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Franziska Müller-Rech

FDP 21.05.2025 Sitzungen 18/94

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich in die Debatte einsteigen mit einem Gespräch, das mir sehr in Erinnerung geblieben ist, mit einer jungen Lehramtsstudierenden, die in Köln Grundschullehramt studiert. Sie liebt Kinder, sie hat ein Talent, Sachen gut zu erklären, sie hat Herz und Haltung: all das, was man sich für unsere Lehrerinnen und Lehrer wünscht. Aber sie sitzt im Studium in Köln mit Mathematikprofis im selben Hörsaal – gleiche Prüfungen, gleicher Stoff. Ihr Ziel ist es, Kindern das Einmaleins und ein Verständnis für Zahlenräume beizubringen und sie für Mathe zu begeistern. Ihre Realität an der Hochschule ist aber das mathematische Hochreck, das sie nie wieder im Job brauchen wird. Das ist Verschwendung von Ressourcen, das ist nicht wertschätzend, und das ist auch nicht sinnvoll. (Beifall von der FDP) Sie kann und wird auch eine großartige Lehrerin werden, wenn sie nicht vorher durch das Lehramtsstudium vergrault oder sogar schlimmstenfalls ausgesiebt wird. Was läuft schief? Im Lehramtsstudium finden wir zu viel Theorie und zu wenig Schule. Praxis kommt oft viel zu spät erst im Master im Praxissemester. 40 % der Studierenden brechen ab, weil sie zum Beispiel keine echte Vorstellung vom Alltag einer Lehrerin oder eines Lehrers haben, wenn sie die Seiten im Klassenzimmer wechseln, sofern – das muss man dazu sagen – sie überhaupt einen Studienplatz bekommen. Denn viele Lehrertalente werden bereits aussortiert, bevor sie einen Fuß in das Schulgebäude gesetzt haben. Stellen Sie sich das vor: Wir haben an vielen Unis trotz Lehrermangels einen NC auf das Lehramt. Es kann nicht jeder, der möchte, Lehramt studieren, obwohl wir einen Mangel haben. Dann brechen wie gesagt auch noch 40 % ab. Was für eine Vergeudung von Ressourcen, und was für eine Demotivation. Landtag Was wollen wir als Freie Demokraten? Wir wollen genauer hinschauen. Wer passt denn wirklich in diesen Beruf? Wir wählen immer nur nach Abiturdurchschnitt aus. Dabei wollen wir doch besser nach Eignung auswählen. Wir wollen auch die Studierenden besser vorbereiten. Wer Lehrkraft werden will, braucht Praxis und auch eine ordentliche Praxisbegleitung durch Mentoring und Coaching. Wir wollen keine Einzelkämpfer ausbilden. Wir bauen auf echte Teams aus Lehrkräften und Lehramtsstudierenden. Das sind unsere drei Kernforderungen heute: Erstens: Praxis ab dem ersten Tag. Studierende gehen nach unserer Meinung am besten früh in die Schulen, und zwar nicht nur zum Zuschauen, sondern auch zum Mitgestalten. Im letzten Semester wollen wir sogar 80 % Praxis, eine feste Ausbildungsschule und echte Verantwortung, die sie schon übernehmen können – mit Begleitung, Reflexion und Coaching statt einem Sprung ins kalte Wasser. Zweitens wollen wir den Zugang zum Studium über Eignung und nicht nur über die Abiturnote. Wer Kinder begeistern kann, soll auch ohne Bestnote im Abitur Lehrkraft werden dürfen und können. Deswegen wollen wir die Einführung eines Eignungstests nach finnischem Vorbild. Er soll eine Kombination sein aus Abischnitt, aber auch Beurteilung der Persönlichkeit, die sie dann zeigen können, der Motivation und zum Beispiel auch der Kommunikationsfähigkeiten, die diesem Beruf so wichtig sind. Drittens wollen wir den Lehramtsstudierenden mehr Zeit für die richtige Entscheidung für die Schulform geben. Viele sagen zwar, dass sie gerne Lehrerin oder Lehrer werden möchten, wissen aber noch nicht so genau, an welche Schule es gehen soll – an die Grundschule, Sekundarstufe I oder vielleicht doch die gymnasiale Oberstufe. Deswegen wollen wir ihnen etwas mehr Zeit geben. Sie sollen zunächst ein breites Grundlagenstudium in den ersten drei Semestern machen und sich erst dann, nachdem sie Praxiseinblicke bekommen haben, auf eine Schulform spezialisieren. Das war nicht unsere Idee, sondern das haben wir uns aus unserem Nachbarland Rheinland-Pfalz abgeschaut: mehr Orientierung, weniger Abbruch. Denn wer sich früh sicher fühlt, der studiert auch zu Ende und der bleibt dann auch länger im Beruf. (Beifall von der FDP) Wir wollen, dass aus Lehramtsstudierenden starke Lehrerpersönlichkeiten werden – mit eigenem Stil, eigener Praxis, klarer Perspektive. Wir wollen keine bloßen Theoretiker ausbilden, wir wollen Macher ausbilden – für bessere Bildung, für mehr Qualität, für echte Chancen. 21.05.2025 Ich freue mich sehr, dass wir darüber in die Debatte und Diskussion gehen. – Herzlichen Dank. (Beifall von der FDP)

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