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Franziska Müller-Rech

FDP 26.03.2025 Sitzungen 18/91

Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wissen Sie eigentlich, was Lehrerinnen und Lehrer alles sind? Sie sind nicht nur Pädagogen und Mentoren, sondern auch Organisatoren, Sozialarbeiter, Konfliktmanager, IT-Supporter, Ersthelfer, Eventplaner, oft sogar Seelsorger. Als wäre das nicht schon genug, sind sie oft auch noch Kassenwart. Die Eltern unter Ihnen kennen das: Bitte geben Sie Ihrem Kind für den Ausflug nächste Woche 12,50 Euro passend in einem beschrifteten Briefumschlag mit. – So etwas nervt nicht nur Eltern, sondern ist auch Verschwendung von wertvoller Zeit unserer Lehrkräfte. (Beifall von der FDP) Statt sich auf den Unterricht zu konzentrieren und ihren Schülerinnen und Schülern Wissen zu vermitteln, zählen unsere Lehrkräfte Münzen, verwalten Briefumschläge, führen handschriftliche Listen und jonglieren mit Zettelwirtschaft, Klassengeld, Kakaogeld und Ausflugskosten. Alles wandert durch ihre Hände und raubt ihnen wertvolle Zeit und Nerven. Im schlimmsten Fall läuft das auch noch über das private Girokonto der Lehrkräfte. Das wäre in jedem Unternehmen im Land völlig unvorstellbar. Leider ist das aber die Realität von Lehrkräften. Zudem muss natürlich immer jeder Cent stimmen, um nicht noch im schlimmsten Fall der Veruntreuung beschuldigt zu werden. Frau Ministerin, das sind die Sorgen, die sich unsere Lehrkräfte gerade machen. Diese Realität an den Schulen Nordrhein-Westfalens wird von Ihnen konsequent ignoriert. (Beifall von der FDP und Frank Müller [SPD]) Das zeigt die dreiste Antwort auf unsere Kleine Anfrage. Die Landesregierung behauptet ernsthaft, es gebe keinen gestiegenen Verwaltungsaufwand bei der Geldverwaltung an der Schule. Für eine einfachere Lösung sieht die Landesregierung keinen Bedarf. Frau Ministerin, wenn Sie etwas nicht machen wollen, ist das schon schlimm genug. Dann tun Sie aber doch bitte nicht so, als gebe es keinen Bedarf, dieses Problem an unseren Schulen zu lösen. (Beifall von der FDP und Frank Müller [SPD]) Die Aussage, es gebe keinen Bedarf, ist in Wahrheit doch die Aussage gegenüber Ihren Lehrerinnen und Lehrern, dass Sie sie nicht für voll nehmen. Die Landesregierung verschanzt sich wie immer hinter der angeblichen Nichtzuständigkeit und lässt die Kommunen damit im Regen stehen. Frau Ministerin, Fakt ist aber, dass es um die Entlastung Ihrer Bediensteten geht. Deswegen sind Sie natürlich zuständig. (Beifall von der FDP) Landtag Wir Freien Demokraten setzen uns dafür ein, dass unsere Lehrkräfte und im Übrigen auch die Eltern entlastet und von Bargeldchaos und Zettelwirtschaft befreit werden. Wir haben hier schon viele innovative Vorschläge gemacht, die alle von Schwarz-Grün abgelehnt wurden. „Moderner Arbeitsplatz Schule“ steht offenbar nicht auf der Agenda dieser Koalition. Wir machen mit unseren Vorschlägen trotzdem weiter. Deswegen fordern wir heute die landesweite Einführung eines rechtssicheren, interoperablen, digitalen Klassengeldsystems. Rheinland-Pfalz hat vorgemacht, dass das geht. Mit der Software „Klassengeld“ gelingt diese Geldverwaltung nämlich schon effizient, digital und transparent. Lehrkräfte werden entlastet. Genau das brauchen wir auch hier in Nordrhein-Westfalen. Die Vorteile einer digitalen Lösung liegen doch auf der Hand. Lehrkräfte können sich endlich wieder auf die Kernaufgabe, guten Unterricht zu machen, konzentrieren. Alle rechtlichen Unsicherheiten werden beseitigt. Nicht zuletzt schafft das auch mehr Transparenz für Eltern und Lehrkräfte. Wieso bekommt Rheinland-Pfalz das hin, aber Sie nicht, Frau Ministerin? Sie pochen doch sonst immer auf den Gleichschritt mit anderen Bundesländern. Oder gilt das nur für neue Vorschriften und nicht für Entlastungen? (Beifall von der FDP) Unsere Schulen brauchen mehr moderne, praxiserprobte Lösungen. Die Ergebnisse aus Rheinland-Pfalz liegen ja vor. Die Schulen brauchen vor allem keine politischen Ausreden. Unsere Lehrkräfte sollen sich um unsere Kinder kümmern und kein Geld zählen. Das ist für uns völlig klar. Frau Ministerin, noch eine Frage: Wie wollen Sie unseren Kindern digitale Kompetenzen beibringen, wenn Lehrkräfte immer noch wie im letzten Jahrhundert Bargeld einsammeln? Digitalisierung predigen, aber bei Klassengeldern auf Münzkollekte setzen: Das passt nicht zusammen, Frau Ministerin. (Beifall von der FDP) Ich freue mich sehr auf die weitere Diskussion im Schulausschuss, aber noch mehr auf eine schnelle Lösung bei einem eigentlich so einfach zu lösenden Problem. – Vielen Dank. (Beifall von der FDP)

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