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Zacharias Schalley

AfD 19.09.2025 Sitzungen 18/102

Vielen Dank. – Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Stellen Sie sich einen 16-Jährigen vor, der gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr plant. Statt öde Akten zu sortieren oder Flyer für Umweltbildung zu verteilen, packt er auf einem echten Bauernhof mit an: morgens Kühe melken, nachmittags Stall ausmisten, abends todmüde, aber stolz ins Bett fallen, Trecker fahren, Obst und Gemüse ernten, im Einklang mit den Jahreszeiten leben. Wer einmal selbst im Stall stand, begreift den Wert von Milch und Fleisch ganz anders. Wer einmal selbst das Wachsen und Werden der Pflanzen von Aussaat bis Ernte verfolgen konnte, der begreift diese Dinge ganz anders als jemand, der nur das Preisschild im Supermarkt sieht. Unser Antrag ist deshalb ganz einfach: Wir wollen das Freiwillige Ökologische Jahr in Nordrhein-Westfalen auch für die ganz normalen landwirtschaftlichen Familienbetriebe öffnen, und zwar nicht nur für die wenigen Bio-Vorzeigehöfe, sondern für all die normalen, konventionell wirtschaftenden Betriebe, (Zuruf von den GRÜNEN) die Tag für Tag unsere Ernährungssicherheit gewährleisten. Dass es dafür höchste Zeit ist, zeigen die negativen Entwicklungen in der Landwirtschaft. Immer weniger Menschen arbeiten in diesem Bereich, der für uns alle doch so existenziell wichtig ist. In den letzten Jahren ist die Zahl der Arbeitskräfte in diesem Sektor kontinuierlich gesunken – nicht dramatisch von einem Jahr aufs nächste, aber stetig und scheinbar unaufhaltsam. Das bedeutet aber auch fehlende Hände, die Melkmaschinen bedienen, fehlende Hände, die Zäune reparieren, fehlende Hände, die Erdbeeren pflücken. Gleichzeitig werden die Saisonarbeitskräfte weniger, auf die man sich früher verlassen konnte. Nein, daran ist nicht das schlechte Wetter schuld, sondern die politische Wetterlage. Wer möchte schon auf dem 19.09.2025 Feld Spargel stechen, wenn man auch fürs Nichtstun zu Hause auf dem Sofa belohnt wird? Selbst in den Familienbetrieben, in denen früher selbstverständlich die Kinder, Cousins oder Onkel mithalfen, ist es heute oft so. Der Öhm bleibt nicht mehr auf dem Hof; er sitzt im Homeoffice in der Stadt. Es ist also kein Wunder, dass viele Betriebe ihre Nachfolge nicht mehr gesichert sehen. Noch viel schlimmer: Immer mehr Altbauern raten ihren Kindern davon ab, in die Landwirtschaft zu gehen. Der Frust bei unseren Bauern sitzt tief. Wir alle haben noch die Bauernproteste vor Augen. Und die Politik verschlechtert die Rahmenbedingungen zuverlässiger als der für das Bauernjahr so elementare Wechsel der Jahreszeiten. Die Folge: kaum Auszubildende, kaum Nachfolger, die bereit sind, die harte, aber unverzichtbare Arbeit weiterzuführen. Bundesweit gab es im Jahr 2023 gerade einmal 9.100 Eleven. Für eine Branche, die Millionen Menschen ernährt, ist das viel zu wenig. Was also tun? Wir schlagen vor, jungen Menschen einen freiwilligen Landdienst zu ermöglichen. Wer Lust hat, packt auf dem Hof mit an. Wer keine Lust hat, geht eben ins Tierheim oder in die Biologische Station. Aber entscheidend ist: Die Chance muss bestehen, auch konventionelle Landwirtschaft hautnah zu erleben. So kann Begeisterung entstehen. Und selbst wenn nicht jeder bleibt: Bleiben wird ein wertvolles Verständnis dafür, dass Erdbeeren nicht in Plastikschälchen wachsen und dass unsere tägliche Nahrung das Ergebnis harter Arbeit ist. Warum erwähne ich explizit die konventionell arbeitenden Betriebe? Das Verhältnis zur landwirtschaftlichen Urproduktion und zu unseren Lebensmitteln ist durch Jahrzehnte grüner Propaganda völlig von der Realität entrückt. Die günstige und breite Verfügbarkeit von Lebensmitteln geht nun einmal mit einer bestimmten Wirtschafts- und Verarbeitungsweise einher, auf die einkommensschwache Familien angewiesen sind, wenn der Aufschnitt nicht zum Luxusgut werden soll. Das gehört genauso zur Wahrheit dazu wie der nachvollziehbare Wunsch nach Eiern von glücklichen Hühnern. Dass ein freiwilliger Landdienst ein bewährtes Modell ist, zeigt die Schweiz. Dort gibt es ihn bereits seit über 60 Jahren. Jedes Jahr ziehen in der Schweiz mehr als 1.000 Jugendliche aufs Land. Sie helfen dort in Stall und Haushalt, und die Bauernfamilien bekommen die Unterstützung, die sie dringend brauchen. Das ist eine pragmatische Win-win-Situation für beide Seiten, die wir uns zum Vorbild nehmen sollten. Denn eines ist doch klar: Ohne Landwirtschaft gibt es keine Lebensmittel, ohne Nachwuchs gibt es keine Zukunft, und ohne das Verständnis der Landtag Gesellschaft für die harte Arbeit unserer Landwirte drohen am Ende leere Regale, teure Lebensmittel und die Abhängigkeit von Auslandsimporten. Geben wir darum Jugendlichen die Möglichkeit, echte Erfahrungen auf unseren Höfen zu sammeln und mal eine Prise Realität zu kosten, bevor sie dann die schmackhaften Erzeugnisse von Acker und Stall auch tatsächlich auf der Zunge schmecken. Geben wir unseren Familienbetrieben die Möglichkeit, ihren traditionsreichen Stand breit der Jugend zu präsentieren. Und geben wir ihnen die Unterstützung, die sie brauchen, um weiter das zu tun, was für uns alle überlebenswichtig ist: uns zu ernähren. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

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