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Dilek Engin

SPD 18.09.2025 Sitzungen 18/101

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über Schule sprechen, dann sprechen wir über Zukunft, über die Chancen, die unsere Kinder bekommen oder eben nicht bekommen, über den Mut, Bildung an die Realität von heute anzupassen, statt an Strukturen von gestern festzuhalten. 18.09.2025 Die FDP schlägt nun vor, die Hauptschule in „Praxis-Schule“ umzubenennen. Man könnte auch sagen: gleicher Inhalt, neues Etikett. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Nein!) Doch machen wir uns nichts vor. Ein neues Schild am Eingang ändert nichts an den Herausforderungen, vor denen Kinder, Eltern und Lehrkräfte stehen. (Beifall von der SPD) Entscheidend ist nicht der Name einer Schule. Entscheidend ist, ob sie gerechte Bildung ermöglicht. Zunächst will ich betonen, dass die Hauptschulen über Jahrzehnte einen wichtigen Beitrag zur Bildung in Nordrhein-Westfalen geleistet haben. Ich will auch gleich direkt dazusagen: Diesen Beitrag leisten die sehr engagierten Lehrkräfte an Hauptschulen, die sich über das normale Arbeitsmaß hinaus für die Schülerinnen und Schüler einsetzen. Das müssen wir bei jeder Diskussion würdigen. Doch wir dürfen die Realität nicht ausblenden. Im Jahr 2015 gab es in ganz Nordrhein-Westfalen noch 493 Hauptschulen. Jetzt sind es 159 Hauptschulen. Das ist ein enormer Rückgang. Die Zahl der Hauptschulen geht also stetig zurück, und das 17. Schulrechtsänderungsgesetz wird diese Entwicklung weiter vorantreiben, weil die Landesregierung die betroffenen Realschulen nicht auf die kommenden Veränderungen vorbereitet. Man kann dieser Entwicklung hinterhertrauern wie die FDP, oder man kann anerkennen, dass sich viele Eltern bewusst für integrative Schulformen entscheiden, weil diese Kinder individueller fördern, moderne pädagogische Bildungsansätze bieten und bessere Übergänge in die Oberstufe schaffen. (Beifall von der SPD) In der Praxis ist ein streng mehrgliedriges Schulsystem weder das, was die Mehrheit der Kinder will, noch das, was Kinder brauchen. Wir als SPD sagen daher klar: Wir müssen längeres gemeinsames Lernen fördern. Wir müssen ein System schaffen, das Schülerinnen und Schüler nach ihrer Lebenssituation unterstützt, nicht eines, das nach unten aussortiert. Wir wollen gleiche Chancen für Abschlüsse nach oben ermöglichen, statt Abschulen nach unten betreiben. (Beifall von der SPD) Das ist echte Chancengleichheit, liebe Kolleginnen und Kollegen. Zudem sind die vielen unterschiedlichen Schulformen in Nordrhein-Westfalen für Eltern zunehmend unübersichtlich. Statt weiter zu differenzieren, sollten wir über Zusammenlegungen und klarere Strukturen sprechen. Landtag Ich will aber auch die konstruktiven Ansätze in Ihrem Antrag betonen: mehr finanzielle Spielräume für bedarfsgerechte Förderung, stärkere Kooperation mit Jugendhilfe und ein Ausbau der Schulsozialarbeit sowie eine verbesserte Berufsorientierung ganz im Sinne des SWK-Gutachtens von April. Das sind Maßnahmen, von denen Hauptschulen profitieren würden, wobei wir auch ganz klar sagen: Diese Dinge sollten gleich für alle Schulen in Nordrhein-Westfalen umgesetzt werden. Das sieht die FDP-Fraktion teilweise genauso; im Juni-Plenum hat sie mit einem Antrag noch Schulbudgets für alle Schulformen gefordert. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Auch wir halten das für sinnvoll. Schließlich landen wir in Nordrhein-Westfalen laut dem Bildungsmonitor immer noch auf Platz 14 von 16. Wir brauchen also überall mehr Investitionen für die Chancengleichheit, damit unsere Kinder in den nächsten Studien nicht wieder auf dem letzten Platz landen, weil die Bildungspolitik der regierungstragenden Fraktionen versagt. (Beifall von der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sollten uns nichts vormachen. Die Hauptschule wird keine neue Schulform, wenn wir sie „Praxis-Schule“ nennen. Wenn wir statt über Etiketten darüber reden, wie wir Kindern bessere Chancen ermöglichen, dann freuen wir uns auf die Diskussion im Ausschuss. Der Überweisung stimmen wir deshalb selbstverständlich zu.

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