Susanne Schneider
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen und Kolleginnen! Das Positive zuerst: Es ist schön, dass wir uns hier mal wieder mit dem Thema „Herzgesundheit“ auseinandersetzen, weil – egal, ob Frau oder Mann – ein Herzinfarkt eine lebensbedrohliche Situation ist, und da muss zack, zack gehandelt werden. Die Symptome haben wir in Teilen schon gehört. Ich wiederhole sie gerne noch einmal, wie es klassisch im Lehrbuch zu finden ist: drückend, bohrend, wühlende Schmerzen im linken Brustbereich, auch sehr gerne in den linken Arm hin ausstrahlend. – Wenn so etwas auftritt, ist es immer ganz clever, wenn Sie dann die 112 anrufen. Bei Frauen ist es häufig anders, muss es aber nicht. Aber das Problem ist dann eben die Diagnose. Wenn ein Mann mit diesen Diagnosen zum Arzt kommt, hört er sofort: Boah, das könnte ein Herzinfarkt sein. Ein EKG wird geschrieben, Blut wird abgenommen, es erfolgt sofort die ganz große Laborroutine. Bei einer Frau ist dann die Nachfrage doch eher mal: War es ein bisschen stressig die letzte Zeit? Ist es ein bisschen viel mit den Kindern? Solche Fragen muss sich ein Mann in der Regel nie anhören. Von daher bin ich sehr dankbar, dass nach der Kleinen Anfrage, (Lisa-Kristin Kapteinat [SPD]: Ja!) die ich zu dieser Thematik stellte, jetzt auch Schwarz-Grün dieses Thema noch einmal aufgegriffen hat. Frauen- und Männerherzen ticken unterschiedlich, das habe ich auch hier schon mehrfach gesagt. Die höheren Fallzahlen bei Herzerkrankungen von Männern haben einfach dazu geführt, dass häufig die Kardiologie den Mann als Patienten sieht und auf diesen Mann eben auch fokussiert ist. Eine Kardiologin hat es mal auf den Punkt gebracht und sagte: Das weibliche Geschlecht ist einer der größten Risikofaktoren, warum ein Herzinfarkt fehldiagnostiziert wird. Diese oft uneindeutigen Symptome oder dieses kritische Hinterfragen bei Frauen führen viel zu oft dann dazu, dass der Herzinfarkt nicht als solcher erkannt wird. Die Zeitspanne zwischen Auftreten des Herzinfarkts und der Einlieferung in die Klinik ist für die Überlebenschance beim Infarkt entscheidend. Bei Männern vergehen im Durchschnitt 76 Minuten, bei Frauen jedoch 90 Minuten. Auch bekamen nur 71 % der Frauen eine akute Reperfusionstherapie. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzinfarkt zu sterben, ist bei Frauen daher doppelt so hoch wie bei Männern, obwohl sie seltener davon betroffen sind. Bei meiner Kleinen Anfrage zu diesem Thema war die Antwort der Landesregierung nicht besonders erhellend. Es wurde lediglich auf Informationsangebote der Krankenkassen, die Verantwortung der Heilberufekammern für Fort- und Weiterbildungen sowie der Kreise und der kreisfreien Städte für den Rettungsdienst verwiesen. Eigenaktivitäten des Landes und 05.06.2025 wirkliche Lösungsansätze standen nicht im Fokus. Offenbar hat der Landesgesundheitsminister kein besonderes Interesse an diesem Aspekt der Gendergesundheit. (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: Warten Sie mal ab!) Nun greifen die Koalitionsfraktionen das Thema auf, wahrscheinlich auf grünen Antrieb hin. Trotz der Länge des Antrags bleibt er inhaltlich beschränkt. Nur eine Sensibilisierung reicht hier nicht. Hier müssen auch strukturelle Maßnahmen wie zum Beispiel die Berücksichtigung der geschlechtersensiblen Medizin in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, Arzneimittelforschung und Schmerztherapie ergriffen werden. Die Fokussierung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen greift zu kurz. Der Gender Health Gap betrifft zahlreiche weitere Bereiche, wie zum Beispiel Schmerztherapie oder Pharmakologie. Der weibliche Zyklus wird im Antrag überhaupt nicht erwähnt, obwohl dieser auch tiefgreifende Einflüsse auf die Wirkung von Medikamenten oder Stoffwechselprozessen hat. Auch das beeinflusst Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Erweiterung der Maßnahmen hätte dem Antrag gutgetan, auch wenn man dabei den Haushalt im Blick behalten muss. Zielführender wäre eine intensive Beratung im Ausschuss gewesen. Dort hätte man Ideen und Vorschläge von Expertinnen und Experten einbeziehen können. (Beifall von der FDP) Was mir und auch der FDP-Fraktion noch wichtig ist, betrifft den letzten Antrag zur Gendergesundheit genauso wie diesen: Sie sehen hier nur ein Geschlecht, und das ist weiblich. Die FDP-Fraktion behält bei der Gesundheitspolitik alle Geschlechter im Blick. Das ist mir ganz besonders wichtig. (Beifall von der FDP – Thorsten Klute [SPD]: Der SPD auch!) Diesen Antrag möchten oder wollen Sie nicht im Ausschuss diskutieren. Von daher können wir uns bei diesem Antrag nur enthalten. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)
