Dr. Christian Blex
„Das ist keine Demokratie – das ist verkappte Tyrannei.“ – Marco Rubio. Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Immer wenn die Kollegen der FDP über die Zustände des deutschen Bildungswesens sprechen, darf sich das Plenum verklausulierte Umschreibungen anhören, ohne jede konkrete Benennung der Dinge. Ich zitiere aus dem Antrag (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) der bereits aus dem Bundestag verschwundenen Fraktion: „Zunehmende gesellschaftliche Herausforderungen, die auch das Lehren und Lernen in der Schule beeinflussen und teilweise beeinträchtigen, wirken sich negativ auf die Belastung der Lehrkräfte und die Unterrichtsqualität aus.“ Ja, was mag denn wohl mit „gesellschaftlichen Herausforderungen“ gemeint sein? Im Antragstext liest man es jedenfalls nicht. Deutschlands Bildungswesen ist jahrzehntelang erfolgreich gewesen wegen der Gliederung der Schulen und der Spezialisierung seiner Lehrkräfte. Schon die Amtsbezeichnung „Studienrat“ an höheren Schulformen gibt Aufschluss über die historische und ausbildungstechnische Bewandtnis. Die bisherige klare Trennung zum Beispiel zwischen Grundschulund Gymnasiallehramt hat gute Gründe und darf auf keinen Fall – so entnehme ich es Ihrem Antrag – zu einem gemischten und dadurch viel allgemeineren Alles-aber-nichts-richtig-Könner-Lehrerprogramm werden. Sie stellen tatsächlich heraus, dass Grundschullehrer nicht dieselbe Fachkenntnis wie – Zitat – „Fachwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler etwa in der Mathematik“ benötigen. Und obwohl Sie tatsäch-21.05.2025 lich zu dieser wirklich banalen, absolut banalen Erkenntnis kommen, rücken Sie danach dem Fachlehrer zu Leibe. Der zukünftige Fachlehrer am Gymnasium besonders im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich, der mit einem fundierten Wissen und einem hoffentlich ausgeprägten Interesse für die Fachmaterie in das Studium einsteigt, soll plötzlich ein Grundstudium Allerlei absolvieren und gegebenenfalls mit Grundschul- und Förderlehrerinnen gemeinsam „irgendetwas mit Lehrer“ lernen. Dabei schreckt der Arbeitsplatz Schule doch bereits heute den Mathematiker, den Physiker, den Informatiker und den Chemiker ab, da sie sich alle eins gewiss sein können: Ihre eigentliche Fachexpertise kommt an den Schulen heutzutage dank außerunterrichtlicher Aufgaben und damit einhergehender vergleichsweise minderer Wirtschaftlichkeit der Vergütungs-Aufwands-Verhältnisse deutlich zu kurz. Kurzum: Der Lehrerberuf – das verstehen Sie nicht, lassen Sie es sich trotz allem gesagt sein – ist für mathematisch-naturwissenschaftliche Experten, (Zuruf von Dilek Engin [SPD]) welche die Weitergabe ihres Wissens anstreben, einfach zu unattraktiv, ja geradezu abstoßend geworden. Die allgemeine Studierfähigkeit deutscher Abiturienten nimmt ohnehin bereits rapide ab und ist auf einem historischen Tiefpunkt angelangt. (Zurufe von der SPD und den GRÜNEN) Dabei ist es immer noch die grundständige Aufgabe des Gymnasiallehrers, Schüler zu einem Studium zu befähigen. Hierfür ist eine solide Fachkenntnis des Gymnasiallehrers die notwendige Bedingung – zumindest in den Nicht-Laberfächern. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Nur ein fachlich qualifizierter Naturwissenschaftslehrer kann gute Schüler für ein Studium der Naturwissenschaften begeistern. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) – Ja, ich habe von guten Schülern geredet. Und nur ein fachlich qualifizierter Naturwissenschaftler kann gute Schüler mit dem nötigen Wissen für ein Naturwissenschaftsstudium (Zuruf von Ina Blumenthal [SPD]) und einer realistischen Einschätzung der Leistungsanforderungen dieses Studiums ausstatten. Das sind die notwendigen Bedingungen, um anspruchsvolle Naturwissenschaften erfolgreich als Lehrer zu studieren. (Zuruf von Franziska Müller-Rech [FDP]) Als promovierter Mathematiker und Oberstudienrat weiß ich aus erster Hand, wie wichtig das ist. Landtag (Zurufe von der CDU, der SPD und den GRÜNEN) – Ja, da schreien Sie. Ich kann nichts dafür, dass Sie Mathematik nicht verstanden haben. Im Kontrast dazu merkt man nämlich dem Antrag der FDP auf wirklich erschreckende Weise an, dass Sie keinerlei Beziehungen zu den Naturwissenschaften haben. Das merkt man auch an den Zwischenrufen von CDU, SPD und den Giftgrünen. Sie sind da wohl leider in bester Gesellschaft. (Franziska Müller-Rech [FDP]: Wenn man nicht mehr weiter weiß! – Weitere Zurufe) Meine Damen und Herren, eine so grundsätzliche Reform, eine schiere 180-Grad-Drehung bewährter und erprobter Ausbildungswege, kann nicht auf vier Seiten Papier angerissen werden. Das verkennt nur die eigentlichen Themen, die die verbleibenden Lehrer wirklich beschäftigen. (Zuruf von Bianca Winkelmann [CDU]) Die Themen, die die Lehrer im Alltag am härtesten treffen können und am wenigsten diskutiert werden, sind: Gewalt und Missbrauch an Schulen, soziale Verrohung, Islamismus, Zuwanderung illegaler Fremder. (Beifall von der AfD – Zurufe von Dilek Engin [SPD] und Ina Besche-Krastl [GRÜNE]) Erst wenn Ihre Fraktionen bereit sind, ausgiebig über diese Themen zu sprechen, kann Nordrhein-Westfalen eine ernsthafte Lösung der Bildungskrise überhaupt andenken. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
