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Lisa-Kristin Kapteinat

SPD 22.05.2025 Sitzungen 18/95

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gleichberechtigung passiert nicht von allein. Man muss sie gesellschaftlich erkämpfen. Das wissen die Frauen hier im Saal vermutlich besser als alle anderen. Vor allem muss Gleichberechtigung auch politisch durch-22.05.2025 gesetzt werden. Beim Thema „Gesundheit“ merken wir das mehr denn je. Noch bis ins 20. Jahrhundert waren die gängigen Behandlungsmethoden gegen die gefürchtete weibliche Hysterie Heirat und Schwangerschaft. 1903 schrieb der Philosoph Otto Weiniger: „Die Hysterie ist die organische Krisis der organischen Verlogenheit des Weibes.“ Wenn ich mir das angucke, denke ich: Vielleicht war früher doch nicht alles besser. (Heiterkeit von Thorsten Klute [SPD]) Von dieser medizinischen Praxis und auch diesem gesellschaftlichen Bild der Frau sind wir heutzutage Gott sei Dank weit entfernt, dank der unermüdlichen Arbeit von vielen Frauen und einigen Männern, die Gleichberechtigung salonfähig gemacht haben. (Beifall von der SPD) Aber gerade im Gesundheitsbereich hat die strukturelle Benachteiligung von Frauen auch heute noch sehr ernste Konsequenzen. Da geht es tatsächlich um noch mehr als die Lohnlücke oder den Gender-Pay-Gap. Denn es geht um Leben oder Tod. Hier geht es um ganz plastische Wissens- und Forschungslücken, teilweise Fehldiagnosen oder Fehlbehandlungen, die Frauen und Mädchen heute in Deutschland immer noch das Leben kosten können. Dabei fängt Benachteiligung mit Kleinigkeiten an: beispielsweise der Kopfstütze am Sitz im Zug, die zu weit oben angebracht ist, oder dem Haltegriff im Bus, den man mit einer Größe von weniger als 1,70 m kaum erreicht. Ist das alles eine Frage des Standards? Fataler wird es dann, wenn bei Crashtests von Autos nur männliche Dummys verwendet werden. Die Unfallforschung kritisiert schon sehr lange, dass sich Ergonomie und Sicherheitstechnik ganz überwiegend am Mann orientieren. Es gibt Studien, die sehr deutlich aufzeigen, dass Frauen schlechter gegen Schleudertraumata geschützt sind. Den ersten weiblichen Crashtest-Dummy hat dann auch – wie soll es anders sein? – eine Frau erfunden. Auch die Puppen, die wir aus Erste-Hilfe-Kursen kennen, an denen die Herzdruckmassage geübt wird, sind ganz überwiegend männlich. Geschlechter unterscheiden sich in Gesundheit und Krankheit. Die regierungstragenden Fraktionen schreiben das auch genau so in ihren Antrag. Damit haben sie recht. Das mittlerweile bekannteste Beispiel ist der Herzinfarkt. Hier prägen sich die Symptome bei Frauen und Männern gänzlich unterschiedlich aus. Herzinfarkte werden bei Frauen deshalb viel zu oft zu spät erkannt und dann auch zu spät behandelt. In der Herleitung sprechen Sie, die Kolleginnen von CDU und Grünen, viele wichtige Themen an. Frauen sind in medizinischen Studien oft unterrepräsentiert. Landtag Deshalb sind geschlechterspezifische Symptome weniger erforscht und bekannt. Dagegen muss die Politik etwas tun. Den fraktionsübergreifenden Antrag zur Endometriose haben wir deshalb sehr gerne unterstützt. Schade war dann, dass Sie sich nicht dazu hinreißen lassen konnten, unserem Antrag zu den Wechseljahren zuzustimmen. (Beifall von der SPD) Denn nach all dem, was insbesondere die Kollegin Thoms gerade sagte, ist eigentlich deutlich geworden, dass Sie inhaltlich hinter einem solchen Antrag stehen müssten. Ich freue mich grundsätzlich über den hier vorliegenden Aufschlag zur Frauengesundheit, auch wenn er mir ein bisschen wie ein Stückwerk vorkommt. Geburtsstationen, gynäkologische Versorgung, Hebammenversorgung, Schwangerschaftsabbrüche – das alles hätte meiner Meinung nach einen eigenen Antrag verdient. Sie haben sich jetzt aber für diesen Weg entschieden. Insofern sollten wir diesen Antrag in den Fachausschüssen diskutieren. Was ich aber jetzt schon ankündige, wird Sie wahrscheinlich nicht besonders verwundern. Das Ambitionslevel dieses Antrags, das sich mal wieder in dem kleinen Ausdruck „im Rahmen vorhandener Mittel“ niederschlägt, ist einfach nichts, was dem so richtig gerecht wird, wenn man sagt: Frauengesundheit ist ein wichtiges Thema, und wir möchten, dass Frauen genauso sicher versorgt werden wie Männer. – Priorisierung sieht leider anders aus. (Beifall von der SPD) Lassen Sie uns dieses Thema gemeinsam angehen. Lassen Sie uns beim Thema „Frauengesundheit“ weiter vorangehen. Gleichberechtigung muss politisch durchgesetzt werden. Von wem, wenn nicht von uns? Lassen Sie uns daran arbeiten. Wir stimmen der Überweisung des Antrags in den Ausschuss zu. – Herzlichen Dank. (Beifall von der SPD)

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