Christin Siebel
Sie äußern auch kreative Vorstellungen davon, wie man Räume besser gestalten kann, wenn man sie denn fragt. Ein Beispiel dafür gibt es in Cottbus. Dort haben Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Schulwege 22.05.2025 analysiert und Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrssicherheit gemacht. Diese Vorschläge sind direkt in die Stadtplanung eingeflossen, weil man die Perspektive der Kinder ernst genommen hat. Schauen wir nach Bonn. Die Stadt hat sich dem Programm „Kinderfreundliche Kommunen“ angeschlossen und einen Aktionsplan bis 2027 aufgestellt. Das Ziel ist, Kinder und Jugendliche zielgruppengerecht an Entscheidungen zu beteiligen, die sie betreffen. Das ist gelebte Demokratie. Auch Krefeld hat einen solchen Aktionsplan. Bundesweit gibt es mit sogenannten Spielleitplanungen längst ein bewährtes Instrument, das die Bedarfe von Kindern und Jugendlichen in Planungsverfahren integriert. Das Problem ist also nicht das Ob, sondern das Wie und das flächendeckende Umsetzen. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Genau!) Wir fordern mit unserem Antrag deshalb einen Kinder- und Jugendcheck für landesseitige Planungsverfahren – analog zum Gesetzgebungscheck, auf den wir in NRW ja noch warten –, einen Leitfaden für Kommunen zur praktischen Umsetzung kindgerechter Beteiligung und eine echte Verbindlichkeit beim Bau und Umbau von Kitas, Schulen und Schulhöfen. Hier muss Beteiligung Standard werden, keine freiwillige Kür. (Beifall von der SPD) Dabei gilt: Kinder sind keine Jugendlichen. Beteiligung muss altersgerecht und altersnah gestaltet sein, denn wenn zwischen einer Idee und ihrer Umsetzung Jahre vergehen, sind die Kinder aus dem Projekt und aus der Beteiligung längst herausgewachsen. Dass Beteiligung gelingt, zeigen nicht nur die Praxisbeispiele, auch die Forschung unterstützt uns. Wissenschaftler wie Aladin El-Mafaalani oder Ulrich Deinet zeigen, dass junge Menschen nicht nur mitreden wollen, sondern es auch können, wenn man sie lässt. Ganz ehrlich: Wenn wir Beteiligung ernst meinen, dann muss sie bei denen beginnen, die am längsten mit unseren Entscheidungen leben, also bei den Jüngsten in unserer Gesellschaft. Die Stadtgesellschaft ist mehr als Steine und Straßen. Sie ist gelebte Demokratie. Wer junge Menschen daran beteiligt, stärkt nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Bindung an die Stadt, das Quartier und das Gemeinwesen. Kinder sind keine Kulisse, sondern Teil des Geschehens. Sie sind Stadtgestalterinnen und Stadtgestalter von morgen. Sie wissen sehr wohl, was sie tun. Wir fordern die Landesregierung deshalb auf, Strukturen zu schaffen, in denen junge Menschen mitgestalten können, nicht irgendwann, sondern jetzt, nicht abstrakt, sondern konkret und nicht symbolisch, sondern wirksam. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD) Landtag
