landtag.nrw.de ↗

Tülay Durdu

SPD 31.01.2025 Sitzungen 18/88

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Wenig überraschend haben wir in der Vorstellung des Antrags durch Herrn Keith zwar viel über sein Zerrbild von Menschen mit nichtdeutscher Herkunft erfahren, auch viel über Wut und Zorn, aber wenig über das Thema des Antrags: den Fachkräftemangel in unseren Bädern. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN) Bevor ich in den Hauptteil meiner Rede einsteige und mich dem Thema widme – ich habe meine Hausaufgaben ganz gut gemacht –, möchte ich etwas sagen. Herr Keith, weil Sie so gerne über Menschen nichtdeutscher Herkunft und fremder Kultur reden, gebe ich aus türkischer Perspektive gerne zu Protokoll: Ich liebe Schnitzel aus Österreich, und zwar das Original ohne Senf mit Preiselbeeren. – Nehmen Sie das doch bitte mit und sagen Sie es – wie hieß sie noch gleich? – Ali…, Aliče, Alice! Aus der Schweiz. Nehmen Sie das doch bitte mit. Danke schön. (Beifall von der SPD, der CDU und den GRÜNEN) Es fehlt an Schwimmmeistern und Rettungsschwimmern für einen sicheren Betrieb unserer Bäder – das ist unstrittig und bekannt. Das betrifft auch nicht nur die Freibäder – wie die AfD hier suggeriert –, sondern alle Bäder und auch nicht nur im Sommer – wie Sie gerade behauptet haben. Das Problem ist – anders, als Sie es eben gesagt haben – erheblich älter als die COVID-19-Pandemie. Die Gründe reichen tiefer – das haben bestimmt schon viele andere vor Ihnen gesagt –: Schwimmmeister und Rettungsschwimmer werden schlecht bezahlt. Das seit vielen Jahren fortschreitende Bädersterben verspricht keine guten Zukunftsaussichten. Die Konkurrenz und immer knapper werdende Wasserflächen führen zu einem Mangel an Schwimmkursen, auch für Rettungsschwimmer. All das findet seinen tieferen Grund wiederum in der chronischen finanziellen Überlastung unserer Städte und Gemeinden. Erst am Mittwoch haben wir hier darüber diskutiert: Den Kommunen steht das Wasser bis zum Hals, weshalb Jahr um Jahr Bäder trockengelegt werden. Kurzer Einschub: Mein Wahlkreis ist Bergisch Gladbach. Das Bad wurde spät geöffnet, weil Sanierungen stattgefunden haben – also bitte keine Unwahrheiten verbreiten. Nun schlägt die AfD in ihrer unergründlichen Weisheit vor, das Land solle an finanzschwächere Kommunen einen Lohnzuschuss für Schwimmmeister zahlen. So sollen ärmere Kommunen im Wettbewerb mit reicheren Kommunen um Schwimmmeister bestehen. Die Kollegen der AfD haben die Debatte um die Altschulden der Kommunen am Mittwoch offensichtlich verschlafen. Landtag (Hedwig Tarner [GRÜNE]: Ja!) Sie müssten unter unseren 396 Kommunen schon mit der Lupe nach Gemeinden ohne Finanzprobleme suchen. Der Antrag verfehlt also mit großer Geste die Lage in NRW, weil hier ohnehin nur finanziell angeschlagene Kommunen untereinander um Bäderpersonal konkurrieren. Ihr Vorschlag ist aber auch aus finanzieller Sicht kaum ernst zu nehmen. Sie nennen keine Zahlen und faseln von „bereiten Mitteln“. Ganz offensichtlich war die AfD auch im Dezember bei der Haushaltsberatung nicht ganz bei der Sache. Sie hätten ja einen Haushaltsantrag mit Finanzierungsvorschlägen unterbreiten können, aber auch das haben Sie, AfD, versäumt. Es ist fast unnötig zu erwähnen, dass der Vorschlag der AfD in keiner Weise Lösungen für den Fachkräftemangel beim Betrieb unserer Bäder beinhaltet. Dass es bei Ihnen aber nicht um die Sache geht, beweisen Sie in diesem Hause täglich. Die Beseitigung des Mangels an Bäderfachpersonal und Schwimmkursen wird nur mit einer besseren Finanzierung der Kommunen gelingen. Dass wir hier nicht weiterkommen, ist schlecht. Vorschläge der AfD liegen auch in diesem Fall nicht vor. Wir werden das Thema im Ausschuss besprechen. Ich bedanke mich bei Ihnen allen ganz herzlich und wünsche Ihnen allen ein schönes Wochenende. – Danke schön. (Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Alle Reden von Tülay Durdu Protokoll ↗