Dennis Sonne
„Bye-bye G8: Letzter Jahrgang startet zum Abi“, titelt der WDR zum Ende der Sommerferien im letzten Jahr. Dieses Jahr wird der letzte G8-Jahrgang in die Prüfungen zum Abitur gehen. Im Jahr 2027 wird dann der erste reguläre G9-Jahrgang an Gymnasien sein Abitur absolvieren. G8 wurde als Verkürzung der Zeit an den Sekundarstufen in Gymnasien breit von der Politik getragen: Jede der vier in den letzten 20 Jahren regierungsbildenden Parteien in Nordrhein-Westfalen stützte den schnelleren Weg zum Abitur. Man erhoffte sich Einsparungen an Personal und an Unterrichtsraum. Man hat die Rechnung aufgestellt, ohne den menschlichen Faktor zu berücksichtigen. Wie sagt man so schön: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Von Schulen, Verbänden und der Öffentlichkeit gab es Einwände und Proteste. G8 wurde breit nicht akzeptiert. Die Politik hatte ein offenes Ohr: G8 wurde mit einem großen politischen Konsens wieder rückabgewickelt. Ein Beispiel für einen guten demokratischen Prozess: Politikerinnen und Politiker haben auf die guten Argumente der Menschen gehört. Durch die Rückabwicklung von G8 auf G9 sind aufseiten der Kommunen als Schulträger Kosten entstanden, da wieder ein Jahrgang mehr an Gymnasien unterrichtet werden muss. Für einmalige investive Kosten und jährlich wiederkehrende Kosten, die sich für die Kommunen daraus ergeben, wurden im Sinne der Konnexität insgesamt rund 518 Millionen Euro bewilligt: der Belastungsausgleich G9. Die im Gesetz von 2019 vorgesehene Überprüfung des Belastungsausgleichs nach fünf Jahren hat einen Bedarf zur Anpassung des finanziellen Ausgleichs ergeben, dem Landesregierung und Politik – ebenfalls im Sinne der Konnexität – nachkommen wollen. Es ist gut, dass das Land nach intensiver Einbindung der kommunalen Spitzenverbände so viel 29.01.2025 Geld in die Hand nimmt und die Kommunen mit dem Umstieg auf G9 nicht im Stich lässt. Es liegt auf der Hand, dass die Gelder nicht mehr ausreichen, weil beispielsweise die Baukosten gestiegen sind. Vor dem Hintergrund der aktuell schwierigen Haushaltslage ist es umso besser, dass das Land hier noch einmal nachlegt. Im Sinne der Inklusion sollten wir aber nicht vergessen: Die Kommunen müssen durch proaktive Beratung dabei unterstützt werden, dass Investitionen in die Schulinfrastruktur auch modernen Anforderungen an den gemeinsamen Unterricht gerecht werden. Dies geschieht beispielsweise durch Beratung zur Pädagogischen Architektur des Landesinstituts für Schule.
