Berivan Aymaz
Liebe Kolleginnen und Kollegen, für die Landesregierung hat nun Herr Minister Laumann das Wort. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir hatten leider im Jahr 2023 – jüngere Zahlen stehen uns nicht zur Verfügung – fast 44.000 Tote durch Herzinfarkt. Bei Frauen wie bei Männern sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache. Mehr als jede dritte Frau, die in Deutschland im Jahre 2020 gestorben ist, ist an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben. Trotzdem ist natürlich zumindest in weiten Teilen der Bevölkerung – an dem Medizinerstreit will ich mich nicht beteiligen – der Herzinfarkt in allererster Linie immer noch eine männliche Erkrankung. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle, die unser Gesundheitssystem mitgestalten, hier eine wichtige Verantwortung haben. Es ist daher richtig, dass wir anlässlich des Antrags der Regierungsfraktionen darüber sprechen und vor allem darauf schauen, welche Rolle geschlechterspezifische Unterschiede spielen. Es gilt, die bestehenden Wissens- und Datenlücken zu schließen und dann natürlich auch in die Umsetzung zu kommen. Das betrifft diejenigen, die in den Praxen und Krankenhäusern jeden Tag Verantwortung für das Leben ihrer Patientinnen und Patienten tragen. Das betrifft aber auch uns alle, wenn es darum geht, unser Bewusstsein für dieses Thema zu schärfen. Ich bin froh darüber, dass die nordrhein-westfälische Landesregierung bereits aktiv geworden ist, um eine medizinische Forschung voranzutreiben, die Geschlechterunterschiede im Blick hat. Ich habe hier im Plenum bereits vom Leuchtturm der Gendermedizin in NRW berichtet. Dort engagieren sich Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen der Institutionen wie Hochschulen, Universitätskliniken und Forschungsinstituten. Mit dem Netzwerk Geschlechtersensible Medizin wird das Ziel verfolgt, geschlechtersensible Medizinforschung in NRW sichtbar zu machen und die Berücksichtigung von geschlechterspezifischen Perspektiven voranzutreiben. Also: die erste konkrete Maßnahme. Die zweite ist: An der Medizinischen Fakultät der Universität Bielefeld gibt es einen Modellstudiengang Medizin, der geschlechtersensible Aspekte in verschiedenen Studienmodellen verpflichtend integriert hat. Und an der Universität Essen wurde im Jahre 2024 das Institut für Geschlechtersensible Medizin Landtag gegründet. Also: zwei weitere ganz konkrete Schritte, die diese Landesregierung begleitet hat. Durch die Zusammenarbeit der Universitäten in Nordrhein-Westfalen können bereits wichtige Forschungsergebnisse erzielt werden. Dann geht es natürlich auch um die Aufklärung. Entscheidend ist dabei auch, dass die handelnden Menschen im Gesundheitswesen und darüber hinaus für dieses Thema sensibilisiert werden. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit bearbeitet das Thema „Herz-Kreislauf-Gesundheit“ sowohl im Kontext der Frauen- wie auch der Männergesundheit, und hier bietet sich natürlich auch eine Kooperation mit vielen anderen an.
