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Sven Werner Tritschler

AfD 05.12.2024 Sitzungen 18/82

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn in Deutschland etwas zu allen Zeiten gut funktioniert Landtag hat, dann war es das Führen von Akten. So war es auch gar nicht schwer, eine Ermittlungsakte nebst Haftbefehl gegen meinen Urgroßvater, den ich als Kind noch kennenlernen durfte, zu finden. Dort ist vermerkt, er habe am 9. November 1935 mit einem Mittäter – ich zitiere – den Führer und Reichskanzler dadurch beschimpft, dass er ihn einen Bluthund und Massenmörder nannte. Besonders rührend fand ich einen Brief meiner Urgroßmutter in der Akte, die um einen Besuchsschein bat oder besser gleich zwei oder drei davon, weil sie – Zitat – zwei Kinder – eines davon meine Großmutter – und einen alten Vater von 78 Jahren hat und noch nebenbei in die Fabrik gehen muss und das sonst so umständlich ist. Sie schließt ihren Brief wie folgt: Bitte sind Sie so gut und lassen Sie eine arme, unglückliche Frau mit zwei unschuldigen Kindern nicht lange warten. Als vor Kurzem der Fall des 64-jährigen Rentners Stefan Niehoff Wellen schlug, dem von der bayerischen Justiz die Wohnung, in der er gemeinsam mit seiner Ehefrau und seiner behinderten Tochter lebt, auseinandergenommen wurde, weil er Robert Habeck im Netz als Schwachkopf bezeichnet hatte, habe ich mich gefragt, was wohl mein Urgroßvater dazu gesagt hätte. Leider kann ich ihn nicht mehr fragen. Mein Urgroßvater wurde übrigens auf Grundlage des Gesetzes gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen verhaftet und angeklagt.

Protokoll ↗