Sven Werner Tritschler
Frau Kollegin, wenn Sie in Berlin ein Filmfördergesetz haben wollen, können Sie es ja mal zur Abstimmung stellen. Vielleicht hat es eine Mehrheit; das müssen Sie nur ausprobieren. Aber kommen wir zum Haushalt. Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Als Blütezeit des deutschen Films gilt bis heute die Weimarer Republik. Die Frühzeit des Tonfilms fiel zusammen mit den politischen Wirren infolge der Kriegsniederlage. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass die Bedingungen in Deutschland damals, geprägt von Armut, Elend und politischer Instabilität, alles andere als geeignet waren, um eine prosperierende Filmwirtschaft entstehen zu lassen. Aber weit gefehlt! National wie international genoss der deutsche Film hohes Ansehen und war sehr konkurrenzfähig. Mit der NS-Machtergreifung geriet das Filmwesen dann aber vollständig unter staatliche Kontrolle, und die zwischenzeitliche Blüte fand ein jähes Ende. 04.12.2024 Der deutsche Film hat sich bis heute nicht wirklich davon erholt, und auch aus den Fängen des Staates konnte er sich nie mehr ganz befreien. Und das merkt man. Heute läuft staatliche Kontrolle natürlich viel subtiler ab. Jeder kann im Prinzip einen Film produzieren, wenn er das Geld dazu hat. Mit dem süßen Gift der Filmförderung hat die Politik inzwischen eine Filmwirtschaft geformt, die sich nicht am Geschmack der Zuschauer ausrichtet, sondern an dem der Förderbürokraten. Diese kommen aus der Politik oder werden zumindest von ihr ausgewählt. Wer zum Beispiel von unserer Film- und Medienstiftung NRW – einer von dutzenden Förderanstalten der Länder, des Bundes, der EU – gefördert werden will, muss neben zahlreichen anderen Bedingungen folgende Ökoauflagen erfüllen. Ich zitiere: „Es muss entweder ein*e externe*r Green Consultant oder ein*e Mitarbeiter*in, der/die zum Green Consultant ausgebildet wurde, beschäftigt werden.“ Weiterhin: „In allen für die Produktion einschließlich Postproduktion genutzten Betriebsstätten des Produktionsunternehmens und in allen für die Produktion genutzten Studios muss zertifizierter Ökostrom verwendet werden.“ Drittens. „Inlands- und Auslandsflüge sind nicht gestattet, wenn die entsprechende Bahnfahrt weniger als fünf Stunden dauern würde.“ Angesichts der Tatsache, dass die meisten Produktionen sich nur mit der Förderung einer oder einer Vielzahl solcher Anstalten über Wasser halten können – die jeweils auch noch ihre eigenen Regeln und neben dem deutschen Film noch das Klima oder was auch immer zu retten haben –, kann man sich vorstellen, wie viel Energie und Zeit ein Filmschaffender heutzutage auf Förderbürokratie und wie wenig er tatsächlich auf die Qualität seines Films verwenden kann. Und auch das merkt man. Angesichts solcher Zustände muss man fast froh sein, dass die Landesregierung jetzt an der Förderung ein bisschen herumkürzt. Der größte Segen für den deutschen Film wäre es wahrscheinlich, wenn man den ganzen Förderdschungel komplett lichten würde und die Produzenten stattdessen von Steuern, Abgaben und solcher Bürokratie befreit. Denn es ist ja nicht so, dass es keine Kreativen in Deutschland gibt, die ihr Handwerk verstehen. Es gibt sie, die Lichtblicke, vor allem auch durch neue Finanzierungs- und Vertriebswege auf den Streaming-Plattformen. Landtag So entstand die erfolgreichste deutsche Filmproduktion der letzten Jahrzehnte, die Neuauflage von „Im Westen nichts Neues“, ohne dass Förderbürokraten oder gar der Staatsfunk darin irgendwie herumpfuschen konnten. Und auch das merkt man. Wo auch immer dieser Staat allerdings herumfördert, kommt meistens nicht viel Gutes heraus. Wir sehen das bei der Filmförderung. Wir sehen es bei der Kulturförderung, und jetzt fangen Sie auch noch mit den Journalisten an. Nicht, dass Sie für die mit dem WDR nicht schon eine übergroße Versorgungsanstalt betreiben würden; nein, aus dem Landeshaushalt müssen die vermeintlich unabhängigen Berichterstatter auch noch gefüttert werden. Das machen Sie, indem Sie viele davon für Moderationen, für Coachings usw. beschäftigen, wie unsere Anfragen ergeben haben. Das machen Sie aber auch institutionalisiert, etwa mit dem Bonn Institute für konstruktiven Journalismus, das jetzt nette Broschüren herausgibt, um Journalisten zu erklären, wie man sich regierungsseitig seinen Journalismus wünscht. Das alles – das wird Sie nicht überraschen – ist nicht die freie Medienlandschaft, die wir uns vorstellen. Wir müssen und wir werden die Medien-, Film- und Kreativwirtschaft in Deutschland von staatlicher Gängelei befreien. Ihr Haushalt dagegen ist der Ausdruck genau des Gegenteils, und deswegen werden wir auch nicht zustimmen. – Vielen Dank. (Beifall von der AfD)
