Charlotte Quik
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Kinder sind die mit den wenigsten Chancen, sich selbst zu schützen. Ich finde es wichtig, dass es Menschen gibt, die ein Auge auf diese Kinder haben und versuchen, zu helfen“, sagt eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Gelsenkirchen am Ende des WDR-Berichtes, der dem vorliegenden Antrag zugrunde liegt. Wie lange sie diesen Beruf unter den aktuellen Bedingungen noch gesund ausüben könne, wisse sie allerdings nicht, sagt sie weiter. Die Dokumentation nimmt den Personalmangel im Bereich der Jugendämter in den Fokus und verdeutlicht, dass dieser leider ein bundesweites Problem ist und nicht nur in Nordrhein-Westfalen besteht. Uns in Nordrhein-Westfalen ist dieses Problem sehr bewusst. Wir haben mit dem Landeskinderschutzgesetz bereits in der vergangenen Legislaturperiode erste wichtige Schritte eingeleitet, um dieser Problemlage Maßnahmen entgegenzusetzen und die Jugendämter strukturell bei ihrer zentralen Aufgabe des Schutzes von Kindern und Jugendlichen bestmöglich zu unterstützen. Die Schwächen in Fällen problematischer Kinderschutzverläufe haben zur Entmutigung geführt, diesen Beruf ergreifen oder dauerhaft ausführen zu wollen, sodass dieses Arbeitsfeld unattraktiv geworden ist. Dokumentationen wie die des WDR, die zum Teil auch einseitig berichten, tragen zur Verschlechterung der öffentlichen Wahrnehmung dieses Berufes zusätzlich bei. Der Fachkräftemangel betrifft alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche, ebenso alle Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe und ist damit kein spezifisches Problem. Der Beruf im Allgemeinen Sozialen Dienst muss zukünftig deutlich attraktiver gemacht werden. Dem haben wir uns auch im Koalitionsvertrag verschrieben. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, hat das Land Nordrhein-Westfalen in enger Abstimmung mit allen beteiligten Akteuren eine Fachkräfteoffensive für Sozial- und Erziehungsberufe initiiert. Ein Zwischenbericht dieser Offensive wurde Mitte 2024 vorgelegt und damit eine umfassende Datenanalyse, „Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe NRW“, 30.01.2025 speziell auf Nordrhein-Westfalen zugeschnitten. Darin werden nicht nur der Personalbestand und aktuelle Personallücken analysiert, sondern auch erwartbare Personalzugänge in ausgewählten Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe. Mit dieser validen Datengrundlage wird allen Akteuren wichtiges Steuerungswissen bereitgestellt. Auch durch eine Verzahnung von Praxis und Hochschulen soll an drei Projektstandorten die Möglichkeit geschaffen werden, zukünftige Absolventen des Studienbereiches Soziale Arbeit durch zielgerichtete Vorbereitung und Begleitung als Personal für den ASD zu gewinnen. Es ist wichtig, dass in dieser Debatte nicht alle Jugendämter unter einen Generalverdacht gestellt werden. Viele leisten sehr gute Arbeit. Um ein einheitlich hohes Niveau und eine entsprechende Qualität in den 186 Jugendämtern in diesem Land sicherzustellen, haben wir eben gemeinsam das bundesweit stärkste und modernste Kinderschutzgesetz verabschiedet. (Beifall von der CDU) Es legt hohe Qualitätsstandards verbindlich fest und sieht mit den §§ 7 und 8 eine Qualitätsberatung und ein Qualitätsentwicklungsverfahren vor, um das höchstmögliche Maß an Qualität bei der Wahrnehmung der komplexen jugendamtlichen Aufgabe im Rahmen des Schutzauftrags gemäß § 8a SGB VIII zu befördern, weiterzuentwickeln und die Arbeit der Jugendämter im Land zu unterstützen. (Elisabeth Müller-Witt [SPD]: Und wo sind die Menschen?) Dazu befinden wir uns aktuell in einer Pilotphase. Dieser Weg bietet die Möglichkeit, ein Konzept zur Umsetzung mit der Qualitätsentwicklung und Beratung und den damit verbundenen Aufgaben zu entwickeln und gleichzeitig zu erproben, um eine passgenaue Beratung und Qualitätsentwicklung für die heterogene Jugendamtslandschaft in Nordrhein-Westfalen entwickeln sowie etablieren zu können. Um den Prozess zu beschleunigen, sollen erste Ergebnisse bereits vor Ablauf der Pilotphase ausgewertet und umgesetzt werden. Ergebnisse zur Strukturqualität verdeutlichen die belastende Personalsituation, ein unzureichendes Angebot und fehlende Kooperationen mit dem Gesundheitsbereich. Der Bedarf ist bereits bekannt. Wissenschaftliche Partner der Landesregierung bestätigen aber auch, dass im Kinderschutz und in den Jugendämtern in NRW, die im Projekt „QueK Pilot“ ein Qualitätsentwicklungsverfahren durchlaufen haben, vorwiegend qualifiziert gearbeitet wird, obwohl es diese großen Herausforderungen und Hindernisse in diesem Arbeitsfeld gibt. 69 % der Fach- und Leitungskräfte bescheinigen nach Durchführung der Landtag ersten Pilotphase, dass dieses Qualitätsentwicklungsverfahren für das Jugendamt eine große Chance darstellte, ihre Arbeit im Kinderschutz zu reflektieren. Die Akzeptanz ist auch auf der Seite der Mitarbeitenden sehr groß. Natürlich sprechen wir in dem Zusammenhang auch darüber, wie wir die Arbeit der Jugendämter noch besser machen können, um am Ende das zu erreichen, was wir alle wollen, nämlich den Kinderschutz weiter zu verbessern. Das ist eine riesige Aufgabe und ein ständiger Prozess, der gut begleitet und evaluiert sein will. Dazu befinden wir uns bereits kontinuierlich in Gesprächen, und wir sind mehr als bereit, weitere zur Verfügung stehende Instrumente zu nutzen. Eine in das Landeskinderschutzgesetz zu implementierende Kontrollmöglichkeit halten wir als CDU für dezidiert geboten. (Beifall von der CDU und Norika Creuzmann [GRÜNE]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben uns gemeinsam am Ende der vergangenen Legislaturperiode versprochen, das Landeskinderschutzgesetz weiterzuentwickeln. Das gilt es nun, gemeinsam zu tun. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
