Sachen, von denen Sie nicht betroffen sind!) Was aber folgt aus den extrem verkürzten Analysen? Folgt daraus etwa, dass Frauen wieder zurück an den Herd sollen oder dass Gleichstellung plötzlich Männerbenachteiligung heißt? (Heiterkeit von Gönül Eğlence [GRÜNE]) Nein, diese Zeiten sind endgültig vorbei, Herr Dr. Blex. (Beifall von der SPD, der CDU, den GRÜNEN und der FDP – Christin Siebel [SPD]: So näm- lich!) Spätestens seit dem 21. Jahrhundert sind wir uns einig: Die ungleiche Behandlung zwischen Geschlechtern ist Gift – Gift für die Demokratie, Gift für unsere Gesellschaft. Dieses Gift entsteht nicht von allein. Es entsteht durch alte Rollenbilder, durch Vorurteile; durch genau das, wovon die AfD lebt. Denn die AfD behauptet, man müsse Männer fördern, indem man Frauen benachteiligt. (Dr. Christian Blex [AfD]: Sie haben den An- trag nicht gelesen! – Christin Siebel [SPD]: Muss man auch nicht!) Das ist kein Beitrag zur Gerechtigkeit. Das ist ein Rückschritt mit Ankündigung. Herr Dr. Blex, Ihre Fraktion will gezielte Frauenförderung streichen, (Dr. Christian Blex [AfD]: Sie haben den An- trag nicht gelesen!) Landtag als wäre sie ein Luxusproblem. Dabei ist klar, was Sie wirklich wollen: die Rückkehr zur alten Ordnung, zur schwachen Frau und zum starken Mann, (Gönül Eğlence [GRÜNE]: Alles klar!) zur autoritären Männlichkeit, die Sie so bewundern – ob bei Putin oder bei Trump oder in Ihrem Antrag. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Genau so ist das!) Es ist immer dasselbe Muster. Selbstbestimmung? – Böse. (Zuruf von Frank Müller [SPD]) Gendern? – Böse. Vielfalt? – Gefährlich. Bildung ist aber kein Nullsummenspiel. Wenn Mädchen erfolgreich sind, dann verlieren die Jungen nicht. (Beifall von Gönül Eğlence [GRÜNE]) Wir leben in einem Land, in dem Bildung für alle zugänglich ist – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder sozialem Status. Alle gewinnen, wenn alle gleichermaßen individuell gefördert werden. Wer Gleichstellung abschaffen will, um angebliche Benachteiligung zu heilen, der hat das Prinzip von Bildung nicht verstanden. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU) Den gleichen Logikfehler macht die AfD auch beim Thema „Lehrkräfte“. In einer Zeit, in der jede fünfte Unterrichtsstunde ausfällt, in der uns Tausende Lehrkräfte fehlen, fällt der AfD nichts Besseres ein, als künstliche Barrieren aufzubauen. Die AfD möchte im Prinzip eine Art Männerquote im Lehrerzimmer. Das ist absurd. Wir brauchen mehr Lehrkräfte, nicht mehr Ideologien. Ganz ehrlich: Das eigentliche Problem ist, dass die AfD es einfach nicht ertragen kann, wenn eine Frau Mathe oder Physik unterrichtet. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN) Fakt ist aber: Frauen können das und tun es. Sie machen es jeden Tag. Im Kern geht es der AfD nicht um Gerechtigkeit oder bessere Bildung für Jungen oder Mädchen. Der AfD geht es wie immer nur um sich selbst und darum, die eigene rechte Ideologie für Instagram zu verkaufen – für Klicks, für Empörung, (Thomas Röckemann [AfD]: Welche denn?) für das ewige Spiel „wir gegen die anderen“, für die autoritäre Männlichkeit und für die Ausgrenzung von Frauen. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) 08.10.2025 Aber ich sage es deutlich: Keine demokratische Fraktion in diesem Haus wird dieser Ideologie folgen. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Zu- ruf von Dr. Christian Blex [AfD]) Wir als Gesellschaft haben große Fortschritte gemacht. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) Und wir sollten dankbar sein für jede Lehrkraft, für jede Unterrichtsstunde, die trotz Fachkräftemangels stattfindet. Wir müssen Lehrkräfte gewinnen, nicht Geschlechter bekämpfen. Wir wollen Chancengleichheit im Schulsystem statt Männerquoten und Frauenhass. Daher wollen wir als SPD-Fraktion auch lieber auf die morgige Aktuelle Stunde verweisen, in der wir über mehr Investitionen in unsere Bildung sprechen wollen. Wir müssen Lösungen für die vielen vorhandenen Probleme finden, statt künstlich neue Probleme zu schaffen. Darum lehnen wir diesen Antrag entschieden ab – im Sinne der Vernunft, im Sinne der Gleichheit und vor allem im Sinne der Menschenwürde. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Ver- einzelt Beifall von der CDU – Zuruf von Thomas Röckemann [AfD])
