Julia Kahle-Hausmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Transportbranche ist für unsere Gesellschaft das Rückgrat der Versorgung mit Waren und Rohstoffen aller Art. Ohne Berufskraftfahrerinnen und -fahrer würden Rohstoffe nicht zur weiteren Verarbeitung an den Zielort transportiert, Lebensmittel, Kleidung und sonstige Produkte nicht in die Geschäfte und letztlich auch nicht zu uns nach Hause kommen. Eine ebenso große Bedeutung hat die Personenbeförderung, wenn sie uns teilweise 24/7 zur Arbeit, zur Schule oder an sonstige Orte bringt. Daher ist der Kern des hier vorliegenden Antrags aus unserer Sicht auch vollkommen richtig. Heute fehlen allein rund 70.000 Lkw-Fahrerinnen. Bereits 2018 lauteten Schlagzeilen „Brummifahrer dringend gesucht“. Schon damals fehlten rund 45.000 Fachkräfte. Der Mangel bei Berufskraftfahrern wächst, und mit Blick auf die Altersstruktur wird sich die Lage weiter verschärfen. Der Druck ist überall da. Das Personal Landtag fehlt an allen Ecken und Enden. Aufträge können nicht oder nur begrenzt angenommen werden, und die Unzufriedenheit wächst an allen Enden. Umso wichtiger ist es daher, den Beruf wieder attraktiver zu machen und mehr Berufskraftfahrer*innen für ihn zu interessieren. Neben der Möglichkeit, qualifizierte Kräfte aus dem Ausland zu gewinnen, gilt es aber vor allem, den Nachwuchs zu erreichen und mehr junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Doch warum ist es so schwer geworden, Azubis für diesen Bereich zu gewinnen? Wenn man in den Berufsalltag schaut, merkt man schnell, woran es hakt: an der Bezahlung, zumindest im Verhältnis zu anderen Jobs, vielfach an den Arbeitsbedingungen, insbesondere dem hohen Druck, Termine einzuhalten, an der Familienfreundlichkeit, denn lange Abwesenheiten von zu Hause sind für Familien oftmals nicht tauglich. Es scheitert an den Parkplätzen, die es noch immer nicht in ausreichender Zahl und nicht flächendeckend in ansprechender Qualität gibt. Es hakt an manchen bürokratischen Hürden und auch an Vorgaben für die Ausbildung. Einen für uns zentralen Punkt möchte ich noch nennen, den Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und Grünen, ebenfalls ansprechen: die Frage des Respekts. Trotz ihrer wichtigen Aufgabe wird den Berufskraftfahrern noch immer viel zu wenig Wertschätzung für den Job entgegengebracht. Stattdessen hagelt es im Alltag Kritik und Beschimpfungen – sei es wegen der zahlreichen Lkw auf der Autobahn, die oftmals durch ihre Elefantenrennen für Verzögerungen bei allen anderen Verkehrsteilnehmern in dem Abschnitt sorgen, sei es in den Städten, die durch Lkw-Verkehre verstopft werden, sei es durch die Verspätungen von Bussen. All das kennen wir, und ja, wir ärgern uns auch selbst schon mal, wenn ein Lkw zur Behinderung wird. Viel häufiger aber sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, wie wichtig es ist, dass jemand genau diese Fahrten macht. Deshalb ist es wichtig, den Beruf insgesamt attraktiver zu machen, Verbesserungen zu finden und Hindernisse abzubauen. Mit Ihrem Antrag wollen Sie gleich das ganz große Rad drehen, indem Sie Regelungen angehen, die auch in Bundeszuständigkeiten liegen. Wir würden uns wünschen, dass Sie mehr in NRW bleiben. Einzelne Landeszuständigkeiten sprechen Sie ja sogar an. Das ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass die CDU gemerkt hat, dass man im Bund jetzt mitregiert und man nun nicht mehr mit dem Finger nur nach Berlin zeigen kann. Ich freue mich auf die weiteren Beratungen im Ausschuss. Denn das Thema ist wichtig und richtig. Natürlich würde ich mir etwas weniger Verweise nach Berlin und mehr Hinweise auf das eigene Handeln im Land wünschen. Wir verstehen schon: Die Umgewöhnung braucht bei Ihnen noch ein bisschen Zeit. 18.09.2025 Vielleicht ist das auch der Tatsache geschuldet, dass zahlreiche Forderungen stark an die Bundestagsdrucksache 20/6423 erinnern. Die kennen Sie vielleicht. Das war ein Antrag der Ampel zu Arbeits- und Wettbewerbsbedingungen im Straßengüterverkehr, in dem viele Themen inhaltlich vergleichbar angesprochen werden. Natürlich stimmen wir der Überweisung an den Ausschuss zu und freuen uns schon auf die Beratung. – Danke schön. (Beifall von der SPD)
