Julia Kahle-Hausmann
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! „Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei einen Menschen!“ – so sagt der Volksmund. Längst widerlegt, aber der Respekt vor der völlig friedfertigen Europäischen Hornisse sitzt tief im Bewusstsein. Nun haben wir es seit einiger Zeit mit der Asiatischen Hornisse zu tun, die als Neozoen entlang der Rheinschiene bereits weite Teile NRWs zwischen Bad Honnef und Wesel besiedelt, inklusive Ruhrgebiet. Das ist eine völlig andere Geschichte. Zunächst bauen sie Primärnester, bequem erreichbar in Hecken, später Sekundärnester in bis zu 30 m Höhe, auch mitten in Städten. Überall werden bereits Nester dieser invasiven Art gefunden, letztes Jahr 400 Nester, in diesem Jahr könnten es über 1.000 werden. Erst vor einer Woche wurde ein Nest gemeldet, seither bereits die Funde von drei weiteren Königinnen. Ein einzelnes Hornissenvolk frisst dabei bis zu 20 kg Insekten pro Jahr, nicht nur Honigbienen, sondern Wildbienen, Schmetterlinge, Fliegen, Käfer. Dabei sind viele wichtige Bestäuber unserer Kulturpflanzen. Die Folgen? Dramatisch: weniger Bestäubung, weniger Ernte auf den Feldern und Obstwiesen, weniger Biodiversität. Wenn wir bei Artenvielfalt, Imkern und Landwirtschaft weiter die Hände in den Schoß legen, dann brummt es bald nur noch in der Erinnerung. Deswegen heute unser Antrag. Nur auf den ersten Blick geht es um kleine Hornissen. Vielmehr geht es heute um das Gleichgewicht in unserem Ökosystem. Bisher war die Asiatische Hornisse noch unter Art. 16 der EU-Verordnung 1143/2014 als invasive Art eingestuft. Das bedeutet: Sie muss bekämpft werden. – Seit 2025 ist sie zu Art. 19 umgestuft. Sinngemäß heißt es seitens der Landesregierung, dass keine Pflicht zur Bekämpfung bestehe und es einzelfallbezogen bleibe. Das ist so, als würde man bei einem Küchenbrand sagen, dass das Löschen nicht vorgeschrieben sei. Die unteren Naturschutzbehörden sind längst überlastet. Ihnen fehlen Personal und Ausstattung. Imkerverbände verweisen jetzt schon auf die immer geringeren Bekämpfungszahlen. Damit droht das Problem 27.03.2025 unter den Tisch oder vielmehr in den Schoß der ehrenamtlichen Wespen- und Hornissenberater sowie der Imker zu fallen – rein aus Kostengründen. Das ist keine vorausschauende Politik. Das ist Wegsehen, solange es nicht wehtut. Nur wird es bei der Asiatischen Hornisse irgendwann eben doch wehtun, nämlich Menschen, Natur und Landwirtschaft. Auch für Menschen kann die Hornisse gefährlich werden, denn ihr Gift ist durch seine Zusammensetzung vor allem für Allergiker besonders aggressiv. Jetzt braucht es fünf konkrete Schritte, damit aus Sorge endlich Handlung wird. Erstens braucht es ein klares landesweites Managementkonzept, das den besonderen Herausforderungen NRWs – Stichwort „urbane Ballungsräume“ – gerecht wird; etwas mit Sinn und Verstand, das nachvollziehbar und vor allem zielführend ist. Zweitens bedarf es ergänzend eines runden Tisches mit Imkerverbänden, Landwirtschaftskammer, Naturschutzbehörden, Feuerwehren sowie wissenschaftlichen Institutionen zur Koordination der Bekämpfung. Drittens müssen Anstrengungen unternommen werden, um die digitale Meldeplattform des Landes bekannter zu machen, damit überhaupt ein Überblick entsteht und Monitoring möglich wird. Kennen Sie die landeseigene Meldeplattform? Unter https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de können Sie Ihre Funde dokumentieren. Aber wer dokumentiert, wenn es bei der Aufklärung der Bevölkerung nur ein Randthema hinter einem sperrigen Namen ist? Viertens ist eine adäquate finanzielle Ausstattung sowohl der unteren Naturschutzbehörden als auch derjenigen erforderlich, die die Nester entfernen, damit diese zügig tätig werden können. Eine standardisierte Qualifizierung und Zertifizierung von Fachleuten zur Nesterentfernung entlasten jetzige Ehrenamtler. Es kann nicht sein, dass Imkerverbände Multiplikatorenschulungen de facto querfinanzieren, indem ihnen anderswo Fördermittel gestrichen werden. Die Kosten müssen über ein Landesprogramm gedeckt werden. Höchstwahrscheinlich sind diese Kosten heute deutlich geringer, als sie es nach einigen Jahre untätigen Wartens wären. Fünftens muss es eine breit angelegte Bildungskampagne für die Bevölkerung geben. Um achtsam zu sein, muss man erst einmal wissen, wo Gefahr droht. Die Asiatische Hornisse ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung für Artenvielfalt, Landwirtschaft und Lebensqualität. Genauso müssen wir auch ihre Bekämpfung angehen. Wir dürfen nicht warten, bis es zu spät ist, denn wenn wir die Bestäuber verlieren, verlieren wir mehr als nur Honig. Wir verlieren Lebensgrundlagen. Lassen wir nicht zu, dass das Summen verstummt. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD) Landtag
