Rainer Schmeltzer
Danke sehr, Herr Abgeordneter Schalley. – Für die Landesregierung spricht jetzt Ministerin Gorißen. Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Künstliche Intelligenz entfaltet ihr volles Potenzial natürlich dort, wo große und vielfältige Datenmengen anfallen. Sie hilft auch, diese Datenflut zu verstehen und vor allem nutzbar zu machen. Gerade in der Nutztierhaltung gibt es eine enorme Fülle von Daten, insbesondere Gesundheitsdaten zum Nutztier und Daten zu seiner Haltungsumwelt. Daher überrascht es nicht, dass KI hier längst Einzug gehalten hat. Die Erwartungen liegen dabei auf der Hand. Es geht um mehr Effizienz. Es geht natürlich auch um eine höhere Produktivität. Es geht um Ressourcenschonung. Nicht zuletzt geht es aber auch – und das finde ich ganz wichtig – um Verbesserungen im Tierschutz. Oft übersehen wir dabei einen ganz zentralen Aspekt, nämlich die Kompetenzausbildung des Anwenders. Vor diesem Hintergrund hat mein Haus bereits im Jahr 2022 in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer NRW das Zentrum für Digitalisierung in der Landwirtschaft im Haus Düsse in Bad Sassendorf eingerichtet. Über die Landesinitiativen „Grundlagenarbeit“, „Digitalisierung in der Innenwirtschaft“ und „Wissenstransfer“ können hier wirklich viele Projekte zur Tierhaltung abgewickelt werden. Die Viehhaltung von Haus Düsse ist dabei oftmals von ganz zentraler Bedeutung, so zum Beispiel mit dem hier schon genannten Stall der Zukunft, der im vergangenen Jahr eingeweiht wurde und ein wirklich praxisnahes Experimentierfeld darstellt. Dort werden 04.06.2025 nämlich unter anderem KI-Systeme bereits erprobt, die eine automatisierte Verhaltenserkennung der Tiere ermöglichen – das ist gerade auch angesprochen worden – und diese mit weiteren Parametern kombinieren, um daraus letztendlich Handlungs- und Managementempfehlungen ableiten zu können. Beispielsweise ist es auch so, dass die Auswertung von Hustengeräuschen die Früherkennung von Atemwegserkrankungen ermöglicht bzw. Lüftungsfehler meldet. Dass Nordrhein-Westfalen hier führend ist, zeigt auch das von der Abgeordneten Winkelmann genannte Projekt KISS, was in der Tat nicht für einen Kuss steht, sondern für „Künstliche Intelligenz gegen Schwanzbeißen bei Schweinen“. Dieses Projekt diente der prototypischen Entwicklung eines KIbasierten Decision-Support-Systems, das im Übrigen zusammen mit dem Fraunhofer-Institut und der Landwirtschaftskammer NRW entwickelt wurde. Hier wurden weitreichende Grundlagen für entsprechende KI-Anwendungen geschaffen. Wir sind aber auch in der Rinderhaltung schon sehr aktiv. Unter der Projektleitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz GmbH in Osnabrück fungierte der Milchviehstall von Haus Düsse als Testbetrieb für das Projekt „smartMILC“. Auch dieses System wertet Verhaltensparameter, Gesundheitsindikatoren und weitere Sensordaten gebündelt aus, um Managementabläufe zu optimieren. Was wir hier vorstellen, ist nur eine kleine Auswahl der Projekte und der Möglichkeiten, bei denen sich NRW in der Entwicklung von KI und Assistenzsystemen an ganz entscheidender Stelle engagiert. Im Gegensatz zum Tenor im FDP-Antrag zeigt sich, dass NRW nicht am Anfang steht, sondern schon sehr weit vorne liegt. Das zeigt auch: NRW gestaltet die Digitalisierung und natürlich auch die Anwendung von KI in der Landwirtschaft schon seit längerer Zeit aktiv mit. All diese Projekte setzen letztendlich auf Prävention und leisten damit auch einen ganz klaren Beitrag zu mehr Tierwohl – das vielleicht als kleine Information in Richtung der AfD. Es war gerade ja fast witzig, sich anzuhören, dass man Nutztiere vom Lebewesen weghole, weil man in den Ställen jetzt mit KI unterwegs sei. Dass man hier wirklich richtig etwas für das Tierwohl, für die Tiergesundheit und für den Tierschutz macht und dass eine solche KI gut qualifizierte Landwirte, die mit dieser Anwendung dann auch vertraut gemacht werden müssen, enorm unterstützt, wird von Ihnen total verkannt. Wenn zum Beispiel eine Kuh über solche Sensoren verfügt, werden mittlerweile schon Alarme über eine App ausgestrahlt, bevor man dem Tier überhaupt anmerkt, dass es krank ist, sodass man auch zum Wohle des Tieres sehr frühzeitig eingreifen kann. Insofern ist KI wirklich ein ausgesprochen nützliches Instrument, das uns, glaube ich, Landtag in der Landwirtschaft und gerade in der Nutztierhaltung ganz weit nach vorne bringen wird. Wir müssen einfach auch sagen, dass KI kein Spielzeug für irgendwelche Technikfreaks, sondern natürlich ein zentrales Instrument für mehr Nachhaltigkeit, für mehr Wirtschaftlichkeit und für den von mir auch schon genannten Tierschutz ist. Es ist aber auch so, dass nicht alles, was auf den Markt kommt, sofort einsatzbereit und voll ausgereift ist. Daher ist es uns besonders wichtig, dass wir den Landwirtinnen und Landwirten und den Betrieben mit dem Zentrum für Digitalisierung in der Landwirtschaft beim Haus Düsse eine Anlaufstelle bieten, um Kenntnisse im Umgang mit digitalen Technologien zu erhalten und um ganz gezielt zu schauen, was für ihren Betrieb gut in Frage käme, was da eingesetzt werden könnte, wie das gemacht werden müsste und was schon angewendet werden könnte. Wir sehen beim „Stall der Zukunft“ aber, dass die Ursachenforschung insbesondere, was das Schwanzbeißen bei den Schweinen angeht, auch europaweit immer noch läuft. Manchmal treten in einem Stall, in dem jahrelang kein Schwanzbeißen vorgekommen ist, plötzlich Fälle von Schwanzbeißen auf. Dazu muss in allen Ländern noch Ursachenforschung betrieben werden. Wir sind auch da dran, damit man dazu am Ende auch entsprechende Warnungen über KI bekommt. Das alles ist wichtig. KI ist ein sehr taugliches Instrument. Das heißt, liebe FDP, dass dieser Antrag gar nicht schlecht ist – der ist gut –, aber ein paar Jahre zu spät kommt. Nichtsdestotrotz werden wir gemeinsam dranbleiben, die KI weiterzuentwickeln. Im Ausschuss wird dazu dann ja noch beraten. – Herzlichen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
