Susanne Schneider
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Menschen mit Behinderungen brauchen manchmal einfach nur eine Chance. Wer bereit ist, diese Chance zu geben, der wird tatsächlich nicht enttäuscht, so wie zum Beispiel ein Supermarkt im Kreis Viersen, der einfach keinen Hausmeister fand und dann einen Menschen mit Behinderung einstellte. Der Supermarktbetreiber hat es niemals bereut. Vielmehr machte das Beispiel Schule. Inzwischen arbeiten in dem Betrieb sieben Menschen mit Behinderungen. Doch viel zu oft werden Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt immer noch ausgebremst, so wie Alma aus der rbb-Dokumentation „WIR WOLLEN MEHR – Arbeit ohne Barrieren“, die mich stark beeindruckt hat. Die junge Frau mit Downsyndrom möchte gerne in einem Kindergarten arbeiten, darf es aber nicht. Dabei kennt Alma ihre Grenzen, was sie schaffen kann und was nicht, sehr genau. Dass sie als Erzieherin überfordert wäre, ist ihr durchaus bewusst. Aber sie kämpft um ihre Möglichkeit, im sozialen Bereich arbeiten zu dürfen. Inklusion in der Arbeitswelt ist ein wesentlicher Baustein, damit Menschen mit Behinderungen ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Mit einem eigenen Job erhalten sie bessere Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sollten wir die Potenziale von Menschen mit Behinderungen nicht ungenutzt lassen. Wir sollten sie vielmehr darin unterstützen, einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Menschen mit Behinderungen verfügen häufig über hohe berufliche Kompetenzen und Qualifikationen, oft wie Menschen ohne Behinderungen. Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderungen eine Chance gegeben haben, berichten immer wieder über die besondere Loyalität und das hohe Verantwortungsbewusstsein dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Arbeitgeber müssen aber bereit sein, die Chancen zu erkennen und nicht nur mögliche Risiken zu sehen. Der Erfolg bei der Integration von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt ist also stark abhängig von den handelnden Personen. Wir brauchen daher einzelfallbezogene Lösungen und Angebote sowie Überzeugungsarbeit bei den Betrieben. Eine wichtige Rolle spielen dabei die von den Landschaftsverbänden geförderten Fachberater Inklusion, die bei den Kammern beschäftigt sind. Diese beraten Betriebe aus der Perspektive der Arbeitgeber und finden über ihre Netzwerke Zuständigkeiten und Ansprechpartner in den Behörden und für die jeweiligen Unternehmen heraus. Wir wollen die Aufklärungsarbeit bei den Arbeitgebern intensivieren und dabei die Fachberater Inklusion noch stärker einbinden. (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales, unterhält sich mit einer Mitarbeiterin.) 17.09.2025 – Herr Minister, möchten Sie zuhören? Oder reden Sie bitte ein bisschen leiser, weil es stört. – Danke. Wir brauchen aber auch eine Weiterentwicklung des Angebots der Werkstätten für behinderte Menschen. Sie müssen stärker auf Qualifizierung und eine Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt ausgerichtet werden. Dazu wollen wir die Werkstätten so aufstellen, dass Beschäftigte in den Werkstätten ganz nach ihren Fähigkeiten an die betriebliche Realität herangeführt werden. Werkstätten, die mit Unternehmen kooperieren und somit einen fließenden Übergang von der Werkstatt in den Arbeitsmarkt ermöglichen, haben für uns hier Modellcharakter. Den Bereich der Werkstätten bei der Arbeitsmarktinklusion ganz außen vor lassen zu wollen, ist wirklichkeitsfremd und wird nicht funktionieren. Der vorliegende Antrag beinhaltet viele richtige Forderungen. Die Förderung von Teilqualifizierungen und Inklusionsunternehmen sowie Bürokratieabbau sehen auch wir als wichtige Maßnahmen. Einige Aspekte wie die Rolle des Budgets für Arbeit, der Fachberater Inklusion oder der Ausrichtung der Werkstätten fehlen jedoch. Skeptisch sind wir bei einer Anschlussförderung an Maßnahmen des Teilhabechancengesetzes. Ein sozialer Arbeitsmarkt des Landes könnte weder finanziell noch strukturell das erreichen, was vorher schon mit den Instrumenten der Bundesagentur nicht gelungen ist. Vielmehr würden damit nur dauerhaft alimentierte Tätigkeiten für relativ wenige Menschen entstehen. Machen wir Menschen mit Behinderungen stark für den regulären Arbeitsmarkt. Ich freue mich sehr auf die weitere Debatte im Ausschuss. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
