Dr. Martin Vincentz
Danke schön. Also, wo war ich stehen geblieben? … wie wir Menschen in all ihren Facetten und mit all ihren Besonderheiten und Eigenschaften besser behandeln, sondern wen wir zuerst sensibilisieren sollen, wer am größten benachteiligt wird, während insgesamt über Jahrzehnte die Lebenserwartung immer weiter angestiegen ist, und zwar bei allen Geschlechtern. Aber immerhin, so viel Fortschritt machen Sie dann doch: Sie erkennen an, dass es Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Was Sie sonst an anderer Stelle gerne leugnen, ist natürlich seit langer Zeit gelebte Realität in der Medizin. Natürlich kann es Unterschiede in der Symptomatik, auch bei Herz-Kreis-05.06.2025 lauf-Erkrankungen, zwischen den Geschlechtern geben. Das ist alles bekannt. Das wird ja auch längst gelehrt und wird natürlich auch in der medizinischen Praxis berücksichtigt. Es ist geradezu absurd zu unterstellen, dass es unseren Medizinern nicht bei jedem Patienten eines jeden Geschlechts immer um das beste Outcome gehe. Aber so kennen wir sie, die Grünen – die Polizei ist strukturell rassistisch, Unternehmer sind raffgierig, und Mediziner diskriminieren nach Herkunft und Geschlecht. Was ist das nur für ein Weltbild? Vor allem frage ich mich, wie tief die CDU sinken kann, dass sie sich dem mittlerweile anschließt. (Beifall von der AfD) Der Punkt ist aber ein ganz anderer. Sie fordern Gender-Lehrstühle, während wir auf dem Land immer noch viel zu wenige Ärzte haben. Der Patient wird heute auch deshalb oft nicht optimal behandelt, weil das System strukturell an verschiedenen Stellen überfordert, ausgereizt ist, am Limit ist, weil die Diagnostik unter Zeitdruck steht, weil der Rettungswagen zu spät kommt, weil Fachärzte fehlen – und nicht deshalb, weil die Approbationsordnung keine genderpolitische Schulung vorsieht oder der Arzt zu unsensibel gendert; das ist Unsinn. Sie sprechen von struktureller Benachteiligung. Ja, der Bürger wird zunehmend strukturell von Ihnen benachteiligt, (Beifall von Dr. Hartmut Beucker [AfD]) und zwar mit unterschiedlichsten Merkmalen. Ich kann mich an dieser Stelle nur wiederholen: Die Zukunft ist individualisierte Therapie und kein Kulturkampf im Kittel. Aber, wenn Sie das schon wollen, ein Schwank aus der Praxis: Männer sterben statistisch gesehen fünf Jahre früher als Frauen. Sie sprechen von medizinischer Unsichtbarkeit von Frauen, aber lassen völlig unter den Tisch fallen, dass gerade Männer oft viel zu spät zum Arzt gehen, nicht selten sogar, wenn es bereits zu spät ist. Das ist keine Gerechtigkeit, sondern das ist selektive Aufmerksamkeit, aber das sind wir von Ihnen gewohnt. Genau deshalb sind Ihre Anträge auch ein Irrweg. Sie politisieren Teilaspekte, um sich nicht mit Ihrem Versagen im Großen und Ganzen beschäftigen zu müssen. Ich sage es gerne erneut: Der Mensch ist mehr als sein Geschlecht, und eine gute medizinische Versorgung erkennt das ohne PR-Kampagne, ohne Moralrhetorik, ohne ideologischen Überbau. Ihren Antrag braucht es dazu nicht. Wenn die Politik etwas tun möchte, dann lieber in Form von guten Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem und nicht mit wohlfeilen Ratschlägen und wüsten Unterstellungen. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Geschlechtern, und natürlich gehört das betrachtet. Was Landtag Sie hier aber machen, ist eine Überbetrachtung. Es ist die Übersensibilisierung für einen Einzelaspekt. Das ist nicht Teil der Lösung, sondern das ist Teil des Problems. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
