Martin Sträßer
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich beginne mit einem Kompliment. Ja, der FDP-Antrag beginnt richtig gut. Ich zitiere: „Die Hauptschule leistet seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Bildungsbiografie vieler 18.09.2025 junger Menschen. Sie steht für praxisnahe Bildung, intensive Begleitung und ein hohes Maß an individueller Zuwendung.“ Es gibt sogar weitere zitierfähige Aussagen, aber manches darin stimmt dann leider doch nicht oder ist nur Show. Deshalb ergänze ich den guten Anfang: Die Hauptschule leistet nicht nur gute Beiträge zur Bildungsbiografie, sie ist auch gute Grundlage vieler sehr erfolgreicher Berufsbiografien, von Menschen, die mit dem Hauptschulabschluss berufliche Karriere gemacht haben und heute wertvolle Stützen unserer Gesellschaft sind. Ich wünschte mir, dass gerade diese Menschen selbstbewusster und öffentlich davon sprechen, dass die Basis ihres Erfolgs in der Hauptschule gelegt worden ist. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Wir tun deshalb alles, um den Platz der Hauptschule und des Hauptschulbildungsganges im Schulwesen zu stärken. Das will ich an einem Beispiel aus meinem Wahlkreis deutlich machen, der Martin-Luther King-Hauptschule in Velbert. Diese Hauptschule sollte auf Wunsch der Bezirksregierung vor einigen Jahren geschlossen werden, also auslaufen, um eine neue Gesamtschule gründen zu können. (Zuruf von Dilek Engin [SPD]) Bald wurde jedoch klar, dass weder die neue Gesamtschule noch die Realschule in der Nähe alle Schülerinnen und Schüler aufnehmen konnte, die früher zur Hauptschule gegangen wären. Die Bezirksregierung wollte die Hauptschule trotzdem nicht wieder zulassen. Dem Velberter Bürgermeister Dirk Lukrafka und mir ist es damals in intensiven Gesprächen unter Beteiligung des Schulministeriums gelungen, dass diese Hauptschule weitergeführt werden konnte. Heute ist sie wieder ein gutes Beispiel dafür, wie erfolgreich Hauptschule sein kann: modernes Gebäude, ein motiviertes Kollegium, klare Praxisorientierung und enge Kooperationen mit den Betrieben vor Ort. (Beifall von der CDU) Jetzt lernen dort wieder über 300 junge Talente, die zu Stützen unserer Wirtschaft und Gesellschaft werden können. Genau so funktioniert Hauptschule, und zwar jetzt schon. Die Frage ist deshalb: Brauchen wir den Antrag der FDP wirklich? (Franziska Müller-Rech [FDP]: Ja!) Einige Schlagworte: Langzeitpraktika. Sie sind kein neues Instrument. Sie sind seit Jahren fest im Konzept der Hauptschulen verankert und werden an vielen Hauptschulen erfolgreich umgesetzt. Landtag (Franziska Müller-Rech [FDP]: Aber nicht an allen!) Schulsozialarbeit. Gerade an Hauptschulen ist sie längst Standard mit über 250 Stellen für besondere Unterstützungsangebote und weiteren multiprofessionellen Teams. Praxis- und Projektarbeit. Auch das ist in Hauptschulen längst die Regel und nicht die Ausnahme. Nicht nur in Velbert, sondern an vielen Hauptschulen im Land gibt es eine enge Verzahnung mit Unternehmen, die in die Schulen kommen, die Ausbildungsplätze sichern und so Jugendlichen berufliche Perspektiven eröffnen. Ich ergänze das Schlagwort „Integration“. Mit den landesweit geschaffenen 5.000 zusätzlichen Integrationsstellen unterstützen wir gezielt auch die Hauptschulen, insbesondere bei Sprachförderung und sozialer Integration. Das ist konkrete Hilfe vor Ort, die unmittelbar wirkt. Meine Damen und Herren, auch die Hauptschulen stehen natürlich vor vielen Herausforderungen und benötigen weiter unsere Unterstützung, nicht nur aus der Politik, sondern auch aus Wirtschaft und Gesellschaft. Die Hauptschule hat bei uns nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Wir bekennen uns klar zu dieser Schulform. Wir stärken sie mit Personal, mit Programmen und mit konkreten Maßnahmen. Wir sehen an Schulen wie der Martin-Luther-King-Schule in Velbert, dass dieses Konzept erfolgreich ist. Das größte Manko der Hauptschule ist, dass sie über Jahre hinweg als sogenannte Restschule schlechtgeredet wurde. Dagegen hilft aber kein Gesetz, sondern nur ein wertschätzender Umgang mit der Hauptschule, den Lehrkräften und den Schülerinnen und Schülern. Wir brauchen die Hauptschule auch in Zukunft und müssen deshalb positiver darüber sprechen. Ich freue mich, dass wir in den weiteren Beratungen des Antrags wieder Gelegenheit dazu bekommen. Deshalb stimmen wir der Überweisung sehr gerne zu. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
