Christina Weng
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank, Herr Minister Laumann. Wir haben uns vorhin vielleicht ein bisschen hin und her gekebbelt. Aber bei 75 % dessen, was Sie gerade gesagt haben, bin ich wirklich komplett dabei. Wir befinden uns in einer sehr schwierigen Situation, in der Pflege eingeklemmt ist. Am unmittelbarsten wird dies in der Versorgung am Patienten deutlich – egal, in welchem Setting –, mit all den personellen Schwierigkeiten, die wir kennen. Auf der anderen Seite ist das Gesundheitswesen – auch egal, in welchem Setting – inzwischen ein Markt, in dem es um Wettbewerb, tatsächlich Geldverdienen, möglichst wenig Mitteleinsatz und große 18.09.2025 Gewinne geht. Selbst da sind wir nicht dabei, weil 50 % unserer Krankenhäuser zum Beispiel rote Zahlen schreiben. Wir wissen gleichermaßen, dass … (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: 50 % aber auch nicht!) – Vielleicht sollten wir dann von den besseren lernen. Aber dafür gibt es Gründe. Und es wird weitere Verlierer geben. Das wissen wir, denke ich, alle. Wir können es nur noch nicht ganz genau benennen. Wenn man in den „DigitalRadar Krankenhäuser“ schaut, dann stellt man fest, dass den Krankenhäusern zum Thema „Digitalisierung“ noch sehr viel Luft nach oben bescheinigt wird, und Digitalisierung ist eine Grundlage dafür, dass wir tatsächlich auch dokumentieren und haftungsrechtlich dokumentieren können. Ja, Bürokratie mag ein Reizwort sein, aber Bürokratie gibt natürlich gleichermaßen auch Sicherheit. Früher sagte man: „Wer schreibt, der bleibt“, aber heute ist immer noch die Frage: Nehme ich Papier, oder habe ich ein Tool? Die Haftung ist an der Stelle ist ein großes Thema; das ist hier auch besprochen worden, das stellen wir alles nicht in Frage. Was, glaube ich, inhaltlich sehr handlungsleitend für diesen Antrag war, ist die Tatsache, dass Pflege mit der unzureichenden Personaldecke und der unmittelbaren Aufgabe am Patienten letztendlich immer das letzte Glied in der Kette ist. (Beifall von der SPD) Das ist ganz einfach so. Wir haben die Health Professionals, wir haben gut qualifizierte Leute, die wir mittlerweile akademisiert haben. Trotzdem finden wir an der Stelle, wo im Grunde genommen die Prozesse, der Workflow, all das, was hinterher zu viel Dokumentation und unnützer und doppelter Dokumentation führt, … da haben wir diese Menschen mittlerweile qualifiziert, aber wir hören sie nicht. Deshalb ist es für uns so wichtig zu sagen: Wir nehmen die Pflegekräfte mit in diesen Prozess hinein. Wir machen die Betroffenen zu Beteiligten. Wenn ich ITler frage, von denen es im Gesundheitswesen übrigens auch zu wenige gibt, haben die einen ganz klaren Blick auf ihr Gewerk. Wenn ich die Finanzer frage, die Controller oder die Ärzte – die sind in der Studie mitbilanziert, auch da geht es um die Zeit –, gucken die alle aus ihrem Winkel darauf. Jeder guckt, dass er irgendwie mit seinen Ressourcen zurechtkommt. Das Thema ist abgespielt, das ist endgültig abgespielt, weil vor Effektivität kommt vielleicht Klarheit und Klärung. Wir haben im Pflegebereich tatsächlich diese Menschen, die sich zwischen dem Prozess und der Dokumentation, der Haftung und der Zeitersparnis in diese Diskussionen einbringen können. Landtag Alles andere, glaube ich, ist wirklich konsentiert, hatte ich den Eindruck. Was mich interessieren würde: Wenn es doch eigentlich alles so ist, und wir alle ziemlich beieinander sind, wieso wird dieser Antrag abgelehnt? – Wahrscheinlich, weil er von den Sozialdemokraten kommt. Aber ich meine, ihr habt ja schon „nein“ gesagt. Ich bin eine Fachschwester für Intensivmedizin und habe das zehn Jahre lang gemacht. Ich bin immer noch Krankenhäuslerin und hier Abgeordnete, und ich glaube, ich weiß, mit welchen Menschen wir einsteigen könnten. Wir können die Welt hier nicht komplett verbessern, aber von Nordrhein-Westfalen mit seinen fast 170.000 Pflegekräften aus könnten wir in diesen Prozess einsteigen. Das wird ein Long-Term, das wissen wir alle gemeinsam. Aber wenn wir damit nicht anfangen … Es wird nicht mehr Krankenschwestern geben, aber es wird mehr Pflegebedürftige geben. Wir haben zu nichts einen Erkenntnismangel, aber stumpf etwas, wo wir Betroffene zu Beteiligten machen wollen, abzulehnen, weil wir es sind – ich glaube, auch das hilft uns nicht in die Zukunft, wenn wir unsere Leute versorgen wollen. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD und der FDP)
