landtag.nrw.de ↗

Dr. Martin Vincentz

AfD 20.02.2025 Sitzungen 18/90

Vielen Dank. – Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Erlauben Sie mir eine kurze Einführung, an Landtag deren Ende Sie aber auf jeden Fall verstehen, warum ich definitiv zum Thema spreche. In Zeiten wie diesen, die für die allermeisten nicht mehr lebensbedrohlich sind, geht es vor allen Dingen um Themen wie Lebenszufriedenheit und Glück. Es gibt Universitäten, die sich genau darum kümmern, wie man ein glückliches Leben führen kann. Es gibt Faktoren, die man schlecht beeinflussen kann. Das ist einmal – das wurde zum Beispiel in großen Zwillingsstudien herausgefunden – die Genetik. In gewisser Weise macht Ihre Mutter Sie unglücklich, anders als Sie glauben. Es gibt andere Dinge, das sind biografische Faktoren, beispielsweise Traumata, die man erlebt. Auf die hat man wenig Einfluss. Es gibt biografische Faktoren wie Verwandte in dritter Generation, die in der SPD sind. Darauf hat man wenig Einfluss, das kann einen auch sehr unglücklich machen. Aber es gibt das dritte Standbein, das für Menschen beeinflussbar ist. Das sind die Faktoren, auf die Sie tatsächlich selber Einfluss nehmen können und die Sie in Ihrem Leben verändern können, um ein glückliches Leben zu führen. Da hat die Wissenschaft genau vier gefunden. Das eine ist, eine gewisse Spiritualität im Leben zu haben. Ich als römisch-katholischer Mensch, gleichsam in der AfD, versuche viel und oft, dem Bodenpersonal Gottes zu erklären, dass es mir nicht wichtig ist, ob sie mich mögen, sondern ob deren Chef mich mag. Aber ich kann Ihnen sagen: Das führt auch nicht unbedingt immer zu Glück. Was hat die Moderne ansonsten anzubieten? Beispielsweise die Church of Global Warming. Selbst ärztliche Kollegen erklären Ihnen, dass es ganz normal ist, vor dem Wetter in 50 Jahren Angst zu haben – in gewisser Weise komisch, weil wir die kurze Menschheitsperiode haben, in der wir alle im Warmen sitzen und nicht von einer einzigen Ernte, die ausfällt, bedroht sind. Unsere Vorfahren wären wahrscheinlich amüsiert darüber, dass ausgerechnet wir jetzt große Angst vor dem Wetter haben. Es gibt den zweiten Faktor, das ist die Familie. Auch da: Was Ihre Politik der letzten Dekaden mit der Familie im klassischen Sinne gemacht hat, brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Darüber könnten wir abendfüllend sprechen, das ist aber heute nicht das Thema. Das Dritte sind Freundschaften. Wir haben beispielsweise im Rahmen der Enquete „Einsamkeit“ viel darüber geredet, wie es mit Einsamkeit in unserer Gesellschaft aussieht und was Ihre Antwort auf die Coronapandemie mit den jungen Menschen gemacht hat. Mittlerweile sagt ein nicht unerheblicher Teil der jungen Leute, dass sie sich, wenn sie ein ernsthaftes Problem haben, genau an null Personen 20.02.2025 in ihrem Leben wenden können. Auch da ist es mit dem Glück nicht weit gekommen. Und jetzt kommt der letzte und der wahrscheinlich am ehesten zu beeinflussende Pfeiler in dieser Zeit: Das ist die Arbeit. Hier kommt es auf genau zwei wesentliche Dinge an, die das Lebensglück des Menschen beeinflussen. Das eine ist eine sinnstiftende Tätigkeit. Hierbei hat das Handwerk im Vergleich zu vielen klassischen Bürojobs natürlich sehr die Nase vorn. Sie sehen quasi, was Sie mit den Händen schaffen; wenn Sie ein Brot backen oder ein Haus bauen, dann können Sie das erleben. Es ist also sehr sinnstiftend, hier tätig zu sein. Das andere – das ist an dieser Stelle vielleicht noch viel wichtiger – ist die Selbstwirksamkeit: Wie viel Einfluss habe ich tatsächlich auf mein tägliches Dasein? Wie viel Einfluss habe ich auf meine tägliche Tätigkeit? Ihre Politik der letzten Jahre ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Zufriedenheit unter Handwerkern eingebrochen ist. Die Menschen, die das Handwerk ergreifen, machen das, weil sie gerne mit ihren Händen arbeiten und nicht, weil sie Nachmittage am Schreibtisch sitzen und Papierkram ausfüllen möchten. Sie machen das nicht, weil sie sich in irgendeiner Art und Weise mit immer mehr Bürokratie und immer komplizierteren Regeln auseinandersetzen wollen, sondern weil sie etwas mit ihren Händen schaffen wollen. Es geht also darum, dass wir Bürokratie dringend abbauen, dass wir das zurückfahren und dass wir den Menschen die Selbstwirksamkeit, die Sinnstiftung wieder zurückgeben. Es nutzt nichts, die jungen Menschen in einem freiwilligen Handwerksjahr mit den Handwerkern in Kontakt zu bringen, und diese treffen auf eine ganze Menge Frust. Das ist dann ein bisschen so wie ein Pflegepraktikum: Da kommen junge Menschen auf Stationen, die viel erreichen wollen, die Menschen helfen wollen, und sehen, wie der Pflegealltag aussieht. Das macht keine Lust auf Handwerk, sondern nimmt einem unter Umständen noch die Lust daran. Daher sehen wir als Alternative für Deutschland in dem Konzept des freiwilligen Handwerksjahres nicht die Lösung. Ganz im Gegenteil müssen wir dafür sorgen, dass Bürokratie im Handwerk abgebaut wird, dass die Abgabenlast im Handwerk heruntergefahren wird, damit sich das Handwerk wieder lohnt und damit das goldene Handwerk, wie man so schön sagt, tatsächlich wieder gegeben ist. Dann hat das Handwerk auch wieder genügend Anziehungskraft, damit sich mehr Menschen für diese schönen Berufe entscheiden. Es ist doch nicht der Punkt, wie angedeutet wird, dass man sich nicht vorstellen kann, was ein Bäcker macht, ein Stuckateur oder ein Dachdecker. Das erklärt sich Landtag doch quasi von allein, dazu brauche ich kein Praktikum. Nein, ganz anders: Ich muss den Beruf schlichtweg wieder attraktiv machen. Da haben Sie über die letzten Dekaden geschlafen, das ist aber unsere Marschrichtung. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)

Alle Reden von Dr. Martin Vincentz Protokoll ↗