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Jonathan Grunwald

CDU 08.10.2025 Sitzungen 18/103

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über einen Antrag der AfD, der unser Schulsystem in Nordrhein-Westfalen als geschlechterungerecht darstellen soll. Doch die Wirklichkeit ist eine andere. (Zuruf von Dr. Christian Blex [AfD]) 08.10.2025 Unser Land hat sich in den vergangenen Jahren unter Schwarz-Grün zielgerichtet für eine moderne, gemeinschaftliche und leistungsorientierte Bildungspolitik entschieden. Genau das ist der richtige Weg. Nach der Lektüre dieses Antrags bleiben vor allen Dingen zwei Dinge zurück: Kopfschütteln und eine Vielzahl von Fragen. Was haben Sie sich bei der Ausarbeitung eigentlich gedacht? Sind Ihnen die Unterstellungen gegenüber weiblichen Lehrkräften tatsächlich bewusst? Und halten Sie Ihre Vorschläge ernsthaft für tragbar? Zur Mitte Ihres Textes beginnen Sie, von Heteronormativität zu schwadronieren; einem, wie Sie es nennen, angeblichen Feindbild des Feminismus. Allein diese Wortwahl und die Art, wie Sie den Begriff instrumentalisieren, entlarven das ideologische Fundament Ihres Antrags. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN, Christin Siebel [SPD] und Franziska Müller-Rech [FDP]) Damit sind wir beim Kern angekommen. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Sie fordern mehr männliche Lehrkräfte, um einer vermeintlich feministischen Lehre, einer systematischen Benachteiligung von Jungen entgegenzuwirken. Glauben Sie selbst eigentlich das, was Ihnen Ihre Referenten aufgeschrieben haben? (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Unsere Lehrkräfte in Nordrhein-Westfalen – und zwar unabhängig von ihrem Geschlecht – leisten jeden Tag Großartiges, indem sie genau das Gegenteil dessen tun, was Sie unterstellen. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Sie fördern Zusammenarbeit, stärken das Miteinander der Geschlechter und sehen das Kind in seiner Einzigartigkeit und Individualität. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Unsere Schulen trennen nicht, sondern sie verbinden. Schülerinnen und Schüler sollen lernen, dass sie gemeinsam stark sind – egal, ob sie besser in Mathematik, Sprachen, Musik oder Sport sind. Unser Schulgesetz schreibt ausdrücklich fest, dass die Gleichberechtigung der Geschlechter zu achten ist. Es geht nicht darum, Unterschiede künstlich zu nivellieren, wie Sie suggerieren, sondern allen Kindern eine faire Chance zu geben – unabhängig von Geschlecht, Herkunft und sozialem Hintergrund. Unser Schulministerium bietet dafür einen klaren Rahmen. Mit der „Pädagogischen Orientierung für eine geschlechtersensible Bildung“ werden praxistaugliche Materialien bereitgestellt, die Lehrkräfte im Alltag unterstützen. Das ist keine Ideologie, sondern Landtag das sind Hilfen für den Unterricht, die Kommunikation und die Schulkultur. Hätten Sie auch nur eine einzige Minute damit verbracht, sich mit der Handreichung näher zu befassen, wäre Ihnen aufgefallen, dass Sie gar keine heiße Spur verfolgen und keine Geheimverschwörung der Männerhasser in unserem Bildungssystem aufgedeckt haben. (Christin Siebel [SPD]: Was?) Das Ministerium beschreibt beispielsweise die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern und die Tatsache, dass mehr Schüler als Schülerinnen die Schule ohne Abschluss verlassen, ziemlich deutlich – und zwar ohne Schaum vor dem Mund, ohne Verschwörungstheorie. Im Gegensatz zu Ihrem Antrag finden sich sehr konkrete Handlungsempfehlungen, mit dem Ziel, dass alle Kinder und Jugendlichen ihre individuellen Potenziale bestmöglich entfalten können und Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes vermieden und abgebaut werden. So können Lehrkräfte beispielsweise bei Bedarf die Geschlechter trennen und spezielle Angebote für Jungen und Mädchen unterbreiten. Auch sollen sie unterschiedliche geschlechterbezogene Vorerfahrungen und Interessen im Unterricht berücksichtigen. Und halten Sie sich fest: Es wird auch eine möglichst ausgeglichene und vielfältige Repräsentanz der Geschlechter in verschiedenen Bereichen des Schulalltags empfohlen. Selbstverständlich fehlt auch nicht der Hinweis, dass männliche Lehrkräfte oder weitere pädagogische Fachkräfte Vorbilder für Jungen sein können, indem sie durch ihr eigenes Verhalten deutlich machen, dass sich Anstrengungsbereitschaft und Männlichkeit nicht ausschließen. Unser Leitbild dabei ist klar: Schulen in Nordrhein-Westfalen sind Orte der Gemeinschaft, der Leistung und der Zukunft. Wir wollen Kinder und Jugendliche stärken. Wir bauen auf Vertrauen in unsere Lehrkräfte, auf attraktive Arbeitsbedingungen für unsere Lehrerinnen und Lehrer sowie auf die stetige Weiterentwicklung unseres Bildungssystems. Ihren Unterstellungen und der Stigmatisierung weiblicher Lehrkräfte widersprechen wir entschieden und lehnen daher Ihren ideologisch aufgeladenen Antrag ab. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN, Christin Siebel [SPD], Dilek Engin [SPD] und Fran- ziska Müller-Rech [FDP])

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