landtag.nrw.de ↗

Charlotte Quik

CDU 22.05.2025 Sitzungen 18/95

Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin relativ unverdächtig, Best Buddy mit dem Kollegen Maelzer zu sein. Von daher wundere ich mich über mich selbst, dass ich heute Morgen einen Moment erreicht habe, in dem ich mir ihn als Vorredner gewünscht hätte in Anbetracht der Tatsache, dass man mit ihm in den allermeisten Fällen sachlich diskutieren kann und er vor allen Dingen aus unserer Arbeit in der Kinderschutzkommission weiß, dass wir gerade im Kinderschutz versuchen, Hand in Hand zu arbeiten, um das Beste für die Kinder und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen zu erreichen. (Beifall von der CDU – Dr. Dennis Maelzer [SPD]: Das kann man mit Jochen auch! – Zu- ruf von Thorsten Klute [SPD]) Gerne komme ich auch zum Inhalt des Antrags. Wenn ich mit Jugendlichen spreche, ob in Schulen oder bei Veranstaltungen, in der Jugendhilfe, mit Besuchergruppen hier bei uns im Landtag oder auch bei unseren Anhörungen in der Kinderschutzkommission, dann erzählen sie mir viel zu oft von Gruppendruck auf TikTok, Beleidigungen in WhatsApp-Gruppen, von 22.05.2025 Schlafmangel wegen ständiger Erreichbarkeit. Das ist leider Teil ihrer Realität. 93 % der Zehnjährigen sind in sozialen Netzwerken aktiv, viele täglich über anderthalb Stunden. Jedes dritte Kind erlebt regelmäßig digitale Gewalt. Kinder brauchen Schutz und Selbstwirksamkeit und eine Politik, die beides zusammendenkt, so wie wir es hier in Nordrhein-Westfalen tun. Ein Schutzraum muss halten, was er verspricht, auch digital. Kinder brauchen keine digitalfreie Zone aus Prinzip. Sie brauchen Erwachsene, die sie begleiten. Und dafür braucht es Struktur, Haltung und Mut zur Führung. Schule muss Schutz und Entwicklungsraum zugleich sein. Dafür investieren wir seit Jahren in den Medienkompetenzrahmen, die digitale Schulstrategie NRW, in Mental Health Coaches und Elternarbeit. Der vorliegende Antrag blendet diese Maßnahmen aus und suggeriert Planlosigkeit. Das ist sachlich falsch. Ein sensibles Thema ist die Handynutzung. Für Grundschulen empfiehlt das Schulministerium ein Handyverbot. Weiterführende Schulen sollen bis Herbst 2025 gemeinsam mit Lehrkräften, Eltern und Schülerinnen und Schülern ihre Regeln überprüfen und verbindlich verankern. Dafür stellt das Schulministerium Handlungsempfehlungen und eine Musterordnung bereit – keine zentralistische Vorgabe, sondern tragfähige, partizipativ entwickelte Lösungen. (Beifall von der CDU) Ein handyfreier Vormittag kann sinnvoll sein, aber darf nicht zur Ersatzhandlung werden. Digitale Mündigkeit entsteht nicht durch Verbote, sondern durch Begleitung. Das Smartphone ist kein Feind, sondern ein Werkzeug. Es kommt darauf an, wie wir es nutzen. Deshalb brauchen wir eine Pflicht zur Medienbildung ab Klasse 1. Gleichzeitig braucht es Schulsozialarbeit und Mental Health Coaches, besonders dort, wo digitale Überforderung psychisch belastet. Kinder in belasteten Quartieren verbringen oft mehr Zeit allein und online, häufig ohne Begleitung durch Erwachsene. Mediennutzung wird zum digitalen Betäubungsmittel gegen reale Überforderung. Prävention beginnt bei der Präsenz, nicht auf dem Papier. Medienscouts NRW sind ein starkes Modell. Wir wollen ihre Arbeit landesweit verankern mit Qualitätsstandards und fachlicher Begleitung. Ebenso brauchen wir bewegungsfreundliche Schulhöfe als analoge Alternativen. Der beste Schutz ist keine Vorschrift, sondern eine stabile Beziehung zwischen Eltern und Kindern, zwischen Lehrkräften und Kindern, zwischen Lehrkräften und Eltern. Eltern tragen eine Schlüsselrolle, oft mit Unsicherheiten. Sie brauchen alltagsnahe Unterstützung durch Familiengrundschulzentren, Elternabende, einfache Kommunikation. Landtag Medienerziehung beginnt zu Hause, aber sie darf dort nicht enden. Wer Schulen in die Pflicht nimmt, muss auch Eltern mitnehmen. Digitale Mündigkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Landesregierung steht für Verantwortung, Klarheit und eine Politik, die Kinder starkmacht, nicht bevormundet. Was wir nicht brauchen, ist Symbolpolitik, die mehr verspricht als sie hält. Lassen Sie uns noch mehr Medienbildung ermöglichen, die Schutz bietet und Selbstwirksamkeit fördert: differenziert, kooperativ und realitätsnah, für starke Kinder in digitalen Zeiten. Darüber diskutieren wir dann im Ausschuss gerne weiter. Der Überweisung stimmen wir selbstverständlich zu. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Alle Reden von Charlotte Quik Protokoll ↗