Berivan Aymaz
Für die Landesregierung spricht nun Ministerin Josefine Paul. Josefine Paul, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration: Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben im Rahmen der Fragestunde eben bereits sehr ausführlich über die frühkindliche Bildung diskutiert. Das werden wir auch weiterhin tun. 17.09.2025 Ich will nicht alles aus der Fragestunde wiederholen, nur eines: Die gesamte Fragestunde drehte sich um die Novellierung des Kinderbildungsgesetzes, liebe SPD. Dementsprechend nehme ich etwas mit Verwunderung zur Kenntnis, dass es noch eine Frage ist, ob es sich im Moment auch um die Diskussion über eine Novellierung des KiBiz handeln könnte. (Vereinzelt Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Ich will allerdings ein paar Dinge zum Thema „Ausbildung“ klarstellen, die aus meiner Sicht in Ihrem Antrag nicht ganz so beleuchtet worden sind. Ja, zuletzt waren durchaus stagnierende Zahlen bei der Ausbildung zu Erzieher*innen zu beobachten. Diese Entwicklung folgt aber im Wesentlichen einer demografischen Entwicklung, die wir auch in anderen Bereichen sehen. Ich empfehle Ihnen eine Betrachtung des dritten Dossiers „Ausbildungspotenziale für die Kinder- und Jugendhilfe“ des Forschungsverbundes der TU Dortmund und des Deutschen Jugendinstitutes. Wir haben im Landtag oft zu Recht darüber debattiert, wie wichtig valide Daten und eine Bewertung dieser Daten sind. Mit diesem Dossier liegen noch einmal aufbereitete Daten zum Bereich „Ausbildung, Ausbildungspotenziale“ etc. vor. Ich möchte sie zur Lektüre empfehlen. Dort erkennt man, dass insbesondere die Gruppe der unter 19-Jährigen weiterhin verstärkt eine Erzieher*innenausbildung aufnimmt. Es ist uns gelungen, dass inzwischen ein größerer Anteil unter allen unter 19-Jährigen eine Erzieher*innenausbildung absolviert, als es noch vor einigen Jahren der Fall gewesen ist. Wir verzeichnen einen massiven Anstieg bei der Kinderpflegeausbildung. Diese zusätzlichen Kinderpfleger*innen erhöhen das Potenzial für zusätzliche Erzieher*innen, ebenso wie die Sozialassistent*innen für die Betreuung von Grundschulkindern, für die es seit dem letzten Jahr in NRW einen eigenen Bildungsgang gibt. Fakt ist: Die Erzieher*innenausbildung ist die von jungen Menschen am zweithäufigsten gewählte Ausbildung in ganz Deutschland. Das gilt auch für Nordrhein-Westfalen. Sie bleibt weiterhin – das ist eine gute Nachricht – eine attraktive Ausbildung für junge Menschen, und sie wird weiterhin angenommen, weil es ein toller Beruf ist. (Beifall von Eileen Woestmann [GRÜNE]) Wir konnten in Nordrhein-Westfalen durchaus sehr erfolgreich junge Menschen für diesen Bereich gewinnen. Das zeigt sich auch im deutschlandweiten Vergleich, denn der Anteil der unter 25-Jährigen an allen in den Kitas pädagogisch Tätigen ist mit rund 15 % überdurchschnittlich. Momentan haben wir rund 11.900 Auszubildende und damit im Schnitt in Landtag jeder Kita einen. Damit sind wir unter den Top 4 in Deutschland. NRW war eines der ersten Länder – auch darauf habe ich in der Fragestunde hingewiesen –, die die praxisintegrierte Ausbildung implementiert haben. Wir haben viele Fachschulen, die diese Ausbildung anbieten. Damit verfolgen wir bereits seit Jahren einen Weg der sowohl schulischen als auch praxisintegrierten Ausbildung, der in vielen anderen Bundesländern erst jetzt systematisch angegangen wird, weil die Vorteile einer praxisintegrierten Ausbildung auf der Hand liegen. Diese Vorteile liegen nicht nur im Bereich der Vergütung, sondern auch darin, dass man von vorneherein in die Praxis integriert ausgebildet wird. (Beifall von den GRÜNEN und Charlotte Quik [CDU]) Nordrhein-Westfalen tut sich im Vergleich der westdeutschen Bundesländer auch hervor, wenn es um die Professionalität unseres Personals geht. Insgesamt verfügen fast 74 % der pädagogisch Tätigen in den Kitas in NRW über einen Fachschulabschluss oder einen höheren Abschluss – insbesondere die Erzieher*innen – und ein einschlägiges Hochschulstudium. Damit hat Nordrhein-Westfalen im Vergleich der westdeutschen Flächenländer einen extrem hohen Anteil an gut ausgebildetem Personal. Zum Beispiel in Bayern sind es nur knapp 50 % der in den Kitas Tätigen. Ich möchte natürlich trotzdem nicht so tun, als wäre die Lage im System der frühkindlichen Bildung nicht angespannt. Das wissen wir alle, und deswegen diskutieren wir auch so intensiv darüber. Wir sehen ganz klar, dass das System vor Herausforderungen steht und Verbesserungen nötig sind. In dieser Ausgangsanalyse sind wir uns einig. Deshalb haben wir bereits viele Maßnahmen ergriffen, und ich habe schon mehrfach benannt, welche weiteren Maßnahmen einen Beitrag leisten können, um die Ausbildung nicht nur attraktiv, sondern auch nachhaltig aufzustellen. Wir müssen Auszubildende gut begleiten und Gründe für Abbrüche identifizieren. Die Daten hierzu liefern valide Punkte, die angegangen werden müssen. Wir müssen die Einrichtungen und Fachkräfte auch in die Lage versetzen, Ausbildungsbegleitungen gut gestalten zu können. Das sind Gelingensbedingungen, an denen wir arbeiten. Wir müssen weiterhin dafür werben, dass Möglichkeiten genutzt und Mittel eingesetzt werden. Ein Teil davon findet sich in der viel zitierten Personalverordnung, die übrigens in der Tat aus mehr als § 15 besteht. Dazu zählen auch die Erleichterung der Anerkennung im Ausland erworbener Studienabschlüsse und die Ermöglichung des Einsatzes profilergänzender Kräfte in Kitas. Das alles sind Dinge, die aus der 17.09.2025 Praxis an uns herangetragen worden sind und die wir aufgegriffen haben. Dazu gehört auch ein Modell des qualifizierten Quereinstiegs, das wir im AK Kita-Maßnahmen sehr eng und intensiv mit den Kommunen und mit dem MSB erarbeitet haben. Wir hatten in der letzten Ausschusssitzung Gäste aus der Stadt Mönchengladbach, die uns dargestellt haben, was die Gelingensbedingungen für das Modell sind, das sie in Mönchengladbach sehr erfolgreich durchführen. Ich wünsche mir, dass andere Kommunen diesem Beispiel folgen und gezielt die Möglichkeiten nutzen, die in diesem System stecken: die Anrechenbarkeit beim Personal, die Anrechenbarkeit bei Kita-Helfern, aber auch Fördermöglichkeiten beispielsweise durch das Jobcenter. Das muss dann allerdings gezielt genutzt werden. Wir müssen Fragen konkret adressieren und gemeinsame Lösungen finden. Ein großer Wunschzettel wird dazu aber sicherlich nicht den ganz entscheidenden Beitrag leisten. (Beifall von den GRÜNEN und der CDU)
