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Nina Andrieshen

SPD 17.09.2025 Sitzungen 18/100

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Stellen Sie sich vor, es ist morgens um kurz nach sieben. Zwischen dem Frühstücksbroteschmieren und dem Anziehen der Kinder noch schnell ein Blick aufs Handy, und schon erscheint die Pushnachricht der Kita auf dem Bildschirm: Heute Notbetreuung! Bitte prüfen Sie selbst, ob Sie Ihr Kind bringen können. Für die Eltern bedeutet das Chaos im Alltag, Arbeitsstress, schlechte Stimmung, vielleicht sogar die Sorge um den Arbeitsplatz. Und was bedeutet das für die Kinder? Unsicherheit, fehlende Geborgenheit, fehlende Förderung. Das passiert nicht einmal, sondern wieder und wieder. Das ist nicht die Ausnahme, das ist längst der Alltag in unserem Bundesland. (Beifall von der SPD – Zuruf von der CDU: Ach, Quatsch!) Als ehemalige Erzieherin weiß ich genau, was das heißt. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man morgens mit Bauchschmerzen zur Arbeit geht, weil man wieder einmal mit viel zu wenig Personal in den Tag startet. Ich weiß, wie es ist, wenn man zwischen Wickeltisch, Elterngesprächen und Sprachförderung kaum noch Zeit für das Wesentliche hat – für die Kinder. Und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man nach Feierabend völlig erschöpft nach Hause kommt und genau weiß, dass man nicht alles geben konnte, was die Kinder eigentlich verdient hätten. Die Wahrheit ist: Unser Kita- und OGS-System in NRW ist am Limit. Wir haben viel zu wenig Fachkräfte. Es fehlen über 100.000 Kita-Plätze. Im Offenen Ganztag platzen die Gruppen aus allen Nähten. Träger sprechen von massiven Defiziten, Beschäftigte von Überlastung und Burn-out. Landtag Die GEW spricht von einer dramatischen Unterversorgung. Die WAZ schreibt von der schlimmsten Kita-Krise seit Jahrzehnten. Fachkräfte fehlen, und gleichzeitig steigen die Anforderungen. Ab 2026 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Doch wie will die Landesregierung diesen erfüllen, wenn schon heute die Betreuung zusammenbricht? Was macht die Landesregierung unter Ministerpräsident Wüst? Sie schaut weg. Sie vertröstet. Sie kürzt Förderungen. Sie verschleppt dringend nötige Gesetzesänderungen, und sie weigert sich, die Ausbildung endlich attraktiv und vollfinanziert zu gestalten. Das ist Politik auf dem Rücken der Beschäftigten, der Kinder und der Familien. (Beifall von der SPD – Zuruf) Eine Ihrer angeblichen Lösungen – die Personalverordnung – sollte Entlastung bringen. In Wahrheit ist sie ein Placebo. Träger wenden sie kaum an, weil sie wissen: Mehr Belastung für das ohnehin überforderte Personal bringt die Einrichtung endgültig zum Kollaps. Das ist keine Lösung, das ist ein Offenbarungseid. Diese Regierung besteht nun seit über vier Jahren. Sie kennt all die Probleme, wir haben sie hier rauf und runter diskutiert. Trotzdem gibt es immer noch kein neues Kita-Gesetz, kein Gesetz für den Offenen Ganztag, keine ausreichende Finanzierung und keine nachhaltige Personalstrategie. Das ist keine Politik, das ist Verantwortungslosigkeit. (Beifall von Andrea Busche [SPD]) Es ist mehr als das: Es ist ein Angriff auf die Zukunftschancen unserer Kinder und auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn ohne verlässliche Bildung und Betreuung können Eltern nicht arbeiten und Kinder nicht gut aufwachsen. Die Beschäftigten in Kitas und OGS, die tagtäglich ihr Bestes geben, um den Laden noch irgendwie am Laufen zu halten, drängen Sie an den Rand der Belastbarkeit und teilweise auch weit darüber hinaus. Wir fordern deshalb eine sofortige Vollfinanzierung der Praxisintegrierten Ausbildung, und zwar nicht nur in der Kita, sondern auch im Ganztag. Junge Menschen müssen die Wahl haben, ob sie praxisintegriert oder schulisch lernen. In beiden Fällen muss die Ausbildung fair vergütet sein. Wir fordern die Entfristung und gesetzliche Verankerung von Alltagshelferinnen und -helfern. Denn die Realität zeigt: Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil in den Kitas geworden. Die geplanten Kürzungen im Landeshaushalt müssen zurückgenommen werden. Wir wollen moderne Kita- und Ganztagsgesetze, in denen Tariferhöhungen zeitnah mitgetragen werden, Personalstandards festgeschrieben werden und der tatsächliche Bedarf abgebildet wird. 17.09.2025 Es braucht Investitionen in Räume, Ausstattung und Gesundheitsprävention. Es reicht nicht, immer mehr Kinder in überfüllte Räume zu stecken. Wir brauchen Platz für Bewegung, Ruhe und Kreativität, kurz: für gutes Aufwachsen und gutes Arbeiten. Wir fordern bessere Aufstiegsmöglichkeiten für das pädagogische Personal. Kinderschutz, Sprachentwicklung, Inklusion – all das sind Aufgaben, die mehr Verantwortung verdienen und auch entsprechend honoriert werden müssen. Dieser Antrag ist ein Signal. Wir sehen die Beschäftigten. Wir hören ihre Sorgen. Wir kämpfen an ihrer Seite. Die Landesregierung unter Hendrik Wüst aber muss endlich aufhören, die Realität zu verdrängen und auf Zeit zu spielen. (Beifall von der SPD und Marcel Hafke [FDP]) Wer weiter nicht handelt, lässt das Fundament unseres Bildungssystems zusammenbrechen und gefährdet die Zukunft unserer Kinder. Sorgen Sie also dafür, dass OGS und Kitas in NRW nicht Orte des Mangels, sondern Orte der Chancen für Kinder, Eltern und Beschäftigte werden. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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