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Dorothee Feller

21.05.2025 Sitzungen 18/94

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Lehrkräfte müssen vieles können. Vor allem müssen sie Fachwissen haben, aber gleichwohl auch gute Pädagogen sein. Das ist ein Kern der Inhalte, die sie lernen müssen. Der vorliegende Antrag enthält eine Vielzahl von Ideen und Vorschlägen, die auf den ersten Blick reizvoll erscheinen mögen, deren Folgewirkungen jedoch ganz offenkundig nicht bis zum Ende durchdacht worden sind. Erstens. Sie stellen mit Ihrem Vorschlag der praxisintegrierten Ausbildung auch den praktischen Vorbereitungsdienst infrage. Wir bekommen jedoch gerade von den LAAs und von allen an der Ausbildung Beteiligten mit, wie wichtig gerade der Vorbereitungsdienst im Rahmen der Lehrerausbildung ist. 21.05.2025 Zweitens. Mit Ihrem Konzept ist die Mobilität der LAAs und damit auch der Lehrkräfte nicht mehr gegeben. Die Lehramtsabschlüsse aus Nordrhein-Westfalen würden zukünftig in anderen Bundesländern nicht mehr anerkannt werden, da sie gegen die Vereinbarungen der Bildungsministerkonferenz verstoßen. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Welcher junge Mensch würde sich noch für ein Studium in Nordrhein-Westfalen entscheiden wollen, wenn dies die Flexibilität in der Zukunftsplanung derart einschränkt? Drittens. Die Einführung von verbindlichen Eignungsfeststellungsverfahren für den Zugang zum Studium widerspricht – zumindest ohne sachlichen Rechtfertigungsgrund – bereits dem Grundrecht der freien Berufswahl. Es ist auch nicht richtig, dass wir in Nordrhein-Westfalen nur mit einem NC studieren können. Es gibt Universitäten in Nordrhein-Westfalen, die das Lehramtsstudium ohne NC anbieten. Wir haben bereits in der Vergangenheit die Zahl der Studienplätze deutlich erhöht, und die Wissenschaftsministerkonferenz auf Bundesebene hat zudem beschlossen, die Datenerhebungen zu Studienabbruch und Studienqualität auszuweiten. Wir warten da auf erste Ergebnisse. Deswegen weiß ich gar nicht, welche Datenquelle der SPIEGEL hat, denn diese Daten gibt es bundesweit derzeit noch nicht. Viertens. Die vorgeschlagene Struktur würde eine massiv erhöhte Zahl an Ausbildungslehrkräften und Fachleitungen erfordern, also eine Vielzahl an Lehrkräften, die wir gerade in Zeiten des akuten Fachkräftemangels dringend im Unterricht benötigen. Die im System vorhandenen Lehrkräfte in einer solchen Vielzahl mit anderen Aufgaben zu betrauen, würde sich zum erheblichen Nachteil unserer Schulen und damit letztlich unserer Kinder und Jugendlichen auswirken. Fünftens. Knapp 75.000 Lehramtsstudierende müssten auf ca. 5.400 Schulen verteilt werden. Da die jungen Menschen ohne fachliche Grundkenntnisse an die Schulen kämen, müssten sie zudem intensiv betreut und angeleitet werden. Eine solche Vorgehensweise hätte zwangsläufig eine massive Überforderung des gesamten Systems zur Folge – ohne Mehrwert für die Schulen oder gar die Studierenden. Sechstens. Auch in finanzieller Hinsicht sind Ihre Vorstellungen kaum haltbar. Will man Studierende in der vorgeschlagenen Form für ihre Ausbildung in der Praxis bezahlen, in der sie noch keine eigenständigen und eigenverantwortlichen Tätigkeiten übernehmen, hätte das Kosten in Milliardenhöhe zur Folge, die weder in diesem noch in einem zukünftigen Haushalt zur Verfügung stehen. Sehr geehrte Damen und Herren, eine gute und attraktive Lehrerausbildung ist der Grundstein für Landtag qualifizierte Lehrkräfte an unseren Schulen. Daher schauen wir uns derzeit die Lehrerausbildung in NRW sehr genau an, sowohl das Studium – gemeinsam mit meiner Kollegin Frau Brandes und den Hochschulen – als auch den Vorbereitungsdienst. Übrigens hat es seit Jahrzehnten keinen Besuch von Ministerinnen oder Ministern in den Zentren für praktische Lehrerausbildung oder unmittelbare Gesprächsformate mit den LAAs gegeben. Da es letztlich jedoch um deren Ausbildung geht, ist mir deren Einbindung sehr wichtig. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN) Wir wissen auch um den Wunsch nach mehr Praxiselementen im Studium. Diesbezüglich ist gerade in NRW schon viel passiert, indem wir die Praxiselemente in einen integralen Bestandteil an den Universitäten eingebunden haben. Es geht jetzt darum, eine gute Balance zwischen Fachwissen und Praxisanteilen zu finden, denn ohne Fachwissen wird es nicht gehen. Die Vorstellung, vor den Sommerferien Abitur zu machen und nach den Sommerferien als Lehrkraft zu arbeiten, wird nicht funktionieren. Im Sommer dieses Jahres werden wir den Landtagsbericht zur Lehrerausbildung vorlegen und Vorschläge zur Optimierung der Lehrerausbildung in Nordrhein-Westfalen unterbreiten. Meines Erachtens ist das eine gute Grundlage für einen Austausch. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)

Protokoll ↗