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Katharina Gebauer

CDU 22.05.2025 Sitzungen 18/95

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Über Jahrzehnte hinweg orientierte sich die medizinische Forschung und Versorgung an einem Einheitsmodell, das vor allem auf männlichen Daten und Erfahrungen basiert. Frauen waren in vielen Studien entweder gar nicht vertreten oder systemisch unterrepräsentiert. Auch bei Medikamententests werden nach wie vor überwiegend männliche Probanden eingesetzt, seien es Menschen oder Tiere. Diese einseitige Perspektive hat schwerwiegende Folgen. Sie führt zu dem sogenannten Gender Health Gap, dem Ungleichgewicht in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen und Männern. Dieses Ungleichgewicht kostet im schlimmsten Fall Menschenleben. Denn Diagnostik und Therapie sind vielfach nicht ausreichend auf geschlechterspezifische Unterschiede abgestimmt. Dieser Missstand ist keine Theorie, sondern er ist Realität. Unser Anspruch als Politik muss es daher sein, mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen zu schaffen. Genau dort setzt unser Antrag an. Wir wollen geschlechtergerechte Medizin stärken und damit gezielt die Frauengesundheit verbessern. Wie wichtig dieser Schritt ist, zeigt sich exemplarisch bei der Krebsbehandlung. Die gängige Diagnostik im Therapieverfahren basiert größtenteils auf Studien mit männlichen Probanden. Dabei wissen wir längst: Biologische Unterschiede wie der Hormonspiegel, genetische Veranlagungen oder das Immunsystem beeinflussen bei Frauen den Krebsheilungsverlauf erheblich. Hinzu kommt: Erkrankungen äußern sich bei Frauen häufig mit unspezifischen Symptomen, was zu Fehldiagnosen oder Verzögerungen in der Behandlung führt. Deshalb brauchen wir gezielt auf die weibliche Tumorbiologie abgestimmte Diagnostik- und Therapieansätze. Auch mögliche Nebenwirkungen und die Wirksamkeit von Behandlungen müssen geschlechterspezifisch berücksichtigt werden. Nur wenn wir diese Unterschiede ernst nehmen, können wir verhindern, dass Frauen in der Krebsmedizin weiter benachteiligt sind. Dieses Beispiel verdeutlicht: Geschlechtersensible Forschung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Landtag Prävention, Diagnostik und Therapie müssen künftig individueller und damit gerechter gestaltet werden. Ein Schlüssel dazu liegt in dem Einsatz der Künstlichen Intelligenz und einer konsequenten Digitalisierung des Gesundheitssystems. KI kann helfen, große Mengen an Gesundheitsdaten zu analysieren und bisher übersehene geschlechterspezifische Muster zu erkennen. So lassen sich Risiken frühzeitig identifizieren, gerade in sensiblen Bereichen der Krebsmedizin. Doch auch hierbei gilt: Wir dürfen nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Beim Training von Algorithmen darf nicht erneut ein Geschlecht dominieren. Unsere digitalen Werkzeuge müssen auf Vielfältigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und entsprechenden Daten basieren. (Zuruf von Sven Werner Tritschler [AfD]) Sonst droht die Reproduktion alter Ungleichheiten in der digitalen Form. Ein zentrales Ziel unseres Antrags ist es daher, in der Gesellschaft das Bewusstsein für den Gender Health Gap zu schärfen. Nur wenn wir die Problematik erkennen, können wir wirksame Veränderungen anstoßen. Die Gesundheitskompetenz von Mädchen und Jungen sollte frühzeitig gestärkt werden, etwa im Rahmen des Landesprogramms Bildung und Gesundheit, das um Angebote des öffentlichen Gesundheitsdienstes erweitert werden kann. Öffentlichkeitskampagnen können zudem helfen, die belastenden Ungleichheiten sichtbar zu machen und eine breite gesellschaftliche Debatte anzustoßen. Nicht zuletzt müssen wir auch die medizinische Fachwelt stärker sensibilisieren. Die Landesgesundheitskonferenz bietet dafür einen idealen Rahmen. Sie bringt jährlich relevante Akteurinnen und Akteure zusammen, um zentrale Themen der Gesundheitsversorgung zu diskutieren. Was wäre geeigneter als geschlechtergerechte Medizin? Die Konferenz kann dazu beitragen, gemeinsam Strategien für eine gerechte, geschlechtersensible Versorgung zu entwickeln. Am kommenden Mittwoch, dem 28. Mai, findet der Internationale Aktionstag für Frauengesundheit statt. Der Landtag könnte heute ein starkes Zeichen setzen. Denn der erste Schritt ist, den Gender Health Gap überhaupt als Problem zu erkennen. (Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Boah, ist die CDU flott! – Thorsten Klute [SPD]: Oder die Grü- nen!) Der nächste Schritt ist, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um ihn zu schließen. Mit diesem Antrag leisten wir einen Beitrag für ein Gesundheitssystem, das alle Menschen gleichermaßen berücksichtigt, unabhängig vom Geschlecht. Der Überweisung in den Ausschuss stimmen wir selbst-22.05.2025 verständlich zu. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

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