Florian Braun
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der eine oder andere wird vielleicht schon einmal auf einem E-Sport-Turnier gewesen sein. Ich kann mich noch an Landtag meine eigenen ersten Schritte beim Schulkumpel im Keller erinnern: LAN-Party, viele PC-Tower und Kabel, Wettkampfehrgeiz, gute Laune und vor allem ein gelungener Abend unter Freunden. Heute bin ich zwar kein Gamer mehr, aber ich bin schon seit den Anfangsjahren bei Gamescom und Intel Extreme Masters dabei. Ich kann es jedem nur empfehlen. Es ist Wahnsinn, was man dort erlebt. Hunderttausende gut gelaunte Menschen, Millionen weitere, die die Turniere digital weltweit verfolgen, sportliche Wettkämpfe auf höchstem Niveau, Teamgeist, positive Fankultur, junge Menschen, die ihren Vorbildern zujubeln und mitfiebern. Das alles muss uns auch politisch beschäftigen, denn Games und E-Sports sind längst kein Randthema. Sie sind Teil unserer Kultur, unserer Gesellschaft, unserer Wirtschaftskraft und Wertschöpfungskette, und sie sind ein wichtiger Baustein, um NRW als führendes Medien- und Digitalland aufzustellen. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Schon heute ist Nordrhein-Westfalen das Herzstück der deutschen Games- und E-Sport-Szenen – mit der Gamescom und mit der IEM Cologne, aber auch mit Ubisoft, ESL, EA, astragon, SK Gaming, dem SC Paderborn, der esports player foundation, der vom Land initiierten Esports Academy NRW usw. Viele Entwicklerfirmen, Publisher, Studios, Vereine und Teams sitzen bei uns in Nordrhein-Westfalen, und viele internationale Topspieler sind hier groß und gefördert worden. Es geht aber eben nicht allein um große Bühnen und Events. E-Sport ist ein Schlüssel für die Entwicklung von Kompetenzen wie Fairness, Ausdauer und Teamgeist. Auch motorisch und mental kann E-Sport positiv wirken, wie die Studie belegt, auf die wir in unserem Antrag hinweisen. Wir erleben, dass Gemeinschaft, Wettkampf und Engagement, die als Attribute vor allem klassischen Sportvereinen zugeschrieben werden, auch im Digitalen weiterleben. E-Sport kann also, wie der Fußballverein um die Ecke, neue Gemeinschaftsräume schaffen. Daher kann E-Sport ein Schlüssel für das Vereinsleben einer neuen Generation sein. Das digitale Vereinsleben bzw. das Vereinsleben mit elektronischem Sport eröffnet eben auch jungen Menschen neue Teilhabechancen und kann Inklusion und Integration erleichtern. Das Ehrenamt rund um den E-Sport braucht die gleichen fairen Chancen und Möglichkeiten wie jeder andere ehrenamtliche Verein. Deshalb gehört der E-Sport endlich so eingeordnet wie jede andere Sportart von Fußball bis Schach. Die Anerkennung von E-Sport als gemeinnützig nach der Abgabenordnung des Bundes bedeutet eine 19.09.2025 steuerliche Entlastung. Sie bedeutet Zugang zu Förderprogrammen. Die rechtliche Anerkennung birgt die Möglichkeit, Trainerinnen und Trainern Aufwandsentschädigungen zu zahlen, und sie erleichtert bestehenden Vereinen den Aufbau von E-Sport-Abteilungen. Vor allem aber bedeutet sie Anerkennung für die Menschen, die im Ehrenamt Strukturen aufbauen, Talente fördern und Jugendliche begleiten. Wir senden mit dem Antrag heute das Signal aus NRW: Wir stehen hinter unseren Vereinen. Wir machen E-Sports zu einem festen Teil unserer Vereinslandschaft. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir alle haben mitbekommen, dass sich mittlerweile auch auf der Bundesebene positive Entwicklungen abzeichnen und die Bundesregierung nun die notwendige Gesetzesänderung zur Abgabenordnung in den Bundestag einbringt. Das ist ein Verdienst der E-Sport-Community, die sich über viele Jahre dafür eingesetzt hat. Ich freue mich, ein Teil dieser Bewegung sein zu dürfen, die bei Kollegen im Parlament und gegenüber dem Bund immer wieder dafür geworben hat. Ich danke meinen Kolleginnen und Kollegen der regierungstragenden Fraktionen, dass wir diesen Antrag bereits vor einigen Wochen eingebracht haben. Besonders danke ich unserem Medienminister Herrn Liminski, der im Hintergrund auch beim Bund wesentlich Einfluss genommen hat, um diese Erfolgsgeschichte bis hierhin schreiben zu können. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Nur, weil sich die Bundesregierung uns im Vorhaben nun angeschlossen hat, ist der vorliegende Antrag allerdings keineswegs überflüssig, wie das die SPD-Fraktion in ihrem Entschließungsantrag behauptet. Zum einen ist die Anerkennung der Gemeinnützigkeit nämlich noch nicht vollzogen. Es bedarf weiterhin der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat, und mit der Annahme unseres Antrags werben wir ausdrücklich für diese Zustimmung und senden bereits heute das Signal, wie sich NRW im Bundesrat verhalten wird. Zum anderen werden auch die weiteren Forderungen unseres Antrags nicht überflüssig, nämlich die Vernetzung von Strukturen, die Integration in Bildungsarbeit, die Evaluation von Präventionsprogrammen und Maßnahmen zur Geschlechtergerechtigkeit zu unterstützen. Die SPD-Fraktion fordert mit ihrem Entschließungsantrag, nicht nur politische Anerkennung, sondern auch finanzielle Förderung auf den Weg zu bringen. Diese Forderung ist wohlfeil, denn die vielschichtige Bedeutung von Gaming war uns immer klar. Deshalb gibt es in den vielen Jahren der CDU-geführten Landesregierung bereits wesentliche Fördermittel des Landes, erst jüngst 4 Millionen Euro. Diese Gelder sind sinnvoll investiert. Sie nun in den Aufbau einer landeszentralen Einrichtung umzuschichten, halte ich nicht für richtig, zumal wir uns gleichzeitig heute Landtag doch auf den Weg machen wollen, die dezentrale Vereinslandschaft zu stärken. (Beifall von Andrea Stullich [CDU]) Ich komme zum Schluss: E-Sport ist fester Teil des Sportlands NRW. Mit diesem Antrag sorgen wir dafür, dass NRW vorne ist – im Spitzensport, im Breitensport und im Ehrenamt. – Danke schön. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
