Dorothee Feller
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Bauarbeiter, der die Straßen saniert, die Busfahrerin, die unsere Kinder sicher zur Schule bringt, der Zahnarztassistent, ohne den die Praxis schließen muss: In all diesen Berufen sind Menschen tätig, die zum Teil einen Hauptschulabschluss haben oder auf einem guten Hauptschulabschluss aufbauen konnten. Sie sind leider für uns oft unsichtbar, weil ihre Tätigkeiten als selbstverständlich erachtet werden. Doch wenn sie einmal fehlen, merken wir, dass wir sie brauchen und ohne sie vieles plötzlich nicht mehr klappt. Richtig ist daher, dass unsere Hauptschulen eine enorme Bedeutung haben, sowohl für die jungen Menschen selbst als auch für uns als Gesellschaft. Richtig ist auch, dass diese Schulform in der öffentlichen Wahrnehmung hinsichtlich ihrer Bedeutung und vor allem der hohen Qualität ihrer Arbeit deutlich unterschätzt wird. Nicht zuletzt deshalb haben wir als Ministerium für Schule und Bildung vergangenes Jahr den Hauptschultag eingeführt, um das Profil der Hauptschulen zu stärken und zu schauen, an welcher Stelle wir sie noch unterstützen können. Mir ist es ein großes Anliegen, stets zu betonen, dass wir hoch engagierte Lehrkräfte und weitere Professionen an unseren Hauptschulen haben – und vor allem tolle Schülerinnen und Schüler. (Beifall von der CDU und Dr. Robin Korte [GRÜNE]) Gänzlich unrichtig ist hingegen, zu suggerieren, unsere Hauptschulen hätten einen Nachholbedarf bezüglich der Praxisorientierung. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Die Praxisorientierung zeigt sich bereits in allen Fächern, ganz besonders aber im Lernbereich „Wirtschaft und Arbeitswelt“ mit den Fächern „Technik“, „Wirtschaft“ und „Hauswirtschaft“. In insgesamt 14 Wochenstunden in der Sekundarstufe I lernen Schülerinnen und Schüler zum Beispiel Ziele, Funktionen Landtag und Organisationsformen von Unternehmen kennen. Zudem führen fast 90 % der öffentlichen Hauptschulen ein Langzeitpraktikum durch, welches im Unterricht vor- und nachbereitet wird. Bereits heute können Praxisprojekte in den Unterricht integriert und bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden. Es gibt also bereits viele lebensnahe Lernangebote und Praxisprojekte, auch und insbesondere an außerschulischen Lernorten. Unsere Schulen haben vielfältige Möglichkeiten und Spielräume, um die für ihre jeweilige Schülerschaft passenden Kooperationen einzugehen. Als Landesregierung sehen wir natürlich den Bedarf, junge Menschen noch besser auf die Zeit nach der Schule vorzubereiten, weshalb wir in dieser Legislaturperiode auch einen Schwerpunkt auf die Förderung der beruflichen Bildung legen. Wir setzen hierbei auf den Ausbau von Maßnahmen, die sich bereits bewährt haben und die wir weiterentwickeln können. Anstatt das Rad immer wieder neu zu erfinden und immer weiteres Personal wie die von ihnen gewünschten Bildungslotsinnen und Bildungslotsen zu fordern, müssen wir erst einmal dafür sorgen, dass das vorhandene Personal entlastet und um weiteres Personal ergänzt wird. Unser Handlungskonzept Unterrichtsversorgung leistet hierzu bereits einen wichtigen Beitrag. Im Rahmen der beruflichen Bildung prüfen wir aktuell gemeinsam mit dem MAGS und der Regionaldirektion der Agentur für Arbeit, wie wir die Landinitiative KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss – weiterentwickeln und stärker an den Bedarfen der einzelnen Schulformen und vor allem stärker an den individuellen Bedarfen der jungen Menschen ausrichten können. Selbstverständlich beziehen wir hierbei auch die fachliche Expertise der regionalen Bildungsträger ein. Meine Damen und Herren, Sie sehen: Unsere Hauptschulen sind nicht nur praxisorientiert. Sie legen auch den Fokus auf eine enge und gute Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern. Wir als Landesregierung werden weiterhin alles dafür tun, dass unsere Hauptschulen den Handlungsspielraum und die Unterstützung bekommen, die es braucht, um junge Menschen in ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben zu begleiten. Jede Gelegenheit, die positive Arbeit der Hauptschulen herauszustellen, nutzen wir sehr gerne, auch im Ausschuss. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und Lena Zingsheim-Zo- bel [GRÜNE])
