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Lisa-Kristin Kapteinat

SPD 19.09.2025 Sitzungen 18/102

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Frau Schulze Föcking, liebe Frau Woestmann, wann genau haben Sie uns in irgendwelche Überlegungen zur KiBiz-Reform eingebunden? Kein einziges Mal. Dann aber sich hier hinzustellen und so zu tun, als sei dieses Chaos der Fehler von Opposition und Medien, ist schlicht nicht nachzuvollziehen, (Beifall von der SPD) 19.09.2025 insbesondere, wenn sich die Ministerin bis heute weigert, anderthalb Wochen, nachdem dieses Drama losgegangen ist, überhaupt einmal zu benennen, wer diese Vorschläge eingebracht hat, wer von diesen Stakeholdern es für eine kluge Idee gehalten hat, zu sagen: Mehr als 35 Stunden sollten Frauen eigentlich eh nicht arbeiten. Lasst uns mal danach wieder ordentlich Geld dafür nehmen. (Beifall von der SPD – Tim Achtermeyer [GRÜNE]: Was?) Frau Ministerin Paul, mir fehlt auch nach der bisherigen Debatte wirklich jedes Verständnis für Ihr Agieren. Anstelle Ihrer Kolleginnen und Kollegen hätte ich langsam die Nase voll. Ich habe das Gefühl, Ihnen fehlt jede Idee, was dieses Chaos und Missmanagement mit Familien in Nordrhein-Westfalen macht, mit Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern und auch Beschäftigte in diesem Land sind, die sich um unseren Wirtschaftsstandort kümmern, die den Wirtschaftsstandort stärken, die Steuern zahlen, die Nordrhein-Westfalen am Laufen halten und das alles leisten, während zu Hause Verpflichtungen warten, wenn die Kolleg*innen einen „schönen Feierabend“ wünschen, während man nach Hause geht und überlegt, was man alles machen muss. (Verena Schäffer [GRÜNE]: Als wenn wir das nicht wüssten! Was soll das?) Ich könnte mich als Opposition hier hinstellen und sagen: „Ja, gefällt mir eigentlich ganz gut, weil das wirklich mal ein Thema ist, was für alle Bürgerinnen und Bürger deutlich macht, wo Ihre Priorisierung liegt.“, aber ich bin nicht nur Oppositionspolitikerin. Ich bin auch Mutter eines Kita-Kindes. Ich bin Tante von Kita-Kindern. Ich bin Freundin von Kolleginnen, von Bekannten, die ihre Kinder in Kitas bringen und tagtäglich erleben müssen, was das macht, und die einfach nur noch frustriert sind. Ich weiß wirklich nicht, ob Sie eine Vorstellung davon haben, was Eltern in diesem Land jeden Tag leisten, (Verena Schäffer [GRÜNE]: Haben wir! – Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Wir sind El- tern!) wie viel Organisation, Mental Load und Stress Vereinbarkeit schon heute bedeutet, und das ohne irgendwelche geheimen Pläne in diesem Land. (Beifall von der SPD – Zuruf) Es ist doch heute schon so, dass Eltern jeden Tag planen müssen, wer wann die Betreuung fürs Kind übernimmt, wann der Turnbeutel mitmuss, wann die Schwimmsachen gepackt werden müssen, wann es neue Feuchttücher in der Kita braucht, und an den Ausflug am Freitag denken muss. Dann soll bitte noch getrocknetes Laub zum Basteln mit in die Kita gebracht werden, die Matschsachen sind zu klein, (Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]) Landtag im Herbst muss man daran denken, nach dem Arbeitstag noch die Laternen zu basteln, (Zuruf von der SPD) und das alles mit dem bangen Blick aufs Handy, (Unruhe – Glocke) ob die Betreuung heute so stattfinden kann wie vereinbart. (Beifall von der SPD) Jetzt im Herbst kommt dazu: Jedes Niesen wird insbesondere von Eltern argwöhnisch beäugt, stellt es doch den sorgsam getakteten Wochenplan erneut infrage. Wenn dann aber durch Ihre Pläne noch die