Sven Werner Tritschler
Ich danke Ihnen, Frau Präsidentin. – Die bösen Medien, der böse Elon Musk oder die bösen Computerspiele sind also angeblich schuld. Die machen angeblich unsere Kinder krank. Wahrscheinlich glauben Sie von der SPD, deren Wähler größtenteils Seniorenrabatt für sich beanspruchen können, Sie seien voll am Puls der Zeit. Dabei spielen Sie nur einen ewig gleichen Generationenkonflikt der SPD-Boomer versus der Generation Alpha durch. Das ist, wie alles von der SPD, wirklich nichts Neues. Die Angehörigen meiner Generation – manch einer wird sich hier vielleicht erinnern – wurden immer wieder zum Lesen ermutigt, wenn sie mal wieder vor dem Fernseher angetroffen wurden. (Zuruf von Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]) Aber auch das Lesen selbst war nicht immer unumstritten. Im 19. Jahrhundert sorgten Eltern und Sittenwächter sich vor der vermeintlichen Lesesucht der jungen Generation. Der Gelehrte und Philosoph Johann Adam Bergk schrieb etwa zum Thema: „Ein Buch lesen, um bloss die Zeit zu tödten, ist Hochverrath an der Menschheit, weil man ein Mittel erniedrigt, das zur Erreichung höherer Zwecke bestimmt ist.“ (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Nur nicht mit Argumenten auseinandersetzen!) Ja, meine Damen und Herren, das sind die Probleme, die Eltern und Lehrer gerne schon zu meiner 31.01.2025 Zeit gehabt hätten. Sie hätten sie sehr gerne auch heute. Ich will gar nicht bestreiten, dass Sie in Ihrem Antrag einige Probleme richtig benennen – freilich nicht überall. Wenn Sie sich zum Beispiel darüber ereifern, dass ein gutes Drittel der über Zehnjährigen schon mal einen Hasskommentar über Dritte im Internet gelesen habe, dann empfehle ich Ihnen einen Besuch auf einem Schulhof hier im Land oder vielleicht beim Jugendfußball; denn das hat herzlich wenig mit dem Medium oder mit dem Internet zu tun. Tatsächlich aber kann der Medienkonsum zu einer Sucht werden. Wie jede Sucht macht auch das nichts Gutes aus Menschen, schon gar nicht aus jungen Menschen. So weit, so richtig. Aber dann fällt Ihnen eben wieder nicht mehr ein als die übliche SPD-Soße – eine Landesstelle für Mediensuchtprävention zum Beispiel. Wahrscheinlich haben Sie längst schon ein paar Genossen im Auge, die da versorgt werden sollen. Das ist eben der fundamentale Unterschied zwischen uns. Wir wollen die Kindererziehung da lassen, wo sie hingehört: in den Familien. Die müssen wir stärken und ertüchtigen; die müssen wir entlasten, damit sie ihren Aufgaben endlich wieder gerecht werden können. Bezeichnenderweise kommen die aber in Ihrem Antrag nur am Rande vor. Deswegen lehnen wir ihn ab. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
