Zacharias Schalley
Herr Präsident! Werte Damen und Herren! Invasive Arten sind eine der zahlreichen negativen Begleiterscheinungen der Globalisierung. Dies sagt auch eine Expertin des NABU, die im weltweiten unkontrollierten Warenverkehr eine Gefahr für unsere Ökosysteme sieht, wofür sie die Asiatische Hornisse als Paradebeispiel anführt, da diese mit asiatischer Importware nach Europa gelangte. Der Asiatischen Hornisse möchte sich die SPD mit dem vorliegenden Antrag nun annehmen, und dies zu Recht. Invasive Arten verändern unsere Ökosysteme derart, dass die heimische Biodiversität massiven Schaden nimmt und ursprünglich ansässige Arten komplett verdrängt werden können. Invasive Neobiota verdrängen heimische Arten und schleppen Krankheiten ein, gegen die es in den lokalen Populationen keine Resistenzen gibt. In Ermangelung von Landtag Fressfeinden breiten sie sich ungebremst aus oder sind selbst Fressfeinde heimischer Arten, die keine Anpassung an diese neue Bedrohung haben. Dabei verursachen invasive Arten neben den hohen ökologischen Schäden auch immer mehr wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden für den Menschen. All dies gilt auch für die Asiatische Hornisse. Zur Leibspeise der Asiatischen Hornisse gehören Honig- und Wildbienen, aber auch Schmetterlinge. Die Hornissen aus einem durchschnittlich großen Hornissennest vertilgen ca. 10 kg Insekten pro Jahr. An den Bienen und anderen Bestäubern hängen jedoch das gesamte Ökosystem und große Teile unserer Nahrungsproduktion. Was es bedeutet, wenn diese verschwinden, kann man in der chinesischen Provinz Sichuan bis heute sehen. Durch die Misswirtschaft während Mao Tsetungs „Großem Sprung nach vorn“ starben dort die Bienen aus. Nun müssen während der Obstblüte zweimal täglich Arbeiter in schwindelerregende Höhen klettern, um mithilfe eines Federbüschels oder Wattestäbchens Blüte für Blüte die Obstbäume einzeln zu bestäuben, eine monotone Arbeit, die nur für die Ärmsten der Bevölkerung bestimmt ist. Jeden Tag schafft einer dieser Arbeiter etwa 30 Obstbäume. Zum Vergleich: Ein Bienenvolk schafft bis zu 16,5 Millionen Blüten pro Tag. Es heißt zu Recht: Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Ich kann sehen, dass Sie deshalb reichlich Inspiration aus unserem Antrag zur Bekämpfung invasiver Arten aus dem August 2023 gezogen haben und das nun am Einzelbeispiel der Asiatischen Hornisse durchdeklinieren. (Julia Kahle-Hausmann [SPD]: Ach so!) Bezeichnend dafür, wie ernst es Ihnen mit dem Kampf gegen invasive Arten und dem Schutz unserer heimischen Natur tatsächlich ist, war aber auch die Ablehnung des AfD-Antrags durch die versammelten Parteien des demokratischen Mittelmaßes. Ebenfalls bezeichnend ist, mit welcher Impertinenz selbsterklärte Naturschützer und scheinbare Experten bereits jetzt die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse schlechtreden. So sagt Otto Boecking vom Institut für Bienenkunde Celle: „Ja, die Asiatische Hornisse kann eine gewisse Bedrohung darstellen. Aber wir wissen auch, dass starke Völker mit ihr klarkommen.“ Der Biologe Rolf Witt hält die allgemeine Bekämpfung der Asiatischen Hornisse gar für ein Vorgehen, bei dem das ökologische Grundverständnis fehlt. Ist die Asiatische Hornisse also gar nicht so schlimm? Sind unsere Bienenvölker stark genug, um mit dieser neuen Bedrohung klarzukommen? 27.03.2025 Die Imkerei und unsere Wild-, aber auch Honigbienen sind aufgrund zahlreicher Faktoren ohnehin in Bedrängnis. Umweltbelastungen und Veränderungen der Landschaft sind dabei nur einige Faktoren. Wenn jetzt noch ein weiterer Fressfeind dazukommt, ist das sicherlich nicht förderlich. Ja, invasive Tierarten sind eine besondere Bedrohung für die Biodiversität. Sie entschlossen zu bekämpfen und dauerhaft aus den Ökosystemen zu entfernen, muss vordringliches Ziel heimatverbundener Naturschutzpolitik sein. Die Schäden durch invasive Arten schätzt das Senckenberg-Forschungsinstitut auf 116 Milliarden Euro in der EU in den vergangenen 60 Jahren. Deutschland gehört mit über 8 Milliarden Euro zu den besonders betroffenen Ländern. Aber ich fürchte, diese Zahlen werden die Parteien, die für ein Schuldenpaket von über 1 Billion Euro im Bundestag gestimmt haben, nicht beeindrucken. Der Antrag der SPD ist ein wichtiger Schritt nicht nur zum Schutz der Imkerei und unserer Bienen, sondern auch, so hoffe ich, ein erster Schritt, um ein neues Paradigma bei der Bekämpfung invasiver Arten einzuleiten. Hätten Sie damals unserem Antrag zugestimmt, statt ihn kleinlich abzulehnen, wären wir allerdings schon ein paar Schritte weiter. Außerdem bezweifele ich, dass die SPD es schafft, bis zum Ende der bestehenden Legislaturperiode zu jeder der über 200 Tier- und Pflanzenarten, die das Bundesamt für Naturschutz als invasiv oder potenziell invasiv auflistet, einen einzelnen Antrag zu schreiben. Die kleinliche Ablehnung sachlicher Anträge, nur weil sie von der AfD kommen, und Ihr parlamentarisches Schneckentempo gefährden unsere Natur. Schneckentempo ist übrigens manchmal doch verblüffend schnell. Die Spanische Wegschnecke als bekannter Gartenschädling hat es geschafft, sich trotz einer natürlichen Ausbreitung von nur 20 m pro Nacht innerhalb von fünf Jahrzehnten von Südwesteuropa bis ins Baltikum auszubreiten und zu etablieren. Damit die roten Genossen mit dem Tempo dieses ebenfalls roten, schleimigen Weichtiers mithalten können, stimmen wir der Überweisung an den Ausschuss gerne zu. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
