Susanne Schneider
Als Papst Franziskus in einer weißen, dicken Daunenjacke erschien, haben viele Menschen das wahrscheinlich für bare Münze gehalten. Dieses KI-Bild, das im April 2023 viral ging, wirkte sehr authentisch. Auch ich habe da geschmunzelt. Das Lachen vergeht einem jedoch schnell, wenn man selbst Opfer von einem Deepfake wird. Besonders schlimm wird es dann, wenn plötzlich Nacktbilder oder Pornoszenen von jemandem verbreitet werden, die auch mit KI generiert wurden. Landtag Ein Deepfake oder ein Pornfake ist mittlerweile ganz einfach zu erstellen. Es dauert weniger als 25 Minuten, um kostenfrei ein einminütiges Pornfake-Video zu erstellen. Für die Erstellung wird lediglich ein Foto des Gesichts in guter Auflösung benötigt. Wird diese Manipulation dann verbreitet, z. B. in sozialen Medien und auf pornografischen Websites, werden die Opfer dadurch massiv geschädigt. Leider ist das auch kein Einzelphänomen mehr. KI-gestützte Nudify-Dienste, die auf der Grundlage hochgeladener Fotos nicht einvernehmliche Nacktbilder von echten Menschen erstellen, werden offenbar immer beliebter. Nach Medienberichten soll einer der führenden Anbieter in diesem Bereich allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2024 27 Millionen Besucher verzeichnet haben. In der gleichen Zeit wurden schätzungsweise 200.000 manipulierte Bilder pro Tag generiert. Frauen sind mittlerweile besonders häufig von täuschend echt wirkenden Pornfakes betroffen. Opfer haben oft noch Jahre damit zu kämpfen, ihren Ruf wieder herzustellen oder mit der Traumatisierung zurechtzukommen. Sie stehen quasi vor einem Scherbenhaufen. Sich dagegen zu wehren, fällt immer noch sehr schwer. In Deutschland gibt es derzeit keine spezifischen Gesetze gegen Deepfakes oder Pornfakes, was zu rechtlichen Grauzonen führt. In anderen Ländern wie den USA und Großbritannien werden bereits spezifische Gesetze eingeführt, um dieses Problem besser zu bekämpfen und die Opfer zu schützen. Auch Dänemark will nun Deepfakes den Kampf ansagen. Um Deepfakes und Pornfakes wirksam zu bekämpfen, braucht man ein ganzes Maßnahmenbündel. Vieles lässt sich bereits auf Landesebene angehen. In Nordrhein-Westfalen sollten Deepfakes und Pornfakes systematisch als Straftaten erfasst werden, damit ein umfassendes Bild über Häufigkeit und Verbreitung entstehen kann. Zudem müssen Fortbildungsmaßnahmen für Polizei und Justiz im Bereich der KI-Straftaten etabliert werden, die auch Deepfakes und Pornfakes einbeziehen. Auch die Präventionsarbeit muss deutlich ausgebaut werden. Bereits in den Schulen muss über Deepfakes und Pornfakes als Instrumente des Mobbings, der Manipulation und der Desinformation aufgeklärt werden. Es muss jungen Menschen frühzeitig vermittelt werden, dass solche Fakes kein harmloser Spaß sind. Dazu sollen Konzepte der Landesanstalt für Medien NRW aufgegriffen und gegebenenfalls entsprechend erweitert werden. Opfer von Deepfakes und Pornfakes brauchen psychologische und rechtliche Hilfe. Entsprechende Unterstützungsangebote müssen weiter 09.07.2025 ausgebaut werden. Bei der Opferschutzbeauftragten des Landes ist besondere Expertise zu Deepfakes und Pornfakes zu bündeln. Auch dort müssen entsprechende Beratungsangebote für Betroffene digitaler Gewalt angeboten werden. Die FDP-Landtagsfraktion macht sich stark für mehr Aufklärung und Schutz bei Deepfakes und Pornfakes. Denn digitale Gewalt ist kein Bagatelldelikt!
