Christian Obrok
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Press Start“ – so beginnt bis heute fast jedes gute Computerspiel, und so beginnt auch unsere Aufgabe als Landespolitik, den E-Sport in Nordrhein-Westfalen aktiv zu gestalten. Lassen Sie uns heute gemeinsam den Startknopf drücken für das nächste Level. Ich mache – ähnlich wie Florian Braun – eine kleine Reise in die Vergangenheit. Bei mir geht es ungefähr 25 Jahre zurück – ich bin ja schon ein bisschen älter als du –, zum Anfang des Jahrtausends und einer Studentenparty in Bielefeld in einer WG: eher nerdiges Publikum, Dosenbier, Heavy Metal, und in einem Zimmer saß Michael. Michael saß vor seinem Rechner, hochkonzentriert, riesige Kopfhörer. Seine Finger flogen über die Tastatur und über die Maus, und das in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit. Auf dem Monitor lief StarCraft. Das ist ein ikonisches Echtzeit-Strategiespiel. Einige Ältere erinnern sich vielleicht. Landtag Michael war Austauschstudent aus Südkorea. Hier bei uns war er Informatikstudent, in Südkorea war er ein Star. Denn schon damals konnte man in Südkorea mit E-Sport Geld verdienen, und zwar richtig viel Geld. Es gab eigene Ligen und Live-Übertragungen im Fernsehen – und das alles schon von einem Vierteljahrhundert. Zurück nach NRW und zurück ins Heute: Natürlich ist E-Sport auch bei uns längst angekommen. Zigtausende Fiebern bei den großen Turnieren oder bei der gamescom mit. Das haben wir vorhin schon gehört. NRW ist ein Gaming-Land, und E-Sport ist auch ein Standortfaktor – kulturell, sportlich und wirtschaftlich. Der Antrag von CDU und Grünen ist ein gutes Signal. Sie haben viele wichtige Punkte benannt. Die muss ich nicht alle wiederholen. Das ist alles richtig und wichtig. Trotzdem gibt es einen Knackpunkt, denn Goodwill und Symbolpolitik sind hier nicht ausreichend. Deshalb haben wir heute einen eigenen Vorschlag in einem Änderungsantrag vorgelegt. Denn Beratung und Vernetzung sind gut, aber die Vereine können damit noch keinen Trainingsraum ausstatten, keine Trainerinnen ausbilden, und sie können damit auch keine Jugendarbeit oder Präventionsarbeit finanzieren. 2023 hat das Land erstmalig 18.000 Euro für den Erwerb der C-Lizenz für E-Sport-Trainerinnen zur Verfügung gestellt. Damit konnten 30 Ausbildungsplätze im Landesverband für E-Sport NRW anteilig gefördert werden. Das war ein guter Anfang, aber bereits im darauffolgenden Jahr war dann Schluss, weil der Haushalt gemäß der Landesregierung keine 18.000 Euro zur strukturellen Förderung des E-Sport mehr hergab – und das bei einem Gesamtetat von damals knapp über 100 Milliarden Euro. Das riecht alles stark nach Strohfeuer. Der Blick über die Landesgrenzen zeigt auch, wie man E-Sport richtig machen kann. In Schleswig-Holstein gibt es ein großes Programm. Seit 2019 wurden dort im Verhältnis zu NRW gigantische 2 Millionen Euro investiert. Für 2025 stehen allein 150.000 Euro für den E-Sport-Verband in Schleswig-Holstein zur Verfügung, weitere 60.000 Euro für Projekte. Das ist dann am Ende auch der Unterschied: Dort wird gestaltet, und bei uns wird noch gezögert. Deshalb sagen wir als Fraktion: E-Sport braucht nicht nur Anerkennung, sondern Förderung, und zwar auch finanzielle Förderung. Wir haben einen Entschließungsantrag eingebracht, in dem wir fordern, die anteilige Förderung einer C-Lizenz für E-Sport-Trainerinnen und -Trainer wiedereinzuführen und dauerhaft im Landeshaushalt zu verankern. Wir fordern ein Landeszentrum für E-Sport als landesweite Anlaufstelle und qualifizierte Förder- und Ausbildungsmöglichkeiten für Trainerinnen und Multiplikatorinnen. Wir fordern auch einen regelmäßigen 19.09.2025 runden Tisch mit allen Akteuren aus dem Sport und dem E-Sport, damit neue Entwicklungen und Förderungen gemeinsam gesteuert werden können. Ich mache es kurz: Wir werden Ihrem Antrag heute trotzdem zustimmen, weil wir finden, dass das ein Signal in die richtige Richtung ist. Aber wir müssen die Tür gemeinsam durchschreiten, um ins nächste Level zu kommen, mit eine eigenen E-Sport-Förderung hier in Nordrhein-Westfalen. Das Lob für die Ehrenamtlichen in den Vereinen kann man nicht hoch genug hängen, denn die leisten wirklich Großartiges. Aber ohne eine strukturelle Förderung bleibt das alles Stückwerk. Wir sagen: NRW ist ein Sportland, ein Games-Land. Wir wollen gemeinsam dieses Land zu einem echten E-Sport-Land machen. Deshalb bitten wir Sie heute, über Ihren Schatten zu springen und unserem Entschließungsantrag zuzustimmen. Drücken Sie mit uns gemeinsam auf den Startknopf für das nächste Level. Wir haben heute die Chance, nicht nur über Konsolen, Controller und Turniere zu sprechen, sondern über die Zukunft zu entscheiden. E-Sport ist mitten in der Gesellschaft angekommen. In NRW hängt aber die Landesregierung noch ein bisschen im Ladebildschirm fest. Wir wollen das hiermit ändern. Ein Satz noch zu den Vorschlägen der AfD: Sie zeigen wieder einmal, dass Sie keine Ahnung haben, auch nicht vom E-Sport. Game over. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN)
