Berivan Aymaz
Es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Somit kommen wir zum Schluss der Aussprache und gehen zur Abstimmung über. (Thorsten Klute [SPD]: Tja, Herr Minister, was soll uns das sagen?) Jetzt ist gerade tatsächlich die vorweihnachtliche Stimmung zu sehr auf mich eingerieselt. – Herr Minister, das tut mir sehr leid. (Mehrdad Mostofizadeh [GRÜNE]: Der ist so bescheiden, da geht das!) Selbstverständlich … (Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Ge- sundheit und Soziales: Verehrte Frau Präsi- dentin! – Vereinzelt Beifall von der CDU) – Ich möchte Ihnen gerne der Ordnung halber noch das Wort erteilen. (Heiterkeit von Wibke Brems [GRÜNE]) Für die Landesregierung hat jetzt Herr Minister Laumann das Wort. (Beifall von Guido Görtz [CDU]) Karl-Josef Laumann*), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales: Herzlichen Dank. – Sehr geehrte, liebe Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Erst einmal glaube ich, dass man Alter gar nicht definieren kann. Ich kenne Leute, die sind 20 Jahre alt und schon schrecklich alt, und ich kenne andere, die sind 70 Jahre alt und schrecklich jung. Das passt also überhaupt nicht. (Beifall von der CDU – Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN) Wir müssen auch von dieser Vorstellung Abstand nehmen, dass Leute irgendwann mit 60 oder 65 Jahren alt sind. Landtag (Thorsten Klute [SPD]: Das steht nirgendwo! Das steht an keiner Stelle!) Gucken Sie sich einfach mal die Regelaltersgrenze an und wohin wir uns bewegen: Sie ist zurzeit bei 66 Jahren. Wir gehen auf 67 Jahre. (Thorsten Klute [SPD]: Sie wollen die Rente mit 70!) Das heißt: Viele Menschen verbringen einen Teil des Alters, wie wir es früher definiert haben, in Berufstätigkeit. Man kann heute sehr froh sein, in einer Gesellschaft zu leben, in der das Alter, wie auch immer wir es definieren, und auch der Ruhestand nach der Erwerbsarbeit ein ganzer Lebensabschnitt sind und dass die allermeisten Menschen ihn in einer großen Selbstbestimmtheit verbringen und erleben können. Ich glaube, dass es der schwierigste Teil des Alters derjenige ist, wenn einen die geistigen oder körperlichen Kräfte so verlassen, dass man einen Teil und vielleicht sogar einen großen Teil seiner Selbstbestimmung verliert. Das müssen wir auch in der Politik unterscheiden. Alte Menschen legen sehr viel Wert darauf, dass wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben, und zwar auch dann, wenn sie noch sehr mobil sind. Immer dann, wenn ich auf Seniorennachmittagen bin, kriege ich mit, dass sich sehr viele Gespräche um dieses Thema drehen, etwa um die Erreichbarkeit der Ärzte oder der Krankenhäuser. Deswegen will ich erst einmal sagen, dass zu einer guten Politik für ältere Menschen auch eine flächendeckende Gesundheitsversorgung gehört, und zwar sowohl im stationären wie im ambulanten Bereich. Es ist für viele Seniorinnen und Senioren ein wichtiges Anliegen an den Staat, dass dieser Bereich vernünftig funktioniert. Ich will ein weiteres Beispiel nennen. Ich glaube, dass die Menschen auch möchten, dass es dort, wo sie leben, unterschiedlichste Möglichkeiten der Ausübung von körperlicher Ertüchtigung gibt und dass dafür in den Gemeinden Räume zur Verfügung stehen, wo Gymnastik und andere altersgemäße Sportangebote gemacht werden. Ich stelle fest, dass darauf sehr viele Menschen in der Gemeinde, in der ich lebe, sehr viel Wert legen und dass wir das über die Sportvereine und über andere Vereine auch ganz gut im Griff haben. Die schwierigste Phase im Alter ist diejenige, in der einen die körperlichen und geistigen Kräfte verlassen und dann auch noch der langjährige Lebenspartner oder die Lebenspartnerin verstirbt. Dann kommt zu all dem ganz praktisch oft noch sehr viel Einsamkeit dazu. Deswegen glaube ich, dass wir mit den beschränkten Ressourcen, die wir haben, auf diese Lebensphase von vielen betroffenen Menschen 18.12.2024 reagieren müssen, im Übrigen auch, wenn ein Lebenspartner, Ehefrau, Ehemann, pflegebedürftig wird und der andere ihn pflegt. Denn wir wissen, wie viele hochbetagte Menschen jeden Tag ihre Partnerin, ihren Partner pflegen. Wir müssen dort gute Hilfsangebote haben, durch gute medizinische Versorgung, die auch nach Hause kommt, durch gute pflegerische Versorgung, durch ein flächendeckendes Netz, das insbesondere die häusliche Pflege unterstützt. In Nordrhein-Westfalen sind 86 % aller Pflegebedürftigen zu Hause. Das heißt, wir sind im ambulanten Bereich anscheinend ziemlich gut, sonst hätten wir nicht diese hohe Zahl, auch im Vergleich mit anderen Bundesländern. Dazu gehört dann wieder, dass man dafür sorgt, dass wir eine gute Pflegeausbildung haben, dass wir eine gute Assistenzausbildung haben, dass wir flächendeckend ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote haben. Wenn Sie in die nordrhein-westfälische Landschaft gucken, dann erkennen Sie: Wir haben diese Angebote. Natürlich gibt es auch heute bei Angeboten Wartelisten. Aber wir haben die Angebote. Sonst hätten wir nicht diesen hohen Anteil an häuslicher Pflege.
