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Tülay Durdu

SPD 09.07.2025 Sitzungen 18/98

Frau Präsidentin! Schade, dabei wird es doch jetzt schön nass, witzig und lustig, und alle gehen. Ich habe mich so gefreut, dass ich Landtag einmal richtig viel Publikum hier habe. Schönen Abend euch allen! (Beifall von der SPD – Matthias Kerkhoff [CDU]: Ich bleibe! Ich bleibe!) Sehr geehrte Damen und Herren! Schwimmen ist wichtig, und es ist gesund. Wenn man schwimmen kann, macht es sogar richtig Spaß. Schwimmen zu können, kann vor allem Leben retten – das eigene Leben voran. Doch bevor man losschwimmen kann, oder anders gesagt, um die Schwimmkompetenz zu erhalten, braucht es zwei Dinge: Wasserflächen und Schwimmlehrer bzw. -lehrerinnen. Beides ist in NRW Mangelware. 50 % der Grundschulkinder in NRW können am Ende der vierten Klasse nicht sicher schwimmen. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Hallen- und Freibäder seit 2001 halbiert. Die Folge: Schwimmunterricht fällt aus, die wenigen Kurse sind überfüllt, Eltern verzweifelt, und die Kinder haben keine Chance, das Schwimmen sicher und ordentlich zu erlernen. Dem Schwimmland NRW steht das Wasser nicht bis zum Hals, es steht auf dem Trockenen. Das ist keine Randnotiz, das ist eine Bildungskrise, eine Gesundheitskrise und letztendlich auch eine soziale Krise. Es klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Realität. (Beifall von der SPD) Schwimmen ist verpflichtender Bestandteil der schulischen Lehrpläne. Am Ende der Grundschule sollen alle Kinder schwimmen können – ich konnte es zumindest, aber ich bin Baujahr 1974, lang ist‘s her –: Das ist der Anspruch. Doch er scheitert an fehlenden Lehrschwimmbecken und Schwimmlehrern. Das ist leider die Realität. In der Theorie sind die Kommunen für die Versorgung mit Bädern verantwortlich. Doch in der Wirklichkeit ächzen die Kommunen unter einer Schuldenlast von 70 Milliarden Euro. Allein der Betrieb bestehender Schwimmbäder wird für sie zum Kraftakt – von Sanierung und Neubau ganz zu schweigen. Sie wissen das alles. Der Ministerpräsident weiß das auch, die Kommunen auch, und die Menschen, die auf der Jagd nach Schwimmkursen für ihre Kinder sind oder in der Hitze in einem hoffnungslos überfüllten Freibad einen Platz ergattern müssen, wissen es sowieso. Fehlende Wasserflächen sind auch für unsere älteren Mitbürger ein Problem. Es wird immer schwieriger, Bäder für ihre Reha-Sportkurse zu finden. Ein gesundheitspolitisches Desaster! Anspruch und Wirklichkeit trennt ein großer Graben. Wenn wir ihn schließen wollen, muss das Land die Kommunen bei Unterhalt, Sanierung und Neubau von Bädern endlich unterstützen. Die Bäderallianz, ein breites Bündnis, dem unter anderem der Schwimmverband NRW und die DLRG 09.07.2025 angehören, hat deshalb kürzlich eine klare Forderung aufgestellt: Bund und Land dürfen die Kommunen nicht länger im Stich lassen. Sie müssen gemeinsam Verantwortung für eine kommunale Schuldenkrise übernehmen, die die Kommunen nicht zu verantworten haben. – Mit dieser Forderung hat sie einfach recht. Für den schulischen Schwimmunterricht braucht es aber nicht nur Bäder. Wir brauchen Lehrkräfte im Sport und im Schwimmunterricht und eine stärkere Verankerung der Schwimmausbildung im Lehramtsstudium. Das Angebot für Fort- und Weiterbildungen muss flächendeckend ausgebaut werden. Außerdem muss die Landesregierung endlich ein altes Versprechen einlösen und die Schwimmfähigkeit der Grundschulkinder am Ende der Grundschule erheben. (Beifall von der SPD) Je früher Kinder mit Wasser in Berührung kommen, umso besser. Deshalb sollte das Land auch Projekte fördern, die Wassergewöhnung und Schwimmunterricht schon in der Kita ermöglichen. Nehmen Sie sich gerne die Initiative SchwimmKitas des Schwimmverbands als Vorbild. Das Land NRW macht sich gerade auf den Weg zu Olympia. Wir unterstützen die Bewerbung. Wir sind sicher, dass Nordrhein-Westfalen Olympia kann. Doch wenn es mit der Schwimmkrise so weitergeht, wenn wir die Bäder nicht erhalten, nicht sanieren oder keine neuen bauen und der Schwimmunterricht weiter ausfällt oder gar nicht mehr existieren wird, dann wissen wir heute schon: Ob Olympia nach NRW kommt oder nicht, Schwimmmedaillen werden andere holen, und wir schauen aus der Ferne zu. Wir freuen uns daher auf eine sachliche, demokratische und einheitliche gemeinsame Beratung im Sinne des Schwimmens, der Schule und der Kinder. Ich wünsche allen einen schönen Abend. – Danke schön fürs Zuhören.

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