Dr. Ralf Nolten
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Rund 1 Million Hektar und damit über ein Viertel der Landesfläche Nordrhein-Westfalens sind bewaldet. Der Anteil des Privatwaldes ist dabei mit rund 63 % deutlich höher als in anderen Bundesländern. Die Strukturen der Waldbewirtschaftung sind vielfältig. Sie umfassen neben den rund 150.000 Privatwaldbesitzern auch die öffentlichen Waldbesitzenden, die Landes- und kommunale Forstverwaltung, Forstbetriebsgemeinschaften, forstwirtschaftliche Vereinigungen und forstwirtschaftliche Genossenschaften. Die Entwicklung hin zu klimaresilienten, arten- und strukturreichen Wäldern ist eine zentrale Voraussetzung für die Zukunft des Waldes und der Forstwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Sie dient der Sicherstellung der vielfältigen ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Waldfunktionen. Alle Akteurinnen und Akteure sind dabei auf aktuelle Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung angewiesen. Hierbei spielen u. a. Fragestellungen zur Transformation hin zu multifunktionalen Ökosystemen, zum Zustand und der Regenerierung des Waldbodens, nachhaltig ausgerichtete Holzentnahmen, zum Zusammenspiel von Wald- und Offenlandökosystemen, zu einem nachhaltigen Wildtiermanagement und insbesondere die Bewertung und Honorierung von Ökosystemleistungen eine zentrale Rolle. Alle forstwissenschaftlichen Studiengänge greifen zwar punktuell das Waldökosystemmanagement auf, aber leider sind sie alle an außerhalb von NRW gelegenen Universitäten und Fachhochschulen verortet. In Nordrhein-Westfalen existiert kein forstwissenschaftliches Hochschulinstitut. Bestrebungen zur Etablierung eines Hochschulangebots kamen in den letzten Jahren nicht über ein Anfangsstadium hinaus. Es bedarf vor dem Hintergrund des hohen Privatwaldanteils aber praxisnaher Lösungen zum Waldumbau. Das Land NRW selbst verfügt für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel über das Waldbaukonzept NRW. Es sollte aber auch durch wissenschaftliche Beiträge unterstützt werden. Nur so entstehen inhaltliche Bausteine für die Fort- und Weiterbildung im Bereich der Waldwirtschaft – für Förster, für Waldarbeiter und auch für die Waldbesitzenden selbst. Um diese Lücke zu füllen, wurde 2020 das Zentrum für Wald- und Holzwirtschaft unter dem Dach des Landesbetriebs Wald und Holz NRW errichtet, ausgehend vom früheren Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberg. Die jüngste Aktivität ist das vom MLV angestoßene Forschungsnetzwerk. In dieser Hinsicht kann die Gründung eines Instituts für Waldökosystemforschung in NRW einen zügigen 19.12.2024 Wissenstransfer in die Forstpraxis ermöglichen. Hinsichtlich der institutionellen Verankerung als Teil des Landesbetriebs Wald und Holz oder als Hochschuleinrichtung sind vielfältige Formen des Miteinanders denkbar. In jedem Fall wäre eine enge Kooperation zwischen einem neu zu gründenden Institut für Waldökosystemforschung und dem forstlichen Lehr- und Weiterbildungszentrum des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft des Landesbetriebs Wald und Holz in Arnsberg von Vorteil. Eine Ansiedlung des Instituts in einer waldreichen ländlichen Region in NRW wäre sowohl für eine praxisnahe Forschung, den Praxistransfer der Forschungsergebnisse als auch für die Stärkung des regional bedeutsamen Clusters „Wald und Holz“ sinnvoll. Eine Integration des Instituts in bestehende Systeme könnte Synergien bei der Forschung zu diversen Landnutzungssystemen nutzen, so zum Beispiel durch eine Zusammenarbeit mit der FH Südwestfalen am Standort Soest. Die FH Südwestfalen errichtet zurzeit ein Klimahaus sowie Reallabore und beabsichtigt auch die Neuausrichtung eines bestehenden Fachbereichs. Erste Anknüpfungspunkte sind mit einem Vorlesungsmodul „Waldbau“ und jüngst einer Neuberufung im Bereich „Landnutzungsökologie“ vorhanden. Vorstellbar sind hier Ergänzungen nach Um- und Neubesetzungen auf der Grundlage eines Konzepts, welches auch die Bedarfe des gesamten Clusters der Forst- und Holzwirtschaft berücksichtigt. Bei der Entstehung eines neu strukturierten Fachbereichs ist von den bestehenden räumlichen, technischen und personellen Strukturen der Hochschule auszugehen, um einen zügigen Start zu gewährleisten. Eine angemessene Förderung des Instituts haben wir mit den Haushaltsansätzen im Einzelplan 15 sichergestellt. Erste konzeptionelle Vorüberlegungen sind vorhanden. Unser Antrag zielt somit darauf ab, über eine Zusammenarbeit des Landesbetriebs Wald und Holz und der FH Südwestfalen kurzfristig ein Umsetzungskonzept für ein waldökologische Themen bearbeitendes Institut zu erstellen. Deswegen bitte ich um Ihre Unterstützung. – Vielen Dank. (Beifall von der CDU und den GRÜNEN)
