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Berivan Aymaz

22.05.2025 Sitzungen 18/95

Für die Landesregierung hat nun Minister Herr Laumann das Wort. Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! So sehr ich auch für eine auf die Person zentrierte medizinische Versorgung bin, ist es aber trotzdem, glaube ich, mittlerweile Allgemeinwissen – das hoffe ich zumindest bei allen informierten Menschen –, dass es auch gute Gründe für eine geschlechtersensible Gesundheitspolitik gibt, weil Männer und Frauen unterschiedlich sind und sich auch im Bereich der Gesundheitspolitik Systematiken von Krankheiten oder auch der Einsatz von Medikamenten sehr unterschiedlich auswirken. Ich finde es gut, dass das Bewusstsein für die Bedeutung einer geschlechtersensiblen Gesundheitsversorgung wächst, und glaube auch, dass eine Debatte im Landtag Nordrhein-Westfalen einen Beitrag dazu leistet, dass es weiter wächst. Denn meine Beobachtung ist, dass es zwar wächst, aber dass es sehr langsam wächst. Klar ist doch: Frauen brauchen in bestimmten Situationen eine andere Versorgung als wir Männer. Das gilt insbesondere auch für geschlechterspezifische Lebensphasen wie Schwangerschaften und Wechseljahre. Da scheint es, glaube ich, auch jedem einzuleuchten. (Thorsten Klute [SPD]: Bei der AfD weiß ich das nicht!) Aber das gilt eben auch bei vielen anderen gesundheitlichen Fragen. Und da muss man ganz ehrlich sagen – Frau Kapteinat, Sie haben das an einem Beispiel aus dem letzten Jahrhundert dargestellt –: Dieses Bewusstsein war früher nicht da. Meines Erachtens haben wir eine ganz praktische Entwicklung in der Gesundheitsversorgung, nämlich dadurch, dass heute der Anteil der Frauen im Arztberuf sehr viel größer ist als früher. Ich gehe davon aus, dass das logischerweise bedeutet, dass auch mehr auf die Frage einer geschlechtersensiblen Gesundheitsversorgung geachtet wird. Das wird sich in den nächsten Jahren noch mehr verändern; denn zwei Drittel der Menschen, die in Nordrhein-Westfalen zurzeit Medizin studieren, sind Frauen. Ich glaube, dass über eine Beteiligung der beiden Geschlechter in der Ausübung der Berufe sich auch unterschiedliche Sichtweisen in dieser Frage – so hoffe ich wenigstens – weiterentwickeln. Deswegen wird uns das bei der Frage einer geschlechter-Landtag sensiblen Gesundheitspolitik zugunsten der Frauen natürlich auch eine erhebliche Dynamik in den nächsten Jahren bringen. Aber wichtig ist doch auch, dass wir daran denken, dass wir dies auch in den Bereichen der Forschung, der Arzneimittel, der Prävention, der Diagnostik, der Therapie sehr stark im Auge haben. Deswegen gibt es in Nordrhein-Westfalen auch Ansätze, die wir als Landespolitik fördern, um hier weiter voranzukommen. Einmal will ich hier das Gesundheitskonzept für die Jugend nennen. Hier sollten wir früh ansetzen. Daher finde ich es wichtig, dass die Gesundheitskompetenz bereits in jungen Jahren vermittelt wird. Aktuell findet der Wettbewerb Gesundheitspreis NRW statt. Es haben sich einige Projekte beworben, die das Ziel haben, Mädchen und Jungen in ihrer Gesundheitskompetenz zu stärken. Gesundheitskompetenz kann man aber nur erlangen, wenn man auch Wissen über geschlechterspezifische Krankheiten hat. Um die Gesundheitskompetenz der Jugend zu stärken, werden gerade Sensibilisierungsmaterialien für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern erarbeitet. Um die gesundheitliche Chancengleichheit zu stärken, ist insbesondere auch die Förderung der Gesundheitsforschung in Nordrhein-Westfalen wichtig. Sie leistet nach meiner Meinung einen wesentlichen Beitrag dazu, Forschungs- und Versorgungslücken zu schließen. Beispielhaft zu nennen ist das Leuchtturmprojekt Gendermedizin.NRW. Sie wissen, dass diese Institution sehr stark publiziert, auch zur geschlechtersensiblen Medizin in Nordrhein-Westfalen. Ein weiteres Beispiel ist das Netzwerk Geschlechtersensible Medizin NRW. Das haben unsere acht nordrhein-westfälischen medizinischen Fakultäten gegründet. Und der Schwerpunkt des Netzwerkes liegt auf der Berücksichtigung der Geschlechteraspekte in der Praxis von Forschung und Lehre unserer Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen. Das sind ganz praktische Beispiele, um die es geht. Aber auch die flächendeckende Umsetzung der Barrierefreiheit ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung auch zu geschlechtergerechter Medizin. Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung veröffentlichte Richtlinie zur Barrierefreiheit ist unter der Beteiligung der Selbsthilfe entstanden. Sie umfasst allgemeine Barrierefreiheitskriterien für alle Arztpraxen und für alle Geschlechter. Um auch Versorgungslücken von Frauen und Männern mit Behinderungen, zum Beispiel gerade im gynäkologischen Bereich, zu schließen, ist es wichtig, dass möglichst viele Arztpraxen sich zu den in der Richtlinie festgestellten Kriterien zur Barrierefreiheit äußern. Die Landesregierung befindet sich hierzu auch im Austausch mit allen Beteiligten. Dann will ich zum Schluss noch einmal das Thema Geburtsversorgung ansprechen. Auch wenn ich heute nicht wieder über die Geburtshilfe allgemein 22.05.2025 rede – das haben wir in den letzten Wochen genug getan –, glaube ich schon, dass wir in Nordrhein-Westfalen mit der Krankenhausplanung zum ersten Mal auch ein sehr klares Auge darauf haben, wie sich dieser Versorgungsbereich bei uns im Land entwickelt und wie die Versorgungssicherheit in den verschiedenen Regionen ist. Ich freue mich auch darüber, dass mittlerweile jede vierte Geburtsklinik in Nordrhein-Westfalen einen von Hebammen geleiteten Kreißsaal anbietet. Auch das sind Dinge, die wir in Nordrhein-Westfalen sehr stark nach vorne gebracht haben. Diese hier als Beispiele angeführten Initiativen verdeutlichen aus meiner Sicht das Engagement unseres Landes, die Geschlechterperspektive in die Gesundheitsforschung zu integrieren, eine geschlechtersensible Medizin voranzutreiben und in aller Vielfalt über die Geschlechter hinweg zu berücksichtigen. – Schönen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU, den GRÜNEN und der FDP)

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