Christin Siebel
Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Es ist wichtig, mit einem Missverständnis aufzuräumen. Niemand zwingt Eltern in Nordrhein-Westfalen dazu, ihre Kinder in eine Kindertagesstätte zu schicken. Es gibt in Deutschland ein Recht auf einen Kita-Platz, aber keine Pflicht dazu. Das bedeutet, dass Eltern frei entscheiden können, ob und wie sie dieses Angebot in Anspruch nehmen. Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ist ein grundlegender Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe und wird in § 24 SGB VIII geregelt. Doch der Kern dieser Debatte liegt in der Frage: Was bedeutet die Kita für unsere Kinder? Es geht nicht um eine bloße Betreuung oder, wie mancher es abwehrend nennt, eine Auslagerung der Erziehung. Vielmehr handelt es sich hierbei um Bildung. Frühkindliche Bildung legt den Grundstein für Chancengleichheit und eine starke, mündige Gesellschaft. Bildung ist nicht nur ein Thema der Schule oder der Universität, sie beginnt im frühesten Kindesalter. Eine Kita ist mehr als ein Ort, an dem Kinder beaufsichtigt werden. Sie ist der Raum, in dem sie spielerisch lernen, soziale Kompetenzen entwickeln und in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden. Es geht um eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften, die das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt stellen. Gemeinsam werden Kinder auf ihrem individuellen Weg gefördert und bestmöglich auf das Leben vorbereitet. Begriffe wie „Auslagerung“ führen die Diskussion in eine falsche Richtung. Es gibt keinen Ersatz für die elterliche Bindung, und diese Bindung steht auch 30.01.2025 nicht im Widerspruch zu einer frühkindlichen Förderung in der Kita. Studien belegen, dass Kinder, die früh Zugang zu Bildungsangeboten haben, davon profitieren, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft. Sie lernen früh, Vielfalt zu schätzen, Konflikte zu lösen und sich selbstbewusst einzubringen. Die Kita liefert einen wichtigen Beitrag zur Demokratiebildung, was in unserer heutigen Gesellschaft von unschätzbarem Wert ist. Statt die Kita als Bedrohung oder Entfremdung darzustellen, sollten wir ihre Rolle als Ergänzung und Unterstützung des familiären Rahmens betonen. Eltern, die sich für einen Kita-Platz entscheiden, tun dies, um ihrem Kind die bestmöglichen Chancen zu eröffnen, und das ist ihr gutes Recht. Unser Ziel sollte es sein, diese Angebote auszubauen und zu verbessern. Die Missstände, die derzeit bestehen, wie der Mangel an Kita-Plätzen und Fachkräften dürfen nicht dazu genutzt werden, um das Prinzip der Kita an sich infrage zu stellen. Vielmehr müssen wir gemeinsam daran arbeiten, die Qualität und den Zugang zu sichern. Lassen Sie uns deshalb klarstellen: Bildung und Betreuung sind keine Gegensätze. Sie gehören untrennbar zusammen und sind die Basis für eine starke und gerechte Gesellschaft. Lassen Sie uns die Kita als das sehen, was sie ist, ein unverzichtbarer Baustein für die Zukunft unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft. Wir lehnen Ihren Antrag ab. (Beifall von der SPD – Vereinzelt Beifall von der CDU)