ständige Angst vor der unzuverlässigen frühkindlichen Bildung hinzukommt, bringt das Ängste, Frust und Wut in Familien, die wir wirklich nicht noch als zusätzliche Belastung gebrauchen können, (Beifall von der SPD – Zurufe) und das, und das ist mir auch ganz wichtig zu sagen, während Eltern und die Erzieherinnen und Erzieher bemüht sind, das Beste für ihre Kinder zu geben und wichtige Bindungs- und Bildungsbeziehungen aufzubauen. Sie wollen gute Bedingungen für ihre Kinder. Es geht ja nicht einfach nur darum, die Kinder abzugeben, sondern es geht darum, das Beste für ihre Kinder zu wollen. Aber was bedeuten Ihre Pläne für Familien in Nordrhein-Westfalen? Eine Mutter in Dortmund, die Vollzeit arbeitete, musste sich letzte Woche plötzlich fragen, ob sie sich die Betreuung ihres Kindes auch zukünftig noch leisten kann; (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) denn ein 45-Stunden-Platz, den sie für ihr Kind braucht, könnte plötzlich zur finanziellen Belastung werden. Die Teilzeitfalle schnappt zu, nicht aus freien Stücken, sondern aus Zwang wegen der geplanten Rahmenbedingungen. Ein Vater aus Bielefeld, der sich gerade vielleicht erst aus der Arbeitslosigkeit herausgekämpft hat, (Zuruf von Tim Achtermeyer [GRÜNE]) steht vor der Wahl: „Job oder Betreuung?“; denn die neuen Buchungsmodelle in Fünfstundenschritten sind vor allem teuer. Er musste sich fragen: Was macht das mit meinem Kind, wenn morgens und nachmittags die Gruppen zusammengelegt sind und mein kleines Kind nicht mehr die bekannten Gesichter um sich hat? Eine Erzieherin in Olpe, die ihren Job mit viel Leidenschaft macht, (Zuruf von den GRÜNEN) 19.09.2025 sieht sich mit überfüllten Gruppen und weniger Kolleginnen konfrontiert. Ihre Gesundheit leidet, die Qualität der frühkindlichen Bildung leidet, ihre Motivation sinkt. Bei allen dreien steigt der Stresspegel. Sie, Ministerin Paul, tun aber so, als sei die Bringund Abholsituation etwas Belangloses, als würde man irgendwie einen Kaffee morgens mitnehmen. Das Gegenteil ist doch der Fall. Es ist ein vulnerabler Moment für Kinder, wenn sie sich trennen müssen, wenn sie aus dem System der Kita zurück zu ihren Eltern gehen. (Zuruf von den GRÜNEN) Es ist eine wichtige Zeit für den Austausch zwischen Erzieherinnen und Eltern. Das, was Sie planen, ist keine Reform, das ist ein Rückschritt – ein Rückschritt für alle Familien im Land, (Beifall von der SPD) ein Rückschritt der frühkindlichen Bildung und auch ein Rückschritt in Sachen Vereinbarkeit. Die Presse nennt Ihre Pläne – der Kollege Ott hat es gerade schon genannt – „gruselig“ und „grundfalsch“, und sie hat recht; denn das, was hier passiert, ist nicht nur eine politische Entscheidung. Es ist auch eine soziale Spaltung. Wer sich längere Kita-Zeiten nicht leisten kann, verliert Chancengleichheit und wird zur Randnotiz in den Randzeiten. Deshalb sage ich Ihnen ganz klar: Schluss mit der Geheimniskrämerei. Familien brauchen Klarheit und Sicherheit, wenn es um ihre Kinder geht. Schluss mit der Sparpolitik auf dem Rücken der Kinder und Eltern. Wir fordern Respekt – Respekt vor den Lebensrealitäten von Familien in Nordrhein-Westfalen. (Beifall von der SPD) Denn jedes Kind in Nordrhein-Westfalen, nicht nur das mit gut situierten Eltern, verdient gleiche Chancen auf frühkindliche Bildung, jede Familie verdient Verlässlichkeit, und jede Erzieherin verdient Anerkennung und Wertschätzung für ihre wichtige Arbeit. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD)

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