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Andreas Bialas

SPD 05.12.2024 Sitzungen 18/82

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Denn Sie wissen nicht, was Sie tun“, möchte man denen zuschreien, die es zulassen, dass die Kulturhaushalte unter Druck geraten Landtag oder gar gekürzt werden. Selbst wenn Haushalte überrollt werden – das wird uns derzeit als scheinbar riesiges Geschenk und als Zugeständnis dargereicht –, steht dem die Inflation der letzten Jahre gegenüber, die de facto und sehr arg die Haushalte zusammengestrichen hat. Dieses deutlich weniger zur Verfügung stehende Geld wirkt meist nicht im ersten Schritt bei den etablierten staatlichen und institutionell geförderten Einrichtungen. Es drückt und schnürt ein bei der Freien Szene und bei den Künstlerinnen. Zeiten sind nie einfach; sie waren es nie. Vielleicht waren wir in den letzten Jahren nur ein wenig verwöhnt. Existenzielle Bedrohungen waren uns eher fremd geworden. Zeiten werden auch nicht dadurch einfacher, dass oftmals immer gleiche menschliche Denk- und Handlungsweisen zum Zerwürfnis zwischen den Menschen führen und wir immer wieder die gleichen Kämpfe führen; sie führen müssen. Das macht auch müde. Mitunter immer der gleiche Mist; man hofft, es hat sich endlich erledigt, was ja niemals tatsächlich der Fall war. Auch wenn man es sich so sehr gewünscht hat, kommt der stinkende Mist immer wieder so sichtbar und grinsend angekrochen: der Hass, der Krieg, die Ausbeutung, die Diskriminierung, der Rechtspopulismus und Extremismus, die Armut, die Dummheit, die Simplifizierung. Wir müssen ankämpfen gegen diese Müdigkeit, gegen die Bequemlichkeit, gegen die Sorglosigkeit, gegen die verführerischen Stimmen, die einflüstern, alles werde nicht so schlimm. Wir müssen auch leider mehr und mehr gegen die Angst ankämpfen. Warum tun wir es, verstehen es als unsere Aufgabe, dieses Ankämpfen gegen Narrative, die uns vorgaukeln, es gebe klare und homogene Antworten auf die Fragen zu Staatsaufgaben, Führungsverhalten, Gesellschaft, Migration, Freiheit und Ordnung, dem Zusammenleben oder dem Rollenverständnis zwischen den Geschlechtern und vielen anderen Dingen? Dieses Ankämpfen gegen die sich anmaßende und nicht vernünftig zu rechtfertigende Macht, gegen die ungezügelten Märkte und die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, gegen den hungrigen Zubiss und die Aneignung durch Gewalt, gegen die Exklusion, gegen die Rohheit und die schenkelklopfenden Verächtlichmacher unserer freiheitlichen, demokratischen und solidarischen Verfasstheit. Vielleicht, weil wir gar nicht anders können, weil die Kunst nicht anders kann, die aus Künstlerinnen herauswill und von uns Kulturpolitikerinnen auf- und abgerufen werden kann, weil wir diese Kunst so lieben und sie so dringend brauchen, weil wir die Künstlerinnen lieben, die uns buntere Welten, vielfältigere Welten, offenere Welten, intelligentere Welten, unterschiedlichere Welten malen, besingen, aufschreiben, performen, beleuchten und tanzen. 05.12.2024 Nicht jede und jeder. Manches ist so stumpf und engstirnig wie nur was. Aber das vielstimmige Orchester aller, geboren aus der Freiheit für diese alle, das ist die Symphonie der Heterogenen, garniert mit ein paar kleinen Noten, die uns besänftigen, vielleicht einer leicht schwebenden Oboe Mozarts, die uns die Vielstimmigkeit auch aushalten lässt, weil wir unsere Künstlerinnen brauchen, weil sie systemrelevant sind, weil sie uns Freude bringen, sie uns vielleicht ein weniges verstehen lassen, sie uns hinterfragen und uns Hoffnung schenken, weil wir uns hoffentlich lieben und weil wir unser Land lieben. Wir sind uns nicht egal, und unser Land ist uns nicht egal mit seinen Menschen, mit seinen Möglichkeiten, mit seinen Versprechen. Ich kenne die Redeweisen. Man kann doch nicht immer Geld für die Kultur oder für die öffentlichen Ausgaben fordern, und man könne doch auch nicht immer glauben, durch mehr Geld werde es besser. Doch, genau das glaube ich, und genau das will ich, und genau das tue ich – nicht in ritualisierten Anträgen, die haben Sie, als Sie noch Geld hatten, bereits alle abgelehnt. Jetzt, wo kein Geld mehr da ist, mache ich mir keine Illusionen. Daher: Hier und jetzt. Wir müssen unsere Künstlerinnen fördern. Wir müssen unsere Kulturorte als Demokratieorte sichern und erhalten. Wir müssen der freien Szene die Luft und den Raum zum Leben geben. In der Sprache des Marktes: Wir müssen jetzt investieren. Die Künstlerinnen müssen nicht den Menschen dienen. Sie machen Kunst, da sind sie frei. Durch das Schaffen in ihrer Freiheit dienen sie den Menschen, aber zumeist doch. Für uns gilt das nicht. Politik, die nicht den Menschen dient, ist falsch. Daher: Nicht im Jammertal versinken, sondern Freude schenken, nicht passiv verzagen, sondern aktiv gestalten, mitmachen und sich spüren, nicht schweigen, sondern laut sein und werden, nicht verstecken, sondern zeigen, Welten erobern, Bildung befeuern, Eintreten für unsere vielfältige und offene Gesellschaft, Unterschiede ansprechen, aussprechen und aushalten, Distanzen bemerken und verkürzen, alle die vielen und nicht einige die wenigen, meinen und einbinden, für alle, Werte aufgreifen, hinterfragen, setzen, Erfolge feiern und Wertschätzung schaffen, Gemeinschaft stiften und Gemeinschaft erleben, Teilhabe und Teilnahme, geben und nehmen, den Menschen zugewandt. Das ist die Kraft der Kunst. Damit ist unsere Aufgabe als Kulturpolitikerinnen beschrieben. Den Haushalt lehnen wir ab. – Vielen Dank. (Beifall von der SPD)

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