Susanne Schneider
Vielen Dank. – Herr Präsident! Werte Kolleginnen und Kollegen! „Ich fahr’ voll auf dich ab“, sagt der Fahrzeugbaumechaniker. „Mit dir bekomme ich alles gebacken“, meint die Bäckerin. „Ich öffne dir die Tür zu meinem Herzen“, kommt vom Tischler. „Das mit uns ist in Stein gemeißelt“, sagt die Steinbildhauerin. Mit diesen wunderbaren und kreativen Sprüchen hat am Valentinstag das Handwerk für mehr junge Menschen im Handwerk geworben. Diese Werbung ist leider auch dringend notwendig. Junge Menschen verkennen, was das Handwerk alles leistet, wenn sie sagen: Wir machen erst etwas anderes. Wir bleiben noch länger in der Schule. Wir überlegen noch. – Das Handwerk braucht mehr Azubis, deshalb gibt es heute diese Initiative. Das Handwerk ist und bleibt ein tragendes Fundament unserer Volkswirtschaft. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es 200.000 Handwerksbetriebe. Fast 1,2 Millionen Menschen verdienen dort ihren Lebensunterhalt, und im Handwerk werden über 160 Milliarden Euro Jahresumsatz gemacht. Diesen Menschen verdanken wir, dass unsere Wohnung ein Dach und Wände hat oder der eine oder andere im Raum mit seiner Brille wieder einen Durchblick hat. Das Handwerk braucht aber eine gute Basis, wenn es weiterhin ein Fundament unserer Volkswirtschaft sein soll. Diese Basis ist der eigene Nachwuchs. Da sieht es leider nicht so aus, wie es sein sollte. Landtag In NRW ist 2024 die Zahl der Auszubildenden im Handwerk deutlich zurückgegangen. Die Zahl derer, die eine Ausbildung anfangen, aber den Vertrag dann kündigen, steigt spürbar. Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Alles in allem verschärft das nicht nur den Fachkräftemangel, sondern das gefährdet auch das Wachstum und damit den Wohlstand in unserem Land. Das müssen wir ändern. (Beifall von der FDP) Es wird auch schon viel versucht, das Handwerk frühzeitig als berufliche Chance darzustellen. Es gibt Berufsfelderkundungen in der Jahrgangsstufe 8 und Praktika in den Jahrgangsstufen 9 und 10. Es gibt Betriebspraktika. Der Nachteil ist jedoch, dass das immer nur wenige Tage bis wenige Wochen umfasst und damit nicht für einen richtigen Einblick sorgt. Längere Erfahrungen in der betrieblichen Praxis können die Berufsorientierung nach dem Schulabschluss entscheidend ergänzen und verbessern. In Schleswig-Holstein hat man diesen Weg im letzten Jahr weiter ausgebaut. Dort gibt es seit dem 1. Juli 2024 das Freiwillige Handwerksjahr. Ausbildungsinteressierte lernen während eines Jahres vier unterschiedliche Ausbildungsberufe im Handwerk kennen. Die jeweiligen Praktika dauern drei Monate und bieten damit einen recht tiefgehenden Einblick. Die Handwerkskammer Lübeck übernimmt die Ansprache und die Werbung für das Freiwillige Handwerksjahr. Außerdem unterstützt sie die Betriebe unter anderem bei rechtlichen Fragen. Als Aufwandsentschädigung erhalten die Absolventen 450 Euro monatlich. Für die Betriebe sind die Vermittlung und die Teilnahme am Projekt kostenfrei, da dieses Projekt über das Schleswig-Holsteinische Institut für Berufliche Bildung läuft, das vom Land Schleswig-Holstein gefördert wird. Auf der einen Seite können Jugendliche im Freiwilligen Handwerksjahr herausfinden, wo ihre beruflichen Talente und Stärken liegen. Damit werden sie in ihrer Entscheidung sicherer, ob das Handwerk etwas für sie ist. Auf der anderen Seite ist es für den Ausbildungsbetrieb ein Angebot, die Azubis näher kennenzulernen. Dann kann man schauen, ob man zusammenpasst oder ob das Ganze nicht passt. Das ermöglicht nicht nur einen erfolgreichen Ausbildungsstart, sondern das könnte auch die Abbrecherquote in der Ausbildung deutlich reduzieren. Die ersten Erfahrungen mit dem Freiwilligen Handwerksjahr sind so positiv, dass wir dieses Instrument in unserem Land einführen sollten bzw. sogar müssen. Mein Eindruck ist, dass unsere Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften offen und kreativ genug sind, um diesen Schritt zu gehen. (Beifall von der FDP) 20.02.2025 Damit ein freiwilliges Handwerksjahr in Nordrhein-Westfalen möglich wird, braucht es eine Unterstützung und Förderung durch das Land sowie eine Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Das wollen wir auf den Weg bringen. „Was man mit den Händen macht, passiert vorher im Kopf.“ Mit diesem Satz bzw. Slogan des Handwerks werbe ich für ein Weiterdenken, wie man handwerkliche Berufe attraktiver machen kann, und damit auch für unseren Antrag. – Ich danke Ihnen.
