landtag.nrw.de ↗

Dr. Dennis Maelzer

SPD 10.07.2025 Sitzungen 18/99

Ganz genau. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Kultur ist kein Luxus, Kultur ist Daseinsvorsorge. Deshalb sprechen wir heute über weit mehr als nur über vier Theaterhäuser. Wir sprechen über einen zentralen Auftrag unseres Landes, Kultur in der Fläche zu sichern. Genau das leisten unsere vier Landestheater in Detmold, Neuss, Dinslaken und Castrop-Rauxel. Mit über 1.300 Aufführungen jährlich in fast 200 Städten und Gemeinden erreichen diese Bühnen Menschen in Regionen, in denen es sonst kaum professionelle Kulturangebote gibt. Doch was tut die Landesregierung? Sie lässt diese Institution finanziell im Regen stehen. Die Theater kämpfen mit massiven Mehrkosten – verursacht durch steigende Energiepreise, Inflation, vor allem aber durch gerechtfertigte Tarifsteigerungen für die Beschäftigten. Und was sagt das Land? Nullrunde, bestenfalls. Kein Ausgleich, kein Signal der Unterstützung. Stattdessen sollen die Theater priorisieren – ein Euphemismus für sparen, kürzen, streichen. Wenn 85 % der Ausgaben im Personalbereich liegen, dann heißt das im Klartext weniger Personal, weniger Stücke, weniger Spielorte und damit weniger Kultur, weniger Bildung, weniger Teilhabe. Machen wir es konkret und werfen einen Blick auf das Landestheater Detmold. Es ist die größte Reisebühne Europas mit einer 200-jährigen Geschichte. Die Stadt Detmold, der Kreis und sogar der finanziell gebeutelte Landesverband Lippe sind ihrer Verantwortung gerecht geworden: Sie haben ihre Beiträge um 8,5 % aufgestockt. Wenn sich die Landesregierung dennoch weiterhin weigert, ihren Anteil an den Kostensteigerungen zu tragen, dann klafft im Haushalt ein Loch von 1,3 Millionen Euro. Das ist nicht mehr durch einzelne Einschnitte auszugleichen. Dann muss eine ganze Sparte wegfallen. Frau Ministerin Brandes, werden Sie am 8. November zur Jubiläumsfeier nach Detmold kommen? Verkünden Sie dann, welche Sparte es werden soll? Heißt es dann: „keine Oper mehr“? Gibt es in Zukunft kein Schauspiel mehr? Frau Brandes, oder verzichten Sie lieber auf Ballett und junges Theater? Ich wette, die Theaterfreunde werden sich brennend für Ihre Antwort interessieren. (Beifall von der SPD) In Neuss wird dieses Jahr ebenfalls Jubiläum gefeiert. 100 Jahre wird das Theater alt. Möglicherweise ist es der letzte Geburtstag. Dem Rheinischen Landestheater Neuss droht die Zahlungsunfähigkeit. Stadt und Theater haben Ihnen geschrieben, Frau Brandes, und Sie sind deutlich geworden. Ich zitiere: Sie nehmen sich als Rechtsträger aus der bindenden Verantwortung, die Sie mit der Stadt Neuss als Land NRW eingegangen sind. In der Vergangenheit wurde die Finanzierung des Rheinischen Landestheaters Neuss zu gleichen Teilen durch Stadt und Land 10.07.2025 gesichert. Indem die vertraglich zwingenden Tariferhöhungen nicht mehr von Ihnen – vom Land – übernommen werden, brechen Sie Ihren Teil der Verabredung. Frau Brandes, in Neuss hat mit Marie Johannsen eine Frau die künstlerische Verantwortung übernommen, die als jüngste Intendantin einer deutschen Bühne einen fantastischen Job macht. Die Zuschauerzahlen sind um mehr als 15 % gestiegen. In so einer Situation wollen Sie dem Landestheater finanziell das Genick brechen? Werden Sie auch in Neuss auf der Jubiläumsfeier sein und als Highlight Ihres Auftritts gemeinsam mit Publikum und Schauspielern den Schlüssel des Theaters umdrehen und für das Ende einer hundertjährigen Geschichte sorgen? Die Landestheater stehen für eine Gesellschaft, in der jeder und jede Zugang zu Kunst und Kultur hat. Deshalb fordern wir einen vollständigen Ausgleich der bisherigen Tarifsteigerung für die Landestheater durch das Land und eine Dynamisierung. Das ist finanzpolitisch machbar, und kulturpolitisch ist es alternativlos. (Beifall von der SPD) Frau Ministerin Brandes, das wissen auch Sie. Eine Kulturministerin, unter deren Verantwortung Landestheater Sparten streichen müssen, unter deren Verantwortung ein Landestheater in die Insolvenz abrutscht, wäre ein solches Fanal für die Kulturlandschaft, dass sich eine zuständige Ministerin politisch davon nie mehr erholen würde. Darum: Handeln Sie jetzt! (Beifall von der SPD)

Alle Reden von Dr. Dennis Maelzer Protokoll ↗